Genuss und Gemeinschaft

Kurzer Kaffee-Klatsch

Image
Tasse Kaffee
Nachweis

Foto: Fahmi Fakhrudin/Unsplash.com

Caption

Kaffeetrinken ist Genuss – und Genuss verbindet auch Menschen.

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Rund 163 Liter trinken die Bundesbürger im Durchschnitt. Kaffee bedeutet Genuss – und Genuss verbindet Menschen, auch in Kirchengemeinden. Einst war er verpönt, aber Papst Clemens VIII. soll begeistert gewesen sein vom Geschmack und empfahl Kaffee fortan als „wahrhaft christliches Getränk“. Sieben kurze Geschichten rund um das schwarze Gebräu.


Ein „köstliches Getränk des Satans“

Die Ursprünge des Kaffees liegen vermutlich im südwestlichen Äthiopien. Von dort kam er im 14. Jahrhundert durch Händler nach Arabien; Handelszentrum war die Hafenstadt Mocha – nach anderer Schreibweise Mokka –, heute al-Mukha im Jemen. Das weltweit erste Kaffeehaus wurde wohl im Jahr 1511 im arabischen Mekka eröffnet. Im 16. Jahrhundert verbreitete sich der Kaffee dann im Osmanischen Reich und wurde in Ägypten, Syrien, Persien und der heutigen Türkei getrunken. In den Augen der westlichen Welt handelte es sich entsprechend um ein „Türkengetränk“, das Genussmittel der „Ungläubigen“.

Dennoch kamen um 1570 die ersten Säcke nach Venedig, und der Kaffee wurde dort schnell zu einem beliebten Modegetränk. Die Geistlichkeit in der Handelsmetropole sah das zunehmend kritisch, da der Kaffeegenuss angeblich einen schlechten Einfluss auf die christlichen Europäer ausübte. Das wiederum brachte den Papst auf den Plan, der gebeten wurde, das Getränk zu verbieten. Clemens VIII. (1592 bis 1605) – so die Überlieferung – habe dem jedoch nicht nachkommen wollen, ohne das Heißgetränk einmal selbst probiert zu haben. So ließ er sich eine Tasse zubereiten und war auf Anhieb begeistert vom Geschmack des verpönten Genussmittels. „Dieses Getränk des Satans ist köstlich“, soll er gesagt haben, „wir können es nicht den Ungläubigen überlassen.“ Nach dem Willen des Papstes sollte der Kaffee fortan zu einem „wahrhaft christlichen Getränk“ gemacht werden. (Quelle: katholisch.de)

Biblisches Kaffee-Cupping

Kaffee passt gut zur Bibel und zum Glauben. Aber kommt Kaffee in der Bibel überhaupt vor? Gleich am Anfang, im ersten Kapitel: Am dritten Tag schuf Gott die Pflanzen, Bäume, Sträucher. Also auch den Kaffee. Schmerzlich vermisst wird er im Evangelium nach Markus 14,37-41: Petrus, Jakobus und Johannes, die drei engsten Jünger von Jesus, schaffen es nicht, auch nur eine Stunde wach zu bleiben. Dreimal schlafen sie ein. Mit Kaffee wäre das (vielleicht) nicht passiert.

Das Institut für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste (igm) hat ein interessantes Projekt entwickelt: das biblische Kaffee-Cupping. In dem Seminar können Gemeindegruppen und Arbeitskreise Kaffee, Glaube und Bibel genussvoll verbinden. Man testet drei Kaffeesorten, dazu gibt es drei kulinarische Beilagen und drei Bibeltexte.

Kaffeekantate

Noten Musik
Foto: Bruno Croci/Unsplash.com

Über zwei Jahrzehnte besuchte Johann Sebastian Bach (1685-1750) zweimal wöchentlich das Zimmermannsche Kaffeehaus in der Leipziger Katharinenstraße. Seine heitere Kaffeekantate gilt als Höhepunkt der sächsischen Kaffeehausmusik des 18. Jahrhunderts. Bach zeigt sich hier von seiner deftig-humorvollen Seite. Um das Jahr 1734 wurde Kaffee von den Machthabern mit Argwohn betrachtet, da sie einen Putsch von den Aufgeputschten fürchteten und daraufhin die Kaffeesteuer einführten. Auch Liesgen Schlendrian liebt nichts mehr, als täglich ihren Kaffee zu trinken – in den Augen ihres konservativen Vaters eine Unsitte: „Du böses Kind, du loses Mädchen. Ach, wenn erlang ich meinen Zweck. Tu mir den Coffee weg.“ Der Vater droht, ihr keinen Mann zu geben, wenn sie nicht mit dem Kaffeetrinken aufhört. Liesgen stimmt zu, lässt aber heimlich verbreiten, sie nehme nur einen Mann, der ihr erlaube, „den Coffee, wenn ich will zu kochen.“ 

Muckefuck

Not macht erfinderisch. In Zeiten, in denen Bohnenkaffee knapp war oder für viele Menschen unerschwinglich, kam Muckefuck auf den Tisch. Geschmacklich und farblich erinnert er an das Original. Und da er koffeinfrei ist, können ihn auch Kinder trinken. Deshalb heißt er auch Kinderkaffee. Weitere Namen sind Landkaffee, Getreidekaffee, Zichorienkaffee oder Malzkaffee. Der Ersatzstoff wird aus unterschiedlichen Lebensmitteln gewonnen: von Löwenzahn, Dattelkernen, Feigen und Spargel bis hin zu Maiskörnern, Kartoffeln und Eicheln. Meistens aber sind die Hauptbestandteile Getreidesorten wie Dinkel, Roggen und Gerste. Hinzu kommt noch die Pflanze Zichorie, ein sogenannter Korbblüter, der am Wegrand wächst. Die Wurzeln der Zichorie verleihen dem Getränk eine leicht bittere Note. 

Für die Herkunft des lustigen Namens gibt es zwei Theorien: Zum einen könnte es sich aus dem französischem „Mocca faux“, was so viel wie „falscher Kaffee“ bedeutet, ableiten lassen. Außerdem wird vermutet, dass es sich aus den rheinischen Wörtern „Mucke“ für „braunen Holzmulm“ oder „braune Stauberde“ und „fuck“ von „faul“ zusammensetzt. Beide Theorien geben Hinweise auf das Besondere des Ersatzkaffees. Dass es eben kein echter Kaffee ist, aber aufgrund der Zutat Zichorie leicht nach Kaffee schmeckt und seine Farbe an braune Erde erinnert. (Quelle: kaffee-partner.de)

Kirchenkaffee – das „achte Sakrament“

Kirchenkaffee Island
Kirchenkaffee am Sonntag in Reykjavik, Island. Foto: Anja Sabel

Kaffee bedeutet Genuss – und Genuss verbindet. Eine Tasse Kaffee schafft Geselligkeit. Mit dem Glauben ist es ähnlich. Glauben und Leben miteinander zu teilen, kann mit einem Kaffee beginnen, den man mit jemandem trinkt. In den nordischen Ländern, wo die Katholiken in extremer Diaspora leben, gilt der Kirchenkaffee sogar als „achtes Sakrament“. Ein humorvoller Hinweis darauf, dass der Kaffee, der nach dem Gottesdienst gereicht wird, für viele Gemeindemitglieder ein wichtiger und geschätzter Teil der kirchlichen Gemeinschaft ist. Man verbringt noch einige Stunden miteinander, bevor man sich wieder auf den langen Heimweg macht.

Fair gehandelter Kaffee

Der Faire Handel begann in Deutschland um 1970, Auslöser waren Protestaktionen gegen die wachsende Ungerechtigkeit im Welthandel. Es waren vor allem die kirchlichen Jugendverbände aej und BDKJ, die als politisches Signal in 70 Städten „Hungermärsche“ initiierten und dafür 30.000 Teilnehmer mobilisierten. Aus Kritik an der offiziellen Entwicklungspolitik entstand daraus die Bewegung „Aktion Dritte Welt Handel“ mit dem Motto „Lernen durch Handel“. 1973 eröffnete in Stuttgart mit dem „Weltmarkt“ der erste Weltladen in Deutschland. Heute gibt es in Deutschland schätzungsweise mehr als 900 Weltläden und mehrere Tausend Fair-Handels-Gruppen, die die Bewegung des Fairen Handels stützen. Auch das Bistum Osnabrück ist in diesem Bereich aktiv.

Lieblingsprodukt: Kaffee

Matilde Perdomo Romero und Merlin Urrea, Kaffeebauern aus Honduras, sind vom 12. bis 26. September in Deutschland unterwegs. Die Eheleute nehmen an ausgewählten Veranstaltungen der Fairen Woche 2025 teil. Dort werden sie nicht nur über ihre Arbeit und Erfahrungen im Fairen Handel sprechen, sondern auch über Klimawandel, Biodiversität und die Rolle der Frau im Kaffeeanbau. Das Paar ist seit 24 Jahren verheiratet, lebt im Distrikt Copán in Honduras und hat drei Kinder. Gemeinsam bauen Matilde und Merlin Kaffee auf einer Fläche von rund zehn Hektar an. Jedem gehört eine Hälfte. Auch ihre Eltern und Großeltern haben bereits Kaffee angebaut. Seit 2012 ist das Paar Mitglied der Kaffeekooperative CAFESCOR, seit 2015 ist ihre Farm auch Fairtrade-zertifiziert.

Was Matilde und Merlin an ihrer Arbeit begeistert? „Wir arbeiten dort, wo wir auch wohnen: Unser Kaffee wächst unter Bäumen, sozusagen im Wald. Uns macht es Spaß, die Natur um uns herum zu haben, die Pflanzen, die Vögel. Wir versuchen, im Einklang mit der Natur zu leben und auch unsere Kaffeeproduktion so zu gestalten – deswegen bauen wir zum Beispiel ausschließlich Bio-Kaffee an.“ Und natürlich ist ihr Lieblingsprodukt Kaffee! Sie arbeiten daran, die Qualität ihrer Bohnen stetig zu verbessern. Das ist ihre Leidenschaft.
 

Anja Sabel