Anstoß 05/2026

Lass uns tauschen!

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Am Morgen des Aschermittwoch bog eine orangene LKW-Kolonne in unsere Straße ein. Menschen in orangen Outfits stiegen aus und bauten Biertische auf. Wenn die BSR – die Berliner Stadtreinigung – ihren „Kieztag“ veranstaltet, lassen sich die Neuköllner nicht lumpen.

Porträtfoto von Lissy Eichert
Lissy Eichert
Pastoralreferentin in Berlin

Schnell bildeten sich Schlangen. Denn Sperrmüll kostenlos vor der Haustür abgeben zu können, ist eine tolle Sache! Die Müllpresse schluckte geduldig alles, was in ihren Schlund geworfen wurde.

Auf den Biertischen, beim „Tausch- und Verschenkemarkt“, sammelte sich, was noch für gut befunden wurde: Kleider, Kronleuchter, Teller und Tassen, Töpfe, Schuhe… Ich stand neugierig in der Schlange. „Da haben Sie wirklich ein Schnäppchen gemacht!“, hörte ich den ehemaligen Besitzer eines Fußschemels den neuen Eigentümer loben. Der zog mit seinem Fund zufrieden von dannen. Ein anderer hatte einen gut erhaltenen Katzenkorb zu verschenken. „Meine Katze ist vor kurzem von mir gegangen“, erzählte er dabei traurig. Ein mitfühlendes „Oh, wie schade“ von der Beschenkten. Und wie so oft, wenn zwei Tierliebhaber sich treffen, tauschten sie ihre Erfahrungen aus. Besonders darüber, wieviel mehr Freude ihnen die Vierbeiner machten. Ach ja, Neukölln hat auch einfach Klasse, dachte ich zufrieden.

Am Abend läuteten die Glocken zum Gottesdienst den Beginn der Fastenzeit ein. Eine Zeit des Verzichts? Im Gegenteil! Für mich eine Einladung zum Tauschen. Getauscht wird schließlich alles Mögliche: Erfahrungen, Rollen, unnütze Gegenstände, Wohnungen – bisweilen sogar der Ehepartner…! Warum also nicht Ängste, Sorgen, Selbstzweifel, kaputte Beziehungen, unerledigte Aufgaben bei Gott eintauschen gegen etwas, das gut tut? Erneuerung im Heiligem Geist. Das schenkt Frieden, Freude, neuen Sinn, versöhnte Beziehung, ... Und alles ohne Maß. Ich bekomme mehr geschenkt als ich jemals eintauschen kann. Der Gründer meiner Gemeinschaft, Vinzenz Pallotti (1795-1859), sprach gern von Gott als dem „Narr der Liebe“. Ich mag den Gedanken, dass mein Tauschpartner vernarrt in uns ist.

Die BSR hatte längst alles zusammengepackt und der Tauschmarkt löste sich auf. Als ich im Gottesdienst saß, tauchte Psalm 37,4 auf: „Er wird dir geben, was dein Herz begehrt.“ Also machte ich den Deal mit dem Herrn klar: „Lass uns tauschen!“

Lissy Eichert