Leserinnen und Leser erzählen, was ihnen heilig ist
Dinge, die das Herz berühren
Foto: istockphoto/vaitekune
Die Vergissmeinnicht-Erinnerung
Beruflich war ich als Lehrerin vorwiegend in der Grundschule tätig. Am Ende des vierten Schuljahres schenkte mir eine Schülerin zum Ab-schied ein Töpfchen mit einer Vergissmeinnichtpflanze, die ich, nachdem sie abgeblüht war, in unseren Garten setzte. Ohne weitere Beachtung meinerseits überstand sie den Winter und es blühten im nächsten Jahr an der gleichen Stelle viele neue Vergissmeinnicht-Pflänzchen und das nun schon seit einigen Jahren immer im Mai.
Leider ist die Spenderin des kleinen Pflänzchens im Alter von 18 Jahren unverschuldet bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Aber ihr kleines Abschiedsgeschenk sorgt jedes Jahr aufs Neue für eine lebendige Erinnerung, die mir heilig ist.
// Christa Vill, Elsenfeld
Das Kreuz aus Saudi-Arabien
lch fand auf einer meiner Fahrten bei der Durchquerung von Saudi-Arabien freigelegte Wurzelteile von Dornbüschen, die wie Mangroven im Sandmeer der Dhana-Dünen entstanden waren. Von diesen Wurzelstocken bildete ich mir ein Kreuz, das ich in einem der Zimmer in unserer Riyadh-Wohnung gut sichtbar an der Wand platzierte. Erstaunlicherweise wurde es sogar vom Imam von Hail geduldet, mit dem ich gut befreundet war, der uns stets besuchte und der mich als resistenten Katholiken schätzte.
Nach Vertragsende nahmen wir dieses Kreuz im Umzugsgut mit nach Hause, wo wir es von Pater Christoph von den Prämonstratensern in Wissen segnen und salben ließen. Unvergesslich, dass der Pater dieses Kreuz von der Kanzel her der Gemeinde vorhielt mit den Worten: „Um diese hier brauchen wir uns keine Sorgen machen ...“
Es hängt nun schon seit Jahren in unserem Haus in Siegen und erinnert uns ständig an die große rote Sanddüne, die die Straße zwischen Riyadh und der Ostprovinz kreuzt. Dass wir uns unter dem Kreuz in allen Situationen beschützt fühlten, verdankten wir unserem festen Glauben daran.
// Karl Vierbücher, Siegen
Die wunderbare, starke Frau
Hildegard von Bingen ist mir heilig. Sie begleitet mich seit 1979 durch mein Leben. Ich befand mich damals in einer Entscheidungskrise und begegnete ihr in einer katholischen Kirche. Sie stand als Statue in dieser Kirche und ich evangelische Touristin war sofort von ihr fasziniert und versuchte nach meiner Rückkehr nach Hause, etwas über sie zu erfahren.
Das gestaltete sich schwierig, ich hatte noch keinen Computer. Dann aber bekam ich Kontakt zu einem Pater in Maria Laach und über ihn ein wenig Information. So sammelte ich einiges aus Zeitschriften und Ende 1980 fand ich das erste auf Deutsch übersetzte Buch von ihr. Bis dahin alles nur klein, klein, ganz für mich privat.
2006 verschlug mich dann ein Umzug nach Bingerbrück – in den Ort, wo ihr erstes Kloster stand. Seit der Zeit ist in meinem Leben immer ein Platz reserviert für Hildegard von Bingen.
Ich betreue in der Rupertsberger Hildegard-Gesellschaft seit 2011 das Rupertsberger Gewölbe, den Lost Place ihres Klosters, empfange dort Gäste und Pilger und verbreite das Erbe dieser wunderbaren, starken Frau. Natürlich war ich auch zu ihrer Erhebung zur Kirchenlehrerin in Rom. Mehrmals hat sie mir bei Entscheidungen zur Seite gestanden und mir den Weg gewiesen – sogar bis zum Rupertsberg, denn seit drei Jahren wohne ich dort, Tür an Tür.
// Irmgard Weidner, Bingen
Die Puppe mit dem Ehrenplatz
Es ist nur eine Puppe. Aber sie begleitet mich bereits mein halbes Leben lang. Die Tante meiner Mutter, dem Orden der Armen Schulschwestern angehörend, hat sie einst angefertigt und ihr geschenkt. Sr. Paredis war Handarbeitslehrerin in einer klösterlichen Schule in der Oberpfalz. Mir hat sie immer wieder religiöse Bücher zugesteckt aus der Freude heraus, dass ich Theologie für das Realschullehramt studierte. Irgendwann ging diese Puppe in meinen Besitz über und ich habe sie immer in Ehren gehalten. Und schließlich wollte es das Schicksal, dass ich Leiter der Erzbischöflichen Mädchenrealschule Hl. Blut in Erding wurde, die einst von den Armen Schulschwestern der seligen Theresia Gerhardinger gegründet und bis 1972 auch von diesem Orden betrieben wurde. Selbstverständlich hatte diese Nonne zehn Jahre lang eine exponierte Position im Direktorat inne. Leider erlebte Sr. Paredis dies nicht mehr.
Heute, da ich mich bereits im Ruhestand befinde, hat die Puppe wieder einen Ehrenplatz in unserem Haus.
// Josef Grundner, Dorfen
Das Gebetbuch mit dem Geldschein
Meine Oma Elisabeth, Jahrgang 1889, hat zwei Weltkriege erlebt und sechs Kindern das Leben geschenkt. Ihr Alltag war geprägt von Arbeit und tiefer Frömmigkeit. Jeden Tag besuchte sie die Heilige Messe bis ins hohe Alter. Auch Eis und Schnee konnten sie nicht davon abhalten. Immer dabei: ihr Gesangbuch in einer schlichten, schwarzen Hülle mit Reißverschluss. Viele Gebetszettel haben sich im Laufe der Jahre darin gesammelt, von der Volksmission 1950 bis zur Osterkommunion 1991, ihrem Sterbejahr.
Als wir nach ihrem Tod die Wohnung auflösten, hatte niemand Interesse an diesem alten Gebetbuch und so nahm ich es gerne an mich. Seit vielen Jahren hüte ich diesen kostbaren Schatz. Wenn ich von Zeit zu Zeit darin blättere und bei einem Gebet verweile, frage ich mich manchmal: Wann hat sie dieses Gebet wohl gebetet? In welchem Anliegen? Für welches ihrer Kinder oder Enkel, vielleicht auch für mich? Und dann fühle ich eine tiefe Verbundenheit mit ihr.
Neben ihrem großen Gottvertrauen erinnere ich mich auch gerne an ihren spitzbübischen Humor. Eines Tages, das Gebetbuch war schon lange in meiner Obhut, packte mich die Neugier und ich wollte wissen, wie es ohne Hülle aussieht. Zu meiner großen Verwunderung fiel mir dabei ein 100-DM-Schein in die Hände. Ich kann über die Beweggründe meiner Oma nur spekulieren. Aber ich kann mir vorstellen, wie sie damals mit einem spitzbübischen Lächeln gedacht hat: Wer mein altes Gebetbuch wertschätzt, der hat eine kleine Belohnung verdient.
// Anne Sator, Herxheim
Der Bauernhof in den Bergen
Im Kanton Luzern, oberhalb des Dorfes Romoos, liegen ein Bauernhof und eine Alm. 1948 kam ich als Kind, unterernährt und dürftig gekleidet, mit einem Kindertransport des Schweizer Roten Kreuzes zur Erholung auf diesen Bauernhof. Bis jetzt habe ich Verbindung zu dem 93-jährigen Sepp, der jahrelang den Hof bewirtschaftet hat, der dort geboren wurde und zu Hause ist.
Gerne denke ich zurück an die Abende in der warmen Wohnstube. Radio Beromünster strahlte traute Weisen oder ein Hörspiel in Mundart aus, die Frauen strickten, die Männer rauchten und dösten, von der schweren Tagesarbeit ermüdet, vor sich hin. Vor dem Schlafengehen wurde täglich um gutes Wetter und eine gute Sterbestunde sowie für die armen Seelen gebetet.
Auf dem großen Steinofen konnte man sitzen und sich wärmen. Das alles, die bescheidenen Menschen, der Umgang mit den Tieren und mit der Natur, gab mir Geborgenheit, es war Balsam für meine Kinderseele. Unten im Dorf, um die kleine Kirche gelegen, ist der Friedhof. Dort ruhen Menschen, die mir lieb und teuer waren, von denen mein Leben vorteilhaft geprägt wurde und die ich dankbar jeden Abend im Rosenkranzgebet einschließe.
Das alles ist mir heiliges Land.
// Heidi Schmid, Landau
Der berührende Brief
Meine Mutter war Jahrgang 1900 und die älteste von elf Geschwistern. Zwei ihrer jüngsten Brüder wurden schon bald in den Krieg eingezogen. Ich besitze einen Brief meiner Mutter vom Mai 1940 an ihren Bruder Hans, der im Westen in das Kriegsgeschehen einbezogen war. Er beginnt mit „Mein liebes Brüderlein“ und bringt die Sorge um ihn in berührender, liebevoller Weise zum Ausdruck. Dieser Brief hat meinen Onkel nicht mehr erreicht. Er kam mit dem Vermerk zurück „Gefallen für Großdeutschland“.
Jedes Mal, wenn ich diesen Brief lese, kommen mir die Tränen. Ich hatte diesen Onkel als kleines Kind auch sehr geliebt.
Dieser Brief ist mir heilig.
// Irmengard Vogt, Kitzingen
Die Krippe der Eltern
Mit großem Interesse lesen meine Frau Maria und ich die Rubrik „Das ist mir heilig“. Das hat uns auf die Idee gebracht, von unserer Weihnachtskrippe zu berichten, die unserer Familie heilig ist. Meine Eltern haben sich im Jahr ihrer Hochzeit 1930 diese Krippe zum ersten gemeinsamen Weihnachtsfest geschenkt. Zunächst als kleine Gruppe der Heiligen Familie. Die weiteren Figuren sind nach und nach ergänzt worden. Als Kinder haben wir den Aufbau der Krippe immer mit Spannung erwartet und verfolgt.
Diese Weihnachtskrippe hat auch unsere Familie in jedem Jahr zum Christfest begleitet. Sie ist in jedem Jahr aufwendig mit viel Liebe und Sorgfalt aufgebaut worden.
Wir sind jetzt 87 und auch zum nächsten Weihnachtsfest wird sie wieder in unserem Wohnzimmer stehen – seit fast 100 Jahren. Das ist uns heilig und wichtig.
// Hubert Hülsmann, Nordhorn
Der Heilige vom Flohmarkt
Vor einigen Jahren waren meine Frau und ich auf einem Straßenfest mit Flohmarkt in Au in der Hallertau. Beim Schlendern durch den Flohmarkt kamen wir an einen Stand mit allerlei Dingen, unter anderem mit einigen religiösen Figuren. Dieser Heilige (Urban) schaute mich so intensiv an, dass ich ein seltsames Gefühl bekam. Wir gingen weiter, aber er ging mir nicht aus dem Kopf. Beim Zurückgehen ging ich hin und erwarb ihn. Seitdem steht er im Wohnzimmer und schaut mich immer an.
// Wolfgang Hagn, Freising-Attaching
Die Engel von den Eltern
Meine zwei Porzellanengel sind mir heilig. Ich habe sie vor circa 50 Jahren von meinen Eltern geschenkt bekommen. Diese hatten sie auch sehr, sehr lange in Besitz. Mir sind sie sehr wichtig, weil sie die Erinnerung an mein Elternhaus sind.
// Agnes Blüml, Hohenroth
Der geschenkte Lebensbegleiter
Zu meiner Erstkommunion im Jahr 1959 habe ich von einer lieben älteren Frau ein Kreuz geschenkt bekommen. Der Korpus ist aus Kupfer, die Gesichtszüge vom Gekreuzigten sind sehr fein und jugendlich.
An den Kreuzenden befinden sich Metallplatten, die mit verschiedenen Motiven verziert sind: Oben ist das Bildnis einer Taube zu sehen; links die verführerische Schlange, die ein Kreuz umwindet; rechts der Apfelbaum aus dem Garten Eden und unten die Muttergottes, deren Herz von sieben Schwertern durchbohrt ist. Das Kreuz hat immer in meinem Schlafzimmer gehangen. Seit meiner Heirat 1972 hat es in unserer Küche über der Eckbank seinen Platz bekommen. Und auch bei unserem Umzug 2023 hat das schöne Kreuz wieder in der Küche seinen Platz bekommen. Es ist sozusagen mein Lebensbegleiter – und beim täglichen Tischgebet dabei. Vor allen Dingen ist es eine liebevolle Erinnerung an die alte Dame, die ich immer sehr geschätzt habe.
// Angela Hopster, Dörpen
Das Sakrament am Lebensende
Seitdem ich als ehrenamtlicher Seelsorger und Pfarrer in einem Alten- und Pflegeheim tätig sein darf, ist mir die Begegnung mit den sterbenskranken Menschen noch bewusster geworden als im pastoralen Alltag eines Gemeindepfarrers. Sowohl das Sakrament der Krankensalbung als auch die spirituelle Begleitung am Ende eines Lebens sind mir heilig. Oft durfte ich in den letzten fünf Jahren erfahren, wie sehr die Menschen offen sind für die Begegnung Jesu auf diesem Weg. Manchmal sind Menschen sehr ruhig geworden und konnten so den letzten Atem zulassen und sich in die Hände Gottes geben. Manchmal bekamen Menschen wieder Kraft und Lebensmut. Ich wünsche allen Christen, dass sie diese heiligen Angebote wahrnehmen und zulassen!
// Pfarrer Wolfgang Zopora, Bad Alexandersbad
Ein Dank und eine Bitte
Liebe Leserinnen und liebe Leser! Wir danken Ihnen von Herzen für die so persönlichen Texte und Bilder, die Sie uns schicken. Indem Sie sie teilen, bereichern Sie viele Menschen. Schreiben Sie uns gern weiter! Sagen Sie uns:Was ist Ihnen heilig? Verlagsgruppe Bistumspresse, Heilig, Postfach 26 67, 49016 Osnabrück oder an E-Mail: heilig@bistumspresse.de