Ausstellung in Emden zu Winter und Weihnachten
Eingehüllt in Geborgenheit
Abbildung: Hans Trimborn, Madonna mit Kind, um 1921, Kunsthalle Emden
Dieses Gemälde zeigt einen innigen Moment zwischen Maria und ihrem Sohn.
Ein paar Tage alt mag Jesus auf diesem Bild schon sein, das Hans Trimborn um 1921 mit dem Titel „Madonna mit Kind“ gemalt hat. Die Gottesmutter wiegt ihren Sohn in ihren Armen, hüllt ihn in ihren Umhang ein und widmet sich ganz dem Moment. Eine große Innigkeit, Wärme und Geborgenheit geht von diesem Kunstwerk aus. Das findet auch Ina Grätz, eine der zwei wissenschaftlichen Direktorinnen der Kunsthalle in Emden. „Diese Arbeit hat eine unglaubliche Ausstrahlung“, sagt die Kunsthistorikerin.
Das Gemälde von Trimborn ist Teil einer Sonderausstellung in der Kunsthalle. „Im Winter“ heißt die mit gut 20 Werken ausgestattete Präsentation. Sie will die Besucherinnen und Besucher in eben diese Jahreszeit entführen. Mit dem Dunkel der kurzen Tage und der Zurückgezogenheit, aber auch mit ihrem besonderen Licht: wenn die Sonne den Schnee glitzern lässt, wenn der Himmel abends glutrot strahlt, wenn die Kerzen am Tannenbaum leuchten.
Ein helles Licht, das von der Hoffnung kündet
Die Kunsthalle zeigt eine Auswahl aus der eigenen Sammlung mit einem Blick auf verschiedene Kunstepochen. Die Gäste sehen Werke zum Beispiel von Max Ernst, Emil Nolde, Franz Radziwill, Hilla Jablonski und Heiner Altmeppen. Von letzterem hängen gleich zwei fotorealistische Bilder in der Ausstellung: winterlich verschneite Szenen, die mal von der Anwesenheit, mal von der Abwesenheit der Menschen erzählen. Dazu passen nach Ansicht von Ina Grätz „ganz wunderbar“ die Gedichte des österreichischen Lyrikers Rainer Maria Rilke, die die Gäste in der Ausstellung lesen können.
Aber es gibt nicht nur Winterlandschaften zu sehen, sondern auch Bilder zu den christlichen Festen dieser Jahreszeit. Herbert Dunkel thematisiert 1958 die Geschichte des heiligen Martin in einem Werk. Hans Baluschek lässt die Betrachter auf einen geschmückten Christbaum schauen und Maria Marc zeigt 1910 die Bescherung darunter: mit Pferdespielzeug aus Holz, über das sich auch Kinder heute freuen würden. Ina Grätz gefällt ein weiteres Bild ganz besonders, die heiligen drei Könige vom Emil Nolde. Mit nur wenig Farbe und reduzierten Strichen zeigt Nolde die Weisen aus dem Morgenland. Sie scheinen direkt vor der Krippe zu stehen und halten der Familie ihre Geschenke entgegen. Und hinter ihnen strahlt ein helles Licht auf, das von der Hoffnung kündet.
Hoffnung, Aufbruch, Zuversicht – diese Gedanken begleiten eine weitere Ausstellung in der Emder Kunsthalle. Inhaltlich mag sie auf den ersten Blick keine Verbindung zu Winter und Weihnachten haben, aber die Direktorin sieht trotzdem Parallelen, die zum Nachdenken anregen könnten. Es geht um die biblische Erzählung aus dem ersten Buch Mose über die „Sündfluth“, wie Lovis Corinth 1923 seine Zeichnungen über die Arche Noah genannt hat. Und darin zeigt er weniger die Katastrophe als vielmehr die Rettung, den Zusammenhalt und den Bund Gottes mit den Menschen. Ina Grätz: „Das sind doch alles Motive, die wir auch mit dem Weihnachtsfest verbinden.
Die Kunsthalle in Emden (Hinter dem Rahmen 13) hat samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr, dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Am 23., 24., 25. und 31. Dezember ist sie geschlossen. Die Sonderausstellung „Im Winter“ im Erdgeschoss ist bis zum 1. Februar zu sehen, die Kabinettschau mit Werken von Lovis Corinth über die Bibelstelle zur Arche Noah läuft bis 12. April. Ebenfalls bis 12. April präsentiert die Kunsthalle Werke des Schauspielers und Künstlers Armin Mueller-Stahl. Infos: https://kunsthalle-emden.de/