Manuel Koch hilft, Krankheiten zu besiegen
Im Kampf gegen biblische Plagen
Foto: Ralf Ruppert
Manuel Koch setzt sich weltweit für eine bessere Gesundheit der Armen ein.
Große rote Buchstaben kennzeichnen die Zentrale des DAHW in der Würzburger Raiffeisenstraße. Das Kürzel ist von der ursprünglichen Bezeichnung „Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk“ geblieben, obwohl der Verein den Namen 2003 geändert hat in „Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe“. So soll der Stigmatisierung von Erkrankten entgegengewirkt werden. Rund 50 Beschäftigte kämpfen von hier aus gegen „Krankheiten der Armut“, wie es im Logo heißt. Einer von ihnen ist Manuel Koch.
„Wir sind in vielen Ländern der Welt bekannter als hier in Würzburg“, sagt der DAHW-Referent. Ihn bewegt bis heute, was im Jahr 1957 die Gründer der Leprahilfe und darunter vor allem den langjährigen Vorsitzenden Hermann Kober (1924-1998) bewegte: „Wir wollen biblische Krankheiten wie Lepra und Tuberkulose ausrotten.“ Das Gebäude in Würzburg sei dabei nicht nur eine Verwaltungszentrale, sondern die „globale Drehscheibe für medizinischen Sachverstand und den Einsatz für die vulnerabelsten Menschen“.
Das DAHW will darauf aufmerksam machen, dass armutsbedingte Krankheiten mit einfachen Mitteln eingedämmt und sogar besiegt werden können, indem Ansteckungswege unterbrochen und Folgekrankheiten verhindert werden. In vielen Ländern sei dank des Vereins die Lepra mittlerweile im Griff. Koch sagt: „Unser Ziel ist, uns selbst überflüssig zu machen.“
Er weiß nichts über seine leiblichen Eltern
Dass Manuel Koch ein markantes Gesicht des Kampfes gegen den in der Bibel mehrfach erwähnten Aussatz ist, ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Glaubensweges: Er wurde 1987 in Indien geboren, über seine leiblichen Eltern weiß er bis heute nichts. „Das war auch nie ein Thema“, erzählt er aus seiner Kindheit. Mit elf Monaten wurde er von einer christlichen Familie aus Ochsenfurt adoptiert. Die Mutter war Religionslehrerin im Kirchendienst, der Vater arbeitete in der katholischen Landvolkshochschule Münsterschwarzach.
Nach der Taufe bei italienischen Ordensschwestern in Indien gab es in Deutschland eine Segensfeier, bei der seinem indischen Vornamen der Name Manuel vorangesetzt wurde. Zwei Jahre nach der Adoption kam Manuels Schwester zur Welt. „Ich war als Kleinkind oft krank“, erinnert sich der 37-Jährige. Und: Aufgrund seiner Herkunft habe er sich schon früh in der Schule für globale Gerechtigkeit und fairen Handel eingesetzt. Immer im Bewusstsein: „Es kann sich niemand aussuchen, wo man geboren wird.“
Koch wurde Ministrant in St. Thekla in Ochsenfurt, haderte als Teenager aber durchaus mit dem Glauben. Lachend erzählt er heute, dass die Eltern zufällig einen Urlaub in Taizé machten, als er 14 Jahre alt war, und ihn einfach dort ließen. „Für mich ist dort eine neue Welt aufgegangen“, sagt er.
"Ich habe mich immer geboren und angenommen gefühlt"
„Ich habe mich immer geborgen und angenommen gefühlt“, sagt Koch über seine Kindheit. Und er sei im kirchlichen Umfeld Menschen begegnet, „die mich in meiner Neugierde unterstützten“. Als Oberministrant lernte er die Kirchliche Jugendarbeit (kja) auf diözesaner Ebene kennen. Nach dem Abitur begann Manuel Koch 2007 den Zivildienst bei der kja im Kilianeum, dem Haus der Jugend, wo er zwei Jahre lang in der Jugend-WG lebte.
Obwohl er bis heute keinem der Mitgliedsverbände angehört, wurde Manuel Koch 2006 zum hauptamtlichen Diözesanvorsitzenden des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gewählt – bis heute einzigartig im Bistum Würzburg. Parallel zum Studium der Indologie und Political and Social Studies engagierte er sich bundesweit in Arbeitskreisen und reiste für Projekte durch die Welt. Unter anderem war er mehrfach in Indien, allerdings hat er dabei nie nach seinen familiären Wurzeln gesucht. Weitere Reisen führten nach Brasilien und Tansania. Als Dank für sein Engagement beim BDKJ ist Koch einer von nur bundesweit 250 lebenden Trägern des goldenen BDKJ-Ehrenkreuzes.
Immer wieder gab es auf seinem Lebensweg Berührungspunkte zum DAHW. „Der Verein ist zwar nicht kirchlich, aber hat einen zutiefst christlichen Ansatz“, erzählt Koch. Deshalb gebe es viele Verbände, die die Arbeit zum Beispiel mit Floh- oder Weihnachtsmärkten unterstützen. BDKJ und DAHW fördern auch gemeinsam die Initiative „Würzburger Partnerkaffee“.
Im Herbst 2016 kam der Sozialbetriebswirt als Referent zum DAHW, war unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising zuständig. Koch war zudem im Vorstand des Bezirksjugendrings Unterfranken und ist Vorstandsmitglied der Ruth-Pfau-Stiftung und des „Bündnisses Entwicklung hilft“. Das DAHW berate sogar die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation WHO zum Umgang mit Lepra und Tuberkulose, sagt er.
„Mein Glaube war immer der Kitt für Gemeinschaft und Freundschaft“, fasst Manuel Koch seinen Weg zusammen. Immer wieder habe er Spiritualität und das Göttliche in der Natur neu als Kraftquelle erlebt: „Das gehört zu meiner Identität.“
Einen ganz neuen Blick auf sein Leben und seine Arbeit hat ihm eine schwere Long-Covid-Erkrankung in den Jahren 2022 und 2023 gebracht: „Ich konnte nicht einmal ein Glas Wasser halten oder sprechen“, berichtet er. Acht Monate lang sei er arbeitsunfähig gewesen, eine große Sorge für die junge Familie mit dem ersten Kind. „Dabei habe ich den Wert von Familie, einem guten Gesundheitssystem, von Netzwerken und Selbsthilfegruppen selbst erlebt“, sagt Koch. Umso dankbarer sei er dem DAHW, dass es ihm nach und nach eine Rückkehr in den Beruf ermöglichte: „Besonders mein soziales Umfeld hat mich aufgefangen.“ Nun ist sein zweites Kind unterwegs – das hat er sich damals nicht vorstellen können.