Anstoß 15/2026

Mut zur Bitte

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Ankunft in der Ferienwohnung. Kein WLAN. Gefühlte Katastrophe. Ich hatte noch einen Beitrag für eine Zeitung zu schreiben und war dringend darauf angewiesen, diesen pünktlich per E-Mail an die Agentur zu schicken. Was tun?

Porträtbild von Andrea Wilke
Andrea Wilke
Pressereferentin Bistum Erfurt

Dann die erlösende Erinnerung an die nahegelegene Familienferienstätte St. Ursula (Graal-Müritz). Dort gibt es todsicher Internet. Ich werde dort nach dem Wochenende gleich nachfragen (auch wenn mich fälschlicherweise das Gefühl beschlich, damit jemandem zur Last zur fallen).

Sonntags in der Kirche entdecke ich den Leiter der Familienferienstätte, frage ihn nach dem Gottesdienst, ob es möglich wäre... Na klar, kein Problem, kommen sie einfach. Setzen sie sich in die Bibliothek, dort können sie ungestört schreiben. Ich bin glücklich, mein Problem ist gelöst. Nicht nur das. In der Ferienstätte werde ich nicht nur mit dem Internetzugang versorgt. Möchten Sie einen Kaffee? Oder lieber ein Wasser? Oder beides? Danke für all die Freundlichkeiten!

Als der Beitrag geschrieben und versendet ist, geht mir ein Wort Jesu durch den Kopf: Bittet, dann wird euch gegeben. Ja, das habe ich gerade erlebt, denke ich beglückt. Bevor ein Problem gelöst wird, steht das Bitten an. Oder treffender ausgedrückt: Das Bitten ist schon ein Teil der Problemlösung. Wer bittet, bleibt nicht frustriert oder resignierend im Problem stecken, sondern sucht schon nach einem Ausweg. Wenn das um Hilfe bitten manchmal auch ein wenig Mut erfordert, lohnen tut es sich allemal.

Andrea Wilke