Was uns diese Woche bewegt

Warum ich nicht zum Fußball gehe

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Am nächsten Sonntag spielen meine beiden Lieblingsvereine in der 2. Fußball-Bundesliga gegeneinander. Ich bin genau auf halber Strecke zwischen Hannover und Braunschweig aufgewachsen, deshalb gehören meine Sympathien sowohl der Eintracht (Braunschweig) als auch den 96ern (Hannover). Wenn Sie nun aber glauben, dass ich bestimmt unter den Zuschauern vor Ort sein werde, muss ich Sie enttäuschen: Ich möchte den Tag nämlich gerne überleben.

Wenn Lokalderbys stattfinden, stehen sich nicht nur die Sportler beider Teams in besonderer Weise gegenüber, sondern auch die Fanlager. Mancher spricht sogar von einer Religion, wenn es darum geht, die eigene Mannschaft zu unterstützen. Sollen sie gerne ihre eigenen Kicker anfeuern, aber es dabei auch bitte belassen. Stattdessen brauchen solche sogenannten Risikospiele einen erhöhten Einsatz an Polizei und Ordnungspersonal, manchmal müssen Gäste-Fans sogar draußen bleiben. Denn gerne prügeln diese unterschiedlichen Lager auch aufeinander ein. Und da bin ich raus.

Hannover gegen Braunschweig, Dortmund gegen Schalke, HSV gegen St. Pauli, Osnabrück gegen Münster – da treffen nicht nur Spieler aufeinander, sondern auch Überzeugungen. Und es gehört offenbar dazu, sich dann auch zu prügeln. Nicht nur beim Spitzensport, auch sonst in der Gesellschaft hat ein Wandel eingesetzt. Das an sich harmlose Spiel benutzen, um offenkundigen Hass zu transportieren – da wird die Menschenwürde mit Füßen getreten. Keine Spur von „Liebe deinen Nächsten“.

Aber das ist doch nur bei den ganz Großen so, werden Sie vielleicht einwerfen. Stimmt aber leider nicht. Als Anwohner eines Sportplatzes höre ich es immer wieder. Zum Schlachtruf der Kreisligakicker vor meiner Haustür, die eigentlich nur aus Spaß an der Freude dem Leder nachjagen, gehört da nicht nur die Anfeuerung der eigenen Mannschaft, sondern am Schluss noch ein „Scheiß …“ mit Nennung des ungeliebten Nachbarvereins. Das finde ich respektlos!

Matthias Petersen