Berühmt auf Social Media

Warum witzige Videos auf Instagram zu ihrer Arbeit im Pfarrbüro gehören?

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Zwei Menschen stehen mit verschränkten Hände vor dunklem Hintergrund. Ein neongrünes Kirchen-Hologramm ist hinter ihnen zu sehen.
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Foto: Beckdesign Bochum 

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Gemeindereferentin Michelle Engel und Pfarrer David Grüntjens erreichen auf Instagram mehrere tausend Menschen.

David Grüntjens und Michelle Engel erreichen auf Instagram Tausende Menschen. Der Pfarrer und die Gemeindereferentin begeistern mit liebevollen Frotzeleien und nachdenklichen Impulsen. Eine Geschichte von Kerstin Ostendorf.

„Ich kann nicht mehr. Diese Hitze.“ Pfarrer David Grüntjens sitzt, eine Wasserflasche in der Hand, völlig geschafft auf einem Stuhl im Pfarrhaus. Im Hintergrund ist ein gut gelauntes „Guten Morgen“ zu hören, als Gemeindereferentin Michelle Engel den Raum betritt. „Warum sind Sie denn so fröhlich? Haben Sie ’ne Klima zu Hause?“, fragt der Pfarrer – und bricht in Lachen aus.

Einblicke in den Pfarr-Alltag: ehrlich und authentisch

David Grüntjens und Michelle Engel sind besser bekannt als Frengels und Chef. Unter diesem Namen führen sie den Instagram-Kanal diokirche_krefeld mit geistlichen Impulsen, Einblicken in ihren Alltag in der Pfarrei und vor allem kurzweiligen Videos. Der Pfarrer und die Gemeindereferentin arbeiten seit sieben Jahren zusammen, ebenso lang sind sie auf Social Media aktiv. Ihre gegenseitigen Frotzeleien begeistern mittlerweile 118 000 Follower*innen – Eltern mit ihren Kindern, Jugendliche, Mitarbeitende der Kirche, Kirchenferne, Ordensleute.

„Wir wollen nicht so churchy sein.“

Auf dem Social-Media-Kanal wird vor allem gelacht: laut, herzlich, aus dem Bauch heraus. „Wir wollen nicht so churchy sein“, sagt Engel. Heißt: Sie möchten nicht verkrampft oder als aufgesetzt fromm wahrgenommen werden. Viel lieber möchten sie ehrlich und authentisch zeigen, wie sie in der Pfarrei arbeiten – und Spaß haben. Denn diese Seite von Kirche vermissen sie auf Social Media häufig.

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem runden Tisch, schauen in die Kamera eines Smartphones. Das steht in einem kleinen Stativ auf dem Tisch. Hinter ihnen auf einem Schrank steht eine Marienstatue und das Dach eines Kirchturms als Requisiten.
Eine typische Drehsituation im Pfarrbüro: Grüntjens und Engel lachen in die Kamera ihres Smartphones. Foto: Raphael Schlimbach/kna

„Wir setzen uns nicht hin und erarbeiten einen ausgefeilten Plan für unseren Social-Media-Auftritt. Bei uns gibt es nicht montags immer ein Gebet und mittwochs einen Impuls“, sagt Engel. Sie filmt einfach die kleinen Alltagsszenen im Büro, im Pfarrhaus, beim Einkauf mit dem Pfarrer oder auf dem Weg zum Pizza-Abend mit Freunden. „Die Leute gucken uns auf Instagram, als wäre es eine Serie im Vorabendprogramm“, sagt Engel. „Und ich bin das Maskottchen, das vor die Kamera gezerrt wird“, sagt Grüntjens und lacht.

 „Die Leute gucken uns auf Instagram, als wäre es eine Serie im Vorabendprogramm.“

Also ist alles nur ein großer Spaß? Nein, denn die tägliche Präsenz auf Instagram schafft Nähe. „Die Leute sehen uns jeden Tag auf dem Kanal. Dass jemand so präsent ist, kennen die sonst von Kirche nicht“, sagt Engel. Daraus entstehe Vertrauen – über den Spaß hinaus in Situationen, die schwierig sind. „Die Leute kommen auf unseren Kanal über die lustigen Filmchen, die Videos, wo Chef laut lacht“, sagt Engel. „Und dann sind sie offen für andere Inhalte.“

Das zeigt sich an den vielen privaten Nachrichten, die sie über Instagram erreichen. Manchmal bis zu 300 Stück am Tag. Darunter sind viel Lob, lachende Smileys – aber auch Nachrichten mit Fragen zu konkreten seelsorgerischen Themen. „Eine Frau hat ihren Mann mit 60 Jahren nach einer langen Krankheit verloren. Sie hatte Fragen zur Trauerfeier, nach Gebeten und wie so etwas ablaufen kann“, sagt Engel. Die Leute hätten oft keinen engen Kontakt zur Kirche, seien unsicher, wollten nicht anecken. „Und dann denken die: Ach, die beiden kann ich doch fragen. Die sehe ich doch die ganze Zeit im Internet. Vielleicht können die mir helfen.“

300 000 Mal wird die Sonntagspredigt geklickt

Und sie helfen gerne. Sie beantworten Fragen, geben Anregungen, spenden Trost. „Wir haben sozusagen zwei Gemeinden“, sagt Grüntjens. „Die eine ist im Internet und die andere ist hier, St. Dionysius in Krefeld.“ Einziger Verbindungspunkt: die Sonntagspredigt des Pfarrers. Die wird im Sonntagsgottesdienst von einer Seitenbank aus aufgezeichnet – und im Internet im Schnitt 300 000 Mal für mindestens einige Sekunden abgespielt. „Ich kann mir gar nicht mehr richtig vorstellen, was das eigentlich bedeutet“, sagt Grüntjens. „Ich versuche immer, mir gute Gedanken für meine Predigt zu machen. Aber diese Zahlen erhöhen schon den Druck.“ Zugleich ist er stolz: „Es ist schon toll, dass meine Worte so viele Menschen erreichen.“

Das hat auch Auswirkungen: Mittlerweile wägen Grüntjens und Engel stärker ab, was oder wie sie etwas zeigen. „Früher, bei 1000 Followern, konnten wir machen, was wir wollten. Das ist jetzt schon anders“, sagt Engel. „Wir haben es ja überhaupt nicht mehr in der Hand, wo unsere Videos landen – und wie die Menschen das eventuell auffassen.“ Erstaunlicherweise hätten sie aber nur wenig mit Hassnachrichten zu tun, sagt Engel. Die meisten negativen Kommentare würden durch Argumente anderer Schreiber entkräftet. „Dafür sind wir total dankbar. Ich hätte auch nicht die Zeit, dort moderierend ständig einzugreifen“, sagt Engel.

Den beiden ist klar, dass nicht jede Pfarrei die Möglichkeit hat, einen solch erfolgreichen Instagram-Kanal zu etablieren. Ihr Erfolgsrezept lasse sich aber in fast jeder Gemeinde umsetzen, sagt Engel: „Die pastorale Arbeit lebt von Beziehung. Das ist einfach das A und O.“ Da reiche es nicht, nur Plakate zu posten oder eigene Aktionen zu bewerben. Engel sagt: „Wenn man Menschen erreichen möchte, muss man Gesicht zeigen. Vor Ort, in den Gemeinden, und auch im Internet, im digitalen Bereich.“

Kerstin Ostendorf