Jugendarbeit
Kirche als Treffpunkt für junge Leute
Foto: Marco Heinen
Cathrice Stadler und Propst Christoph Giering im Garten von St. Vicelin in Lübeck.
Noch ist nicht alles fertig. Die Spiegelwand für den Hip-Hop-Kurs fehlt noch, dafür steht da schon ein Kicker und ein großes Sofa gibt es auch. In der früheren Küsterwohnung an St. Vicelin, in einem Stadtteil mit vielen jungen Familien, hat die Pfarrei ihr neues Jugendpastorales Zentrum eingerichtet. Es ist für junge Leute zwischen sieben und 27 Jahren aus dem Lübecker Raum gedacht. Rund eine halbe Million Euro wurden in Haus und Garten investiert, bezuschusst etwa von der Lübecker Possehl-Stiftung sowie vom Land, der umfassenden Barrierefreiheit wegen. Am Samstag, 20. Juni um 16 Uhr wird das Zentrum mit einem Gottesdienst in der Kirche, der Segnung der Räume und einem großen Fest eröffnet.
Die Pfadfinder werden dabei sein; kleine spirituelle Angebote und ein Buffet mit internationalen Leckereien sind geplant. Vor allem können sich die jungen Leute mit einbringen, denn es wird noch nach Vorschlägen für einen Namen und ein Logo für das Zentrum gesucht. Auch eine Postkartenaktion soll es geben.
Hoffnung auf „einen guten Ort“
Bislang war die Jugendarbeit an der im Zuge der Immobilienreform geschlossenen Kirche St. Birgitta im Stadtteil St. Lorenz-Süd angesiedelt. Zwar gab es auch Kritik an der hohen Investition für das Zentrum, doch Propst Christoph Giering verweist darauf, dass die Jugendarbeit im Pastoralkonzept festgeschrieben ist. St. Vicelin bot dafür als Standort gute Voraussetzungen, und vieles habe dank ehrenamtlicher Hilfe kostengünstig umgesetzt werden können. Familie, Jugendarbeit und Geistliches Leben – diese Schwerpunkte habe man beim Pastoralkonzept gesetzt. Angesichts schrumpfender Gemeinden und knapper werdender personeller und finanzieller Ressourcen „haben wir auch mit den Gemeinden für ihr Leben nach Lösungen gesucht. Nun muss man sehen, was davon trägt und wie wir in die Zukunft gehen“, so Giering. Auf die Frage, was er sich für das neue Zentrum wünsche, sagt er spontan: „Leben! Ich wünsche mir, dass Jugendliche unserer Pfarrei sagen: Das ist ein guter Ort für uns.“ Pfadfinder, Messdiener, Schüler; junge Leute aus der ukrainischen, der polnischen und der philippinischen Community der Pfarrei sollen sich dort wohlfühlen können. Giering: „Leben, sich mögen, miteinander etwas gestalten, Fantasie entwickeln. Dafür gibt es ja den Heiligen Geist. Und ich wünsche mir, dass sie spüren und verstehen: Gott macht uns lebendig.“
Das Zentrum ist an die Kirchengemeinde angebunden, die die Räumlichkeiten teils mitnutzen wird. Und St. Vicelin als Kirche soll im Programm des Jugendzentrums natürlich auch eine Rolle spielen. Cathrice Stadler (32), die zuvor in der Tourismuspastoral in Rostock und im Bereich der politischen Bildung beim Erzbistum tätig war, leitet künftig das Zentrum. Die gebürtige Marburgerin, die zuletzt Theologie im Grundkurs studierte, hat sich in ihrer Heimatstadt schon früh in vielen Bereichen der Jugendarbeit ausprobieren können.
„Dort hat man mir sehr viel Vertrauen geschenkt“, sagt sie. Damals schon habe sie gemerkt, dass dieses Themenfeld „mein Herz am meisten berührt“. Sie sieht ihre künftige Arbeit als Prozess, bei dem die jungen Leute an der Gestaltung des Zentrums und der Inhalte mitwirken können. „Für mich ist Beziehungsarbeit sehr wichtig“, so Stadler. Sie tanzt Hip-Hop und will damit ein Angebot nicht nur für katholische Kinder auf die Beine stellen, damit auch kirchenferne Jugendliche sich „so langsam an die Kirche rantasten können, sodass sie das Gemeinschaftsgefühl erleben und spüren, dass Kirche cool sein kann“. Außerdem plant sie in den Herbstferien eine Woche der Inklusion und möchte über Gruppenleiterkurse noch junge Ehrenamtliche für das Zentrum gewinnen.