„Da springt was über“
Internationales Taizé-Treffen in Osnabrück
Foto: Marie-Luise Fleute
„Man verpasst nichts“: In Taizé können die jungen Menschen Stille sehr gut aushalten.
Schon oft war Dorothea Reininger mit Schülergruppen in Taizé, dem kleinen französischen Bergdorf in Burgund. Und sie erlebt dort immer wieder: „Da springt was über. Mit diesen Fahrten erreichen wir viel mehr als mit jedem Religionsunterricht“.
Die Religionslehrerin aus Papenburg und Dozentin an der Universität Osnabrück ist überzeugt: Eine Woche bei der Bruderschaft von Taizé, einem ökumenischen Orden, verändert die jungen Menschen. „Sie sind begeistert von der Gemeinschaft mit über 1000 Jugendlichen, tanken auf. Und sie lernen, was Christsein und Spiritualität ist, wie ich beten kann.“ Diese Dichtheit und Atmosphäre könne man mit Schulräumen nicht erreichen.
1949 gründete Rogér Schutz, besser bekannt als Frére Rogér, den internationalen Orden. Seit 1960 kommen jedes Jahr tausende junge Menschen nach Taizé, um dort eine Woche oder länger mit den Brüdern zu leben. Das Leben dort ist einfach, die Teilnehmer schlafen in „Baracken“, helfen bei der Hausarbeit. Bibelarbeit, Gottesdienste und Arbeit strukturieren den Tag.
„Dreimal am Tag beten und auch putzen“ – so stellt Dorothea Reininger ihren Schülern im Vorfeld die Fahrt nach Taizé stets vor – „möglichst realistisch, um wirklich Interessierte herauszufischen“, betont sie. Und diese Jugendlichen sind begeistert. Das einfache Leben erlaubt es ihnen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So erzählt eine Schülerin, sie habe in Taizé gelernt, „dass der Glaube ein wichtiger Teil meines Lebens ist“. Eine weitere wichtige Erfahrung: „Gemeinsam mit ganz vielen anderen Menschen aus unterschiedlichen Nationen zusammen zu beten.“
Taizé hat bis heute nichts von seiner Spiritualität und seiner Anziehungskraft verloren. Wenig Text, viel Gesang und Stille kennzeichnen die Spiritualität und die Liturgie. Jeden Freitag wird mit der Kreuzverehrung dem Tod Jesu, jeden Samstag mit der „Nacht der Lichter“ seiner Auferstehung gedacht. „Die riesige Kirche ist brechend voll. Es zieht die jungen Menschen hier dreimal täglich in die Kirche – das ist Wahnsinn!“, erzählt Dorothea Reininger begeistert. Nicht selten hört sie den Satz: „Wenn der Gottesdienst in Deutschland so wäre, dann würde ich auch hingehen.“
Um diesen Geist weiterzutragen, findet jährlich über Silvester mit Brüdern der Gemeinschaft und zehntausenden Teilnehmern ein Europäisches Jugendtreffen statt – in diesem Jahr in Paris. Dazwischen gibt es Wochenendtreffen, wie jetzt in Osnabrück (siehe „Zur Sache“). Das Motto lautet in diesem Jahr „Pilger der Hoffnung – Pilger des Friedens“. Darüber wollen die Teilnehmer, die bei Gastfamilien wohnen, ins Gespräch kommen, erklärt Matthew von Fintel vom Vorbereitungsteam. Es gibt Gebete, Gesprächsrunden und Workshops – und natürlich Gottesdienste, zu denen alle eingeladen sind. Der Student betont: „Die Gebete sind umso schöner, wenn die Kirche voll ist.“
Das junge Vorbereitungsteam hofft, möglichst viele Menschen in Osnabrück mit dem Geist von Taizé anzustecken. Damit sie wie die Papenburger Schülerinnen diese starke und friedliche Gemeinschaft erleben können.
Das internationale Taizé-Treffen findet vom 10. bis 12. Oktober in Osnabrück statt. Höhepunkt ist am 11. Oktober um 19.30 Uhr die „Nacht der Lichter“ in St. Katharinen. Anmeldeschluss für das gesamte Wochenende ist der 5. Oktober. E-Mail: taizéosnabrueck@gmail.com