Was uns diese Woche bewegt

Dankbarkeit macht froh

Image
kolhoff_editorial_kibo

Große Dankbarkeit, dass die lebenden Geiseln heimgekehrt sind, herrschte dieser Tage in Israel, nicht nur bei ihren Angehörigen, sondern auch bei vielen anderen Menschen. Dankbarkeit, gemischt mit Erleichterung und unbändiger Freude. Die Menschen waren überwältigt, denn bis zuletzt war nicht klar, ob die Rückkehr der Geiseln klappen würde. 

Nicht immer erscheint Dankbarkeit als solch großes Gefühl auf der Bühne unserer Außendarstellung; manchmal entspringt ein Danke einem Pflichtgefühl oder geschieht aus Höflichkeit. Das ist nicht weiter tragisch, denn bitte und danke zu sagen, ist immer noch angesagt und der Kitt, der eine Gesellschaft im täglichen Umgang zusammenhält. 

Aber echte Dankbarkeit, die wir tief in uns empfinden, bewirkt mehr. Sie kann uns glücklich machen, weil wir sehen, was wir haben. Das macht froh. Wir schauen auf die Fülle, nicht den Mangel. Auf das neue Fahrrad, mit dem wir an der frischen Luft Runden drehen oder auf das neue Kopfkissen, das zu besserem Schlaf verhilft, eingeschlafener Arm adé! Wir freuen uns über die erwachsenen Kinder, die uns vegetarisch bekochen und darüber, dass die Nachbarin spontan vorbeischaut. 

Die Freude, die mit der Dankbarkeit verbunden ist, wirkt auch auf unser Gehirn ein. Wir schütten körpereigenes Dopamin und andere Glückshormone aus. Die Forschung zeigt: Dankbare Menschen sind glücklicher und auch gesünder. Und sie können sich auch über Kleinigkeiten freuen, über die schnurrende Katze neben ihnen oder über das Feld mit blühenden Phacelia. Ja, Dankbarkeit macht froh. Deshalb fragen Seelsorger und Psychologen ihre Klienten: „Wofür sind Sie dankbar?“

Andrea Kolhoff