Neues Logo für das Friedensgebet

Linien zeigen: Alle geben sich Halt

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Jeden Samstagmittag  treffen sich in Osnabrück Christen aller Konfessionen zum Friedensgebet in der Marienkirche. Dafür haben Berufsschüler ein neues Logo entwickelt.


Präsentieren das neue Logo für das Friedensgebet: (v.l.) Lehrerin Katharina Brückner, Schülerin Lisa Kasiou, Gerd und Edda Schiefelbein sowie Siegfried Brennecke von der ACKOS. Foto: Astrid Fleute

Jeder ist willkommen! Das signalisiert das neue farbenfrohe Logo des Friedensgebetes der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück (ACKOS). Bunt und fröhlich zeigt es eine Weltkugel, deren Linien miteinander verbunden sind. „Die Farben stehen für die Verschiedenheit der Menschen, die Linien stellen dar, dass sich alle gegenseitig Halt geben und zusammengehören“, erklärt Lisa Kasiou, angehende gestaltungstechnische Assistentin und Schülerin im Berufsschulzentrum am Westerberg. Ihre Klasse erhielt von der Arbeitsgemeinschaft den Auftrag, das in die Jahre gekommene Plakat zum Friedensgebet zu modernisieren und weiterzuentwickeln. 

Der Entwurf von Lisa Kasiou gewann den Wettbewerb. Siegfried Brennecke, Koordinator des Friedensgebetes, ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: „Das ist ein toller Entwurf. Er zeigt nicht unbedingt religiöse Symbole oder Zeichen, die unbedingt für eine Kirche stehen, denn wir wollen ja für jeden offen sein.“ Auch knüpft das Logo an das alte Plakat an: Dies zeigte ebenfalls ein Bild des Lichterglobus aus der Marienkirche. Die Weltkugel ist geblieben, Lisa Kasiou hat sie in Nahaufnahme neu und modern gestaltet, abstrakt mit Linien und Farben, durchlässig und dynamisch.

Seit über 20 Jahren findet das Friedensgebet samstags um 11.30 Uhr in der Marienkirche am Markt statt. Es entwickelte sich im Vorfeld des Irakkrieges 2003 als öffentliches Gebet für den Frieden zunächst am Löwenpudel vor dem Dom. Noch im gleichen Jahr zog es in die Marienkirche um. Zu dieser wöchentlichen 15-minütigen Friedensandacht ist jeder eingeladen. Lutheraner, Katholiken, Reformierte, Baptisten, Mitglieder von Kirchengemeinden und Friedensinitiativen und die Gemeinschaft Sant‘Egidio und Pax Christi bereiten das Gebet im Wechsel vor und schöpfen dabei aus dem Reichtum ihrer Traditionen. Zu den Themen gehören die Kriegs- und Krisengebiete der Erde, das Gedenken an die Opfer von Gewalt und Ungerechtigkeit sowie Fragen des sozialen Friedens in Gesellschaft und Familie. 

Mit Aufträgen wie diesen bereiten sich die Schüler auf die Arbeitswelt vor

Siegfried Brennecke erzählt: „Wir beten um Frieden mit Gott, Frieden für die Welt, für die Schöpfung oder auch sozialen Frieden.“ Ausgerichtet werde das Gebet zwar von Vertretern der christlichen Religionen in Osnabrück, die Andacht sei aber ausdrücklich offen für Menschen aller Altersgruppen, Konfessionen, Religionen und Nationalitäten. Das neue Logo zeigt es deutlich.

Im Jahr des Westfälischen Friedensjubiläums und zum Ökumenischen Kirchentag möchte die Arbeitsgemeinschaft ihre Öffentlichkeitsarbeit verstärken und mit dem neuen Logo auf das Friedensgebet aufmerksam machen. Denn das Angebot hat an Aktualität nichts eingebüßt – im Gegenteil: „Normalerweise kommen samstags etwa 25 bis 30 Leute in die Kirche. Aber nach Beginn des Ukrainekrieges oder an dessen Jahrestag waren es 800 bis 1000 Menschen. Das zeigt doch das Interesse“, sagt Brennecke. Während der Andacht könnten die Menschen ihre Sorgen in Stille, im Gebet und im Gesang vor Gott tragen, innere Ruhe finden und über Wege des Friedens nachdenken. 

Den Entwürfen ging ein längerer Prozess voraus, mussten sich die Schülerinnen und Schüler doch zunächst mit dem Thema beschäftigen und Informationen einholen. Mehrmals waren ACKOS-Vertreter im Unterricht. „Es ist toll, was wir hinter uns haben“, betont Brennecke und lobt die gute Zusammenarbeit. Lehrerin Katharina Brückner spricht dabei von Kundengesprächen. Mit Aufträgen wie diesen bereitet sie die Schüler bewusst auf die Arbeitswelt vor. Inhaltlich sei es in diesem Fall darum gegangen, ein Produkt auf ein anderes zu übertragen, in diesem Fall von einem bestehenden Plakat ein neues Logo zu entwerfen. „Wir haben viel erzählt und überlegt, mussten die Gedanken der anderen verstehen und interpretieren, neue Ideen für den Frieden entwickeln. Übers Erzählen kamen dann die Assoziationen“, berichtet sie. 

Aufgefallen sei den Schülern dabei vor allem die Begeisterung, mit denen die ACKOS-Vertreter vom Friedensgebet erzählten: „Wenn Kunden so brennen für ihr Anliegen, bekommt man einen ganz anderen Zugang“, so Katharina Brückner.

Zehn verschiedene Motive entwickelt

In den sechs Wochen der Produktionszeit haben ihre Schülerinnen und Schüler dann insgesamt zehn ganz verschiedene Motive entwickelt und gestaltet: Neben dem Globus waren zum Beispiel auch eine Friedenstaube  mit Flügeln aus Blättern, eine Hand mit einer Lilie darauf, die zeigen soll, dass Menschen die Hand aufhalten und sich die Hand geben, der Torbogen der Marienkirche, aus dem Lichter strahlen, die Menschen einladen und Nachrichten aussenden oder eine Kerze mit einem Olivenzweig als Flamme als Zeichen der Hoffnung dabei. „Wir hätten viele Motive auswählen können“, erzählt Brennecke und ist sichtlich zufrieden mit der Auswahl. Lobend erwähnt er die gute Zusammenarbeit mit der Klasse, die intensiven Gespräche und Diskussionen mit den Schülern, denen der kirchliche Inhalt des Auftrags auch aufgrund ganz unterschiedlicher kultureller Herkünfte zunächst durchaus fremd war.   

Das Logo soll nun verbreitet werden. Der Aufsteller vor der Kirche zeigt es bereits, auch Handzettel sollen erstellt werden. Eine weitere Idee: Markttaschen bedrucken und verteilen, da viele Menschen nach dem Gebet auf den Markt gehen. Auch ACKOS-Vertreterin Edda Schiefelbein ist von dem Entwurf begeistert. Die Farben, die Verwobenheit, das Zusammengehörige, das gefalle ihr. Aber auch die weißen Teile im Globus hätten ihre Bedeutung: „Da ist die Welt, die einerseits zusammenhält, aber andererseits auseinanderfliegt.“ Auch dieser Aspekt wird in dem einen oder anderen Friedensgebet demnächst zur Sprache kommen.

Astrid Fleute