Anstoß 24/2025
Nachschenken
Gemeindereferentin in Naumburg, Pastoralregion Burgenlandkreis (Naumburg-Weißenfels-Zeitz)
Wir waren in der Schweiz Mechthild von Magdeburg auf der Spur. Die älteste, vollständig erhaltene, deutschsprachige Fassung ihres Buches vom fließenden Licht der Gottheit gehört den Benediktinerinnen im Kloster Au bei Einsiedeln. Darüber hinaus ging es auf die Spurensuche von Frauen, die sich, ganz wie Mechthild erkühn(t)en, ihren Glauben, ihre Überzeugungen auf ihre Weise zu leben und nicht, wie es andere für richtig hielten. So kam es im Kloster Fahr für einen Tag zu jenem Stammtisch. Jede war eingeladen, eine Frau mitzubringen, die aus ihrer Sicht eine Mystikerin ist. Die Runde füllte sich mit Frauen jeden Alters aus Vergangenheit und Gegenwart: die heilige Elisabeth und Josefina Margareta Bakhita saßen neben Hilde Domin und Paula Greiner-Bär; Mary Ward, Virginia Satir, Martha, Junia, Ruth Bader-Ginsberg, Mutter Teresa und Mariann Edgar Budde trafen aufeinander – eine unglaubliche Kraft strahlte aus all diesen Geschichten.
Am Ende die Frage: In einem Wort, einem Satz – was nehmt ihr heute mit? Für eine war es die Bestätigung ihrer Lebenshaltung, dass das Glas immer halb voll ist. Und dass es tatsächlich eine Frage der eigenen Haltung ist und in ihrer Macht steht, nachzuschenken, falls nicht: Hoffnung, Mut, Kraft zu teilen, Menschen in ihre Kraft zu bringen und auf ihrem Weg zu stärken. Wie der Mann aus Nazareth. Welche glaubensstarke Frau würden Sie in eine solche Runde mitbringen?