US-Präsident begeht einen beispiellosen Tabubruch
Trump attackiert Leo XIV. - der bleibt gelassen
Deutsche Bischofskonferenz / Jessica Krämer
Angriffe von US-Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. haben unter Katholiken auf der ganzen Welt eine Welle der Solidarität mit dem Kirchenoberhaupt ausgelöst.
Ein Bild kann mehr sagen als tausend Worte. So auch die mit Künstlicher Intelligenz generierte Darstellung des US-Präsidenten, die Donald Trump nach seinen Tiraden gegen Papst Leo XIV. kommentarlos auf Truth Social veröffentlichte. Die KI-Montage zeigt Trump in weiß-roten Gewändern als göttlicher Heiler der Nation.
Ich bin kein Fan von Papst Leo.
Seine Hände strahlen gleißendes Licht aus. Die rechte Hand berührt die Stirn eines Mannes, der in einem Krankenhausbett liegt. Um das Bett herum sind Figuren zu sehen, die ehrfürchtig zu Trump aufblicken. Im Hintergrund ragt die Freiheitsstatue auf. Kampfjets durchschneiden den Himmel, Weißkopf-Seeadler schweben darüber; Feuerwerk explodiert vor einer wehenden US-Flagge.
Trump postete das Bild keine Stunde, nachdem er Papst Leo XIV. als "schwach bei der Kriminalitätsbekämpfung" und "furchtbar in der Außenpolitik" attackiert hatte. Bei der Ankunft seines Rückflugs aus Mar-a-Lago nach Washington legte er nach und erklärte: "Ich bin kein Fan von Papst Leo."
Das aus den USA stammende Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit hatte sich in den vergangenen Wochen immer eindringlicher gegen den Iran-Krieg ausgesprochen - zuletzt mit einem lautstarken Protest gegen Trumps Drohung, im Iran eine ganze Zivilisation auszulöschen. "Das ist wahrhaftig nicht hinnehmbar", erklärte Leo XIV. In seinem langen Post auf Truth Social am Sonntagabend schrieb Trump unter anderem, er wolle keinen Papst, "der denkt, es sei in Ordnung, dass der Iran Atomwaffen besitzt". Er behauptete, ohne ihn wäre Leo XIV. überhaupt nicht Papst geworden. "Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan." Vor dem Konklave hatte Trump auf seinem Netzwerk bereits ein von KI generiertes Bild von sich in Papstgewändern gepostet.
"Eure Hände sind voller Blut"
Leo XIV. übte im ersten Jahr seiner Amtszeit Zurückhaltung gegenüber einem US-Präsidenten, dem 55 Prozent der US-Katholiken 2024 ihre Stimme gegeben hatten. Das änderte sich mit der Militäraktion in Venezuela und dem US-Angriffskrieg gegen den Iran. Eine Woche nach der Entführung Nicolas Maduros warnte der Papst in einer Rede vor Diplomaten im Vatikan, dass sich "ein Eifer für den Krieg ausbreite" - und dass die Norm, die es Nationen verbiete, mit Gewalt die Grenzen anderer zu verletzen, "vollständig untergraben" werde.
In den Tagen um Ostern beklagte der Papst, wie die christliche Mission durch den Wunsch verzerrt worden sei, andere zu dominieren: "Das ist dem Weg Jesu Christi völlig fremd." Bei einem Friedensgebet im Petersdom am Samstag warnte er vor einem Allmachtswahn, der "zunehmend unberechenbar und aggressiv" werde. Die Kritik des Papstes verfehlte ihre Wirkung nicht. Verstärkt wurde sie durch drei US-Kardinäle, die im CBS-Programm "60 Minutes" am Sonntagabend den Iran-Krieg verurteilten. Washingtons Kardinal Robert McElroy erinnerte daran, dass es sich nach katholischer Lehre nicht um einen gerechten Krieg handele: "Dies ist ein Krieg der Wahl."
Leo XIV. selbst widersprach dem Versuch, die christliche Botschaft zu instrumentalisieren. Gott höre nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen, sagte er am Palmsonntag und zitierte den alttestamentlichen Propheten Jesaja: "Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut."
Trump-naher Bischof geht auf Distanz
US-Kriegsminister Pete Hegseth hatte wiederholt religiöse Rhetorik bedient. Er forderte die Amerikaner auf, im Namen Jesu Christi für den Sieg zu beten. Als Trump gefragt wurde, ob Gott den Krieg billige, antwortete er: "Ja, denn Gott ist gut." Die Reaktionen in den USA auf Trumps Blasphemie fielen scharf aus. Erzbischof Paul Coakley, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, erklärte, er sei "bestürzt, dass der Präsident solch herabsetzende Worte über den Heiligen Vater gewählt hat".
Der US-Jesuit und Autor James Martin bezeichnete Trumps Attacke als "maßlos, lieblos und unchristlich" und fragte: "Gibt es keinen Boden in diesem moralischen Sumpf?" Selbst der als Trump-Freund geltende Bischof Robert Barron aus Winona ging auf Distanz zum selbsternannten Heiland im Weißen Haus, bezeichnete dessen Papst-Tadel als "unangemessen und respektlos" und vertrat die Ansicht, Trump schulde dem Kirchenoberhaupt eine Entschuldigung.
Leo XIV. selbst sagte am Montag auf dem Flug zu Beginn einer Afrika-Reise, er habe "keine Angst vor der Trump-Regierung oder davor, laut die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Denn genau dafür bin ich hier." Er wolle sich nicht auf eine Debatte mit Trump einlassen. Auf dessen Attacken auf Truth Social angesprochen, reagierte der Papst trocken: "Es ist ironisch - allein der Name der Plattform. Mehr muss man dazu nicht sagen."
Keine Entschuldigung der US-Regierung
Vizepräsident Vance sagte dem Sender Fox News (Montag Ortszeit), der Vatikan solle sich auf Fragen der Moral und der Kirche konzentrieren statt auf politische Debatten. Präsident Trump wiederum müsse die Interessen der Vereinigten Staaten im Blick haben. Zugleich erklärte Vance: "Wir können den Papst respektieren, wir haben sicherlich ein gutes Verhältnis zum Vatikan." Meinungsverschiedenheiten zwischen der US-Regierung und dem Vatikan, etwa zu Fragen der Migration, habe es immer wieder gegeben - "ich denke nicht, dass dies besonders bemerkenswert ist", so der 2019 selbst zum Katholizismus konvertierte Vizepräsident.
Bischof Oster: Erschreckende Äußerungen
Der Passauer Bischof Stefan Oster nannte Trumps Verbalattacken gegen Leo XIV. erschreckend und stellte die Mitgliedschaft des US-amerikanischen Bischofs Robert Barron in Trumps Kommission für Religionsfreiheit in Frage. Die Mitgliedschaft nutze der Bischof von Winona-Rochester in Minnesota zwar, um das Evangelium und die katholische Soziallehre zu verkünden, schrieb Oster am Montag in sozialen Medien. "Ob das allerdings nach den jüngsten Ausfällen Trumps und den veröffentlichten Ereignissen der Kommission noch in einer neutralen Weise möglich ist, ohne dadurch kompromittiert zu werden, wage ich zu bezweifeln."