Jubiläen in Lingen und in Werlte

Ohne Orgel würde was fehlen

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Frau an der Orgel
Nachweis

Fotos: privat

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"Musik ist meine Erfüllung" - sagt Renate Biener, die seit Jahrzehnten Orgel in Ahmsen und Werlte spielt.

Ohne Orgelspiel würde in der Messe etwas ganz Wichtiges fehlen. Dafür sorgen in vielen Kirchengemeinden engagierte Organistinnen und Organisten – oft seit Jahrzehnten. Wie Hans-Dieter Thomas aus dem emsländischen Lingen und Renate Biener aus Werlte im Norden des Landkreises.

Einer seiner Lieblingsplätze – das ist für Hans-Dieter Thomas tatsächlich die Orgel. An diesem Instrument in der St.-Bonifatius-Kirche in Lingen zu sitzen, die Register zu ziehen, die Tasten zu drücken, dann den vollen Klang der Melodien und den Gesang der Gemeinde zu hören: Das fasziniert den 84-jährigen Lingener nach wie vor. „Ich hoffe, ich kann das noch lange machen“, sagt der pensionierte Gymnasiallehrer.

Mann an der Orgel
Hans-Dieter Thomas an der Orgel in Lingen.

Und lange übt Thomas sein Amt tatsächlich auch schon aus – seit über 70 Jahren engagiert er sich als Organist in Lingener Gemeinden. Für diesen Dienst in der Kirchenmusik hat er kürzlich eine Ehrenurkunde bekommen. Angefangen hatte er am 1. Mai 1955 als Jugendlicher in der Kapelle des St.-Bonifatius-Krankenhauses. „Das hat sich so ergeben, weil ich da auch Messdiener war“, erzählt Thomas, der in Kindheit und Jugend Klavierunterricht hatte. Von 1957 bis 1963 sitzt er an der Orgel in der neuen Maria-Königin-Kirche in Lingen, seit 1963 gehört er bis heute zum Organistenteam der St.-Bonifatius-Gemeinde und den benachbarten Kirchen. 

"Ein tolles Stück mit tollem Klang"

Auch während des Studiums in Münster und der Arbeit bis 2008 als Lehrer für Germanistik, Geografie und „natürlich Musik“ am Franziskusgymnasium bleibt er der Gemeindearbeit treu. Und selbst ein großes Hobby von ihm dreht sich um Melodien und Töne. Seit 1965 kümmert sich Hans-Dieter Thomas um Glockenspiele in ganz Deutschland. Wenn dieses vom Lingener Rathaus erklingt, dann steckt er mit seinen Liedsätzen dahinter. 

Was er an seinem Amt schätzt? Das ist die Möglichkeit, den Gottesdienst musikalisch mitzugestalten. Das ist das Instrument wie die Lingener Orgel in St. Bonifatius, „ein tolles Stück mit tollem Klang“. Das sind die Lieder, gerade auch aus dem Gotteslob, bei denen er sich gar nicht für ein Lieblingsstück entscheiden kann. „Die sind mir alle gleich viel wert.“ Er mag gern das traditionelle Liedgut, kann sich aber auch für neues geistliches Liedgut begeistern. „Wir haben so wunderbare Lieder im Gotteslob, manche müssten wir viel öfter singen.“

Renate Biener fällt die Wahl eines Lieblingsliedes etwas leichter. „Danket dem Herrn, denn er ist gut“ – das spielt die 61-jährige Werlterin besonders gern. Vielleicht auch, weil sich darin ihre eigene Dankbarkeit für so viele gute Jahre an der Orgel widerspiegelt. Denn sie ist seit der Jugend Musikerin durch und durch: „Das ist einfach meins.“ Zu ihrem Beruf als Bilanzbuchhalterin ist diese Passion nicht nur willkommener Ausgleich, sondern passt für sie gut zusammen. „Beides hat seine eigene Ordnung.“ 

Viele Kilometer auf dem Tacho

Als 13-Jährige startet sie ihren musikalischen Dienst für die Kirche, „in zwei Jahren werden es 50 Jahre sein.“ Ihr Religionslehrer am Hümmlinggymnasium in Sögel, Maristenpater Averbeck, hatte damals ihr Talent entdeckt – und sie gebeten, in der Ahmsener Kirche die Orgel zu spielen. Dort lebten die Ordensleute in einem Kloster und zelebrierten die Gottesdienste. „Ich hatte da natürlich noch keinen Führerschein, und so haben die Ahmsener mich jahrelang geholt und nach Hause gebracht“, erzählt sie. Viele Kilometer kamen da auf dem Tacho zusammen. 

Aber das blieb nicht der einzige Dienst. Renate Biener übernahm 2001 zusätzlich auch das Organistinnenamt in ihrem Heimatort in der St.-Sixtus-Kirche in Werlte. Die Gemeinde hat sich zum 25-jährigen Jubiläum gerade dafür bei ihr bedankt. Auf wie viele Einsätze sie in all den Jahren bei Hochämtern, Werktagsmessen, Hochzeiten und Beerdigungen gekommen ist? Das ist nicht ganz so einfach auszurechnen, „aber etwa 200 im Jahr sind es insgesamt sicher“, meint sie. Zuviel wird ihr das noch lange nicht, auch wenn es oft eine „Sieben-Tage-Woche“ ist. 

Und dazu gehört auch noch ihr Engagement als Chorleiterin: für einen Gospelchor und den Kirchenchor im nahen Rastdorf. Außerdem betreut sie in einer Schule eine Arbeitsgemeinschaft für das Keyboard-Spiel. Wenn sie von ihren Aufgaben erzählt, spürt man schnell: Das ist keine Last für sie. „Ich bin glücklich damit. Musik ist meine Erfüllung.“ 

Petra Diek-Münchow