Aufführung der Johannes-Passion von Bach

Chöre bringen ein Meisterwerk auf die Bühne

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Kammerchor Emsland
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Foto: Kammerchor Emsland

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Der Kammerchor Emsland, hier vor der St.-Bonifatius-Kirche in Lingen, ist am großen Chorprojekt beteiligt.

Ende März wird an drei Orten – in Alfhausen, Papenburg und Lingen – ein musikalisches Meisterwerk erklingen: die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. In einer faszinierenden Mischung aus Chören, Arien und Rezitativen erzählt sie die Leidensgeschichte Christi nach dem Evangelium des Johannes – und macht sie so zu einer tiefen spirituellen und emotional berührenden Erfahrung.

Der Kammerchor Emsland präsentiert die Johannes-Passion in Kooperation mit dem Kammerchor Bersenbrück, dem Barockensemble Concerto Ispirato Hannover sowie ausgewählten Solistinnen und Solisten.

„Die Johannes-Passion ist musikalisch wie theologisch hohe Kost“, sagt Sebastian von Melle, Krankenhausseelsorger in Lingen und Vorsitzender des 2023 gegründeten Vereins Kammerchor Emsland. Der Chor selbst besteht bereits seit 2014 und wurde von Balthasar Baumgartner und Frauke Schwind ins Leben gerufen. Heute leitet Frauke Schwind den Chor gemeinsam mit Ralf Stiewe – eine Doppelspitze, die von Melle als „Glücksfall“ bezeichnet. „Die beiden bringen sehr unterschiedliche musikalische Perspektiven ein, von denen der Chor enorm profitiert“, erklärt er. 

Frauke Schwind erlebt die Zusammenarbeit mit Ralf Stiewe als sehr gewinnbringend. „Wir sind absolut gleichberechtigt“, sagt sie. „Es ist eine fruchtbare und für die Gruppe inspirierende Arbeit, weil wir jeweils einen anderen Blick darauf haben – als Mann und Frau unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkten.“ Bei den Konzerten dirigieren sie gemeinsam, bei mehreren Aufführungen wechseln sie sich ab.

Probe Johannes-Passion
Bei einer Probe der Johannes-Passion. Foto: Kammerchor Emsland

Unglaublicher Einsatz der Sängerinnen und Sänger

Auch Mechthild Lucks aus Werlte, Sängerin im Kammerchor Emsland, schätzt die doppelte Chorleitung: „Es sind zwei tolle, dynamische Chorleiter – sehr unterschiedlich, aber genau das macht es spannend und bringt uns musikalisch voran. Nach jeder Probe gehe ich mit neuem Schwung nach Hause.“

Der Kammerchor Emsland versteht sich als Forum für anspruchsvollen Chorgesang in Westniedersachsen. Frauke Schwind erklärt es so: „Unsere Initialzündung war, dass wir ein Ensemble mit ambitionierten Sängerinnen und Sängern aus der Region für das gesamte Emsland gründen wollten.“ 

Mit 44 Sängerinnen und Sängern aus dem gesamten Emsland arbeitet der Chor projektbezogen – regelmäßige Proben gibt es nicht, stattdessen intensive Vorbereitungen über mehrere Monate. Wegen der weiten Entfernungen wechseln die Probenorte zwischen Papenburg, Meppen, Lingen und aktuell auch Bersenbrück. „Die Sängerinnen und Sänger zeigen unglaublichen Einsatz, sind mit Hingabe und großer Freude dabei“, lobt von Melle. Das Publikum honoriert die hohe Qualität der Aufführungen mit begeistertem Feedback.

Es ist eine großartige Möglichkeit, diese Musik auf hohem Niveau in die Breite zu tragen.

Im Durchschnitt bringt der Kammerchor jährlich ein Konzertprojekt auf die Bühne. Höhepunkte waren bisher Bachs „Weihnachtsoratorium“ (2014), Mozarts „Requiem“ (2015) und die „Matthäus-Passion“ von Bach (2017). Zwischendurch erklingen auch kleinere Werke, etwa englische Chormusik oder marianische Chor- und Orgelkompositionen von Bruckner und Grieg.

Mit der Johannes-Passion steht nun wieder ein großes Werk im Programm. Für die Aufführung sind mehr als 40 Sängerinnen und Sänger nötig, weshalb der Kammerchor Emsland eine Kooperation mit dem Kammerchor Bersenbrück eingegangen ist. „Axel Eichhorn, der neue Regionalkantor in Lingen und Leiter des Bersenbrücker Chores, war sofort zur Kooperation bereit“, berichtet von Melle. Die musikalische und menschliche Harmonie zwischen den beiden Chören sei von Anfang an spürbar. „Je länger wir proben, desto mehr wächst die Bewunderung für die Genialität von Bach.“ Frauke Schwind bestätigt: „In Axel Eichhorn haben wir einen hervorragenden Partner gefunden.“

Kammerchor Bersenbrück
Der Kammerchor Bersenbrück bei einer Aufführung der Matthäus-Passion in der Bersenbrücker Kirche St. Vincentius. Foto: Kammerchor Bersenbrück

Der Kammerchor Bersenbrück besteht seit 1972 und ist für sein anspruchsvolles Programm bekannt. Er wurde gegründet mit dem Ziel, die ganze Bandbreite der Chormusik in der Region bekannt zu machen. Regelmäßige Konzerte mit Werken wie „Weihnachtsmotetten“ von Poulenc (2001), Wandelkonzert mit Chor- und Orgelwerken zur Passion (2002), Mozarts „Requiem“ (2006) oder „Der Messias“ von Händel (2024), beweisen, dass dieses Anliegen gelungen ist. Auch die „Johannes-Passion“ hat der Chor im Jahr 2000 bereits aufgeführt. 

Anders als der Kammerchor Emsland, proben die Bersenbrücker regelmäßig jede Woche. „Wir bereiten uns aber auch zu Hause intensiv vor“, sagt Michael Siemer, Vorsitzender des Kammerchors Bersenbrück. Die Zusammenarbeit mit dem Emsländer Chor empfindet er als große Bereicherung: „Als Gesamtchor trafen wir uns erstmals im Januar – und das war einfach fantastisch.“

Inga Rölleke, stellvertretende Vorsitzende des Kammerchors Emsland, freut sich ebenfalls über die Kooperation: „Die Chorleiter sind sehr unterschiedlich, und man muss sich immer wieder neu einstellen, aber es klappt hervorragend und ist sehr harmonisch. Musiker sind grundsätzlich offen – es gibt keine Konkurrenz, sondern ein echtes Miteinander. Wir haben eine tolle Zeit zusammen.“

Für den Kammerchor Emsland ist es das zweite große Projekt mit zwei Chören. 2017 wurde die Matthäus-Passion gemeinsam mit dem Kantaten-Chor Münster erarbeitet. „Es ist eine großartige Möglichkeit, diese Musik auf hohem Niveau in die Breite zu tragen – und dafür nicht in die Großstädte fahren zu müssen“, betont Frauke Schwind.

Elisabeth Tondera

Die drei Konzerte der Johannes-Passion finden an folgenden Terminen statt: 

21. März, 18.30 Uhr, St. Johannis, Alfhausen (Bachs Geburtstag) 
22. März, 17 Uhr, St. Antonius, Papenburg 
23. März, 19.30 Uhr, St. Bonifatius, Lingen

Jeweils eine Stunde vor Konzertbeginn bietet Jörg Christian Freese, Regionalkantor in Sögel, eine Einführung in das Werk an.

Preise: Vorverkauf 28 Euro, Abendkasse 30 Euro, ermäßigt 15 Euro.

Ermäßigte Tickets erhalten:

Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren
Auszubildende und Studierende bis 35 Jahre
Erwerbslose (ALG II, Sozialhilfe)
Menschen mit Behinderung (ab 50 Prozent GdB) und Begleitperson
Freiwilligendienstleistende (FSJ, FÖJ, BFD)
Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre haben freien Eintritt.