Anstoß 04/2026

Bodenhaftung bewahren

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Mich gibt es jetzt auch in einem Buch. Das klingt doch gut, oder? Vor ein paar Jahren habe ich eine Büttenpredigt online gestellt und plötzlich schreibt mir ein Verlag, ob sie diesen Text in einem Sammelband veröffentlichen dürfen.

Porträt von Marko Dutzschke
Pfarrer Marko Dutzschke, Lübbenau

Wow, denke ich, die wollen deine Predigt abdrucken. Und ich spüre, wie ich mich geschmeichelt fühle. Irgendwann kommt eine Mail und kündigt sogar noch ein Honorar an.

Das war am 28. Januar. Warum weiß ich das so genau? An diesem Tag feiert die Kirche den heiligen Thomas von Aquin. Im Gottesdienst wurde eine Stelle aus dem Matthäusevangelium vorgelesen: „Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ (Mt 23,8-12) Thomas von Aquin war mit Sicherheit einer der größten Theologen des Mittelalters, vielleicht der größte. Er war ein angesehener Lehrer. Seine Worte hatten Gewicht. Zusammen mit dem Evangelium klingt das wie eine kalte Dusche oder eine gut gemeinte Warnung.

Ich denke daran, wie sehr mir so ein kleiner Text in einem Buch schmeichelt. Sicher geht es nicht darum, die eigenen Gaben und Fähigkeiten zu verstecken. Ausdrücklich fordert Jesus an anderer Stelle dazu auf, sie einzubringen. Aber er mahnt zur Vorsicht: Lass dir die Dinge nicht zu Kopf steigen, verliere die Bodenhaftung nicht, wenn du Anerkennung erfährst.

Gerade ist Karneval. Menschen, die jedes Maß verloren haben, die sich für den Nabel der Welt halten, für Lehrer der Völker, sind das Material für eine gute Bütt und provokante Motivwagen in den Umzügen. Junge (oder Mädchen), komm wieder runter, bleib mit deinen Beinen auf dem Boden.

Vielleicht ist das auch ein guter Gedanke für die Fastenzeit vor unserer Tür. Wie sieht es mit meiner Bodenhaftung aus?

Marko Dutzschke