Impuls zur Sonntagslesung am 27. September 2026
„Wir freuen uns, dass ihr das macht“
Foto: Tobias Geuther
Christine Fischer und Ricardo Feigel gehören zum Leitungsteam der katholischen Pfarrei in Halle an der Saale.
Christine Fischer und Ricardo Feigel können sich in den Apostel Paulus gut hineinversetzen. Sie gehören zur katholischen PfarreiSt. Mauritius und St. Elisabeth in Halle an der Saale. Mit einem weiteren Ehrenamtlichen und einem Priester als Geistlichem Moderator leiten sie die Gemeinde und versuchen, die über 3000 Gläubigen zusammenzuhalten. So ähnlich wie Paulus vor fast 2000 Jahren versuchte, die Menschen in den ersten christlichen Gemeinden zusammenzuhalten und zu führen.
Es gibt wenig zu beanstanden
Paulus tat das durch Besuche und Briefe. Um das Jahr 50 n. Chr. gründete er die Gemeinde in Philippi in Makedonien im heutigen Griechenland. Fünf Jahre später schrieb er ihnen, was an diesem Sonntag in katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird.
Schon im ersten Kapitel bekennt er, dass er die Gemeinde besonders ins Herz geschlossen hat. In den späteren Versen wird deutlich: Die Philipper leben ganz so, wie Paulus es sich wünscht, im Geist Jesu. Im Gegensatz zu den Ermahnungen, die der Apostel anderen Gemeinden übermittelt, hat er bei den Philippern wenig zu beanstanden. Wenn es etwas gibt, zu dem er sie ermahnen will, dann, dass sie seine Freude vollkommen machen sollen, indem sie eines Sinnes sind, „einander in Liebe verbunden, einmütig, einträchtig“.
In Liebe verbunden, einmütig, einträchtig: So wünschen sich auch Fischer und Feigel ihre Gemeinde in Halle. Klappt das denn? „Ja, wir sind alle in Liebe verbunden, das muss ich ganz deutlich sagen“, sagt Feigel. „Wir versuchen, aufeinander zu achten und achtsam miteinander umzugehen.“ Das heiße, aufeinander zu hören und sich in die Position des anderen hineinzuversetzen, sagt er.
Fischer und Feigel sehen sich weniger als Mahner wie Paulus, sondern als Vermittler. Seit drei Jahren, seit es in der Gemeinde keinen leitenden Pfarrer mehr gibt, sind sie als Ehrenamtliche die Ansprechpartner für die Gläubigen. „Wir haben vom Bischof den Auftrag erhalten, uns um die Seelsorge an den Gemeindemitgliedern zu kümmern“, sagt Fischer. Das bedeutet, Gottesdienste zu organisieren, die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen oder älteren Gemeindemitgliedern zu berücksichtigen, Neuankömmlinge zu integrieren und dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Gruppen und Traditionen sich in der Gemeinde zu Hause fühlen.
Dass man immer noch wertschätzender miteinander umgehen kann, haben die Mitglieder des Leitungsteams gleich zu Beginn gemerkt. Eine ihrer ersten Entscheidungen sorgte für Unmut. Um die Ausgaben zu senken, hatten sie beschlossen, auf die zusätzlichen Kerzen zu verzichten, die im Altarraum bisher auf großen Leuchtern gebrannt hatten. Es kamen zahlreiche Beschwerden von Gläubigen, die die Festlichkeit vermissten. Dass die Kerzen einfach zu teuer geworden waren, hatte das Team zu wenig kommuniziert. Ein nachträglicher Aushang am Kirchenportal führte zu mehr Verständnis.
Es braucht gute Vermittlung
Veränderungen in der Pfarrei machen Angst – gerade jenen, die sich seit Jahrzehnten dort zu Hause fühlen. Fischer erzählt, dass jetzt an einem Sonntag im Monat eine Wortgottesfeier anstelle einer Eucharistiefeier stattfindet. „Das war ein großes Thema und wir haben versucht, das zu vermitteln“, sagt Feigel.
„Es war eine Entscheidung aus Vernunft, weil sich die beiden Priester, die es in Halle noch gibt, nicht zerteilen können“, sagt Fischer. Manche Gläubige kommen nicht zum Gottesdienst, wenn kein Priester vorne steht. Andere kommen trotzdem und Feigel schaut auf das Positive: „Bei den Wortgottesfeiern sind die Reihen nicht leer. Es sind schöne Feiern – und es funktioniert.“
Wie schafft man es, dass alle miteinander auskommen – egal, ob sie den einen oder den anderen Gottesdienst lieben, ob sie verschiedenen Gruppen angehören, ob sie schon lange in der Gemeinde leben oder zugezogen sind? „Im guten Miteinander steckt viel Arbeit von vielen engagierten Menschen, die zwischen den Kulturen vermitteln“, sagt Fischer. Sie freut sich zum Beispiel, dass die vielen schwarzen Familien, die lange nur zum Gottesdienst gekommen sind, nun auch beim Gemeindefest und anderen Treffen dabei sind.
Was hilft ihnen und was hält sie zusammen? Fischer gefällt ein Vergleich, den sie beim letzten Leitungstreffen gehört hat: Wenn man sich das Gemeindeleben wie ein Gastmahl vorstellt, dann sind die feinsten Speisen und Getränke schon da. „Glaube, Hoffnung und Liebe sind es, die bei uns auf dem Tisch stehen“, sagt sie. Als Leitungsteam müssten sie nur darauf achten, dass jemand die Tische aufbaut und dass viele Leute sich einbringen, sagt Feigel.
Anderseits spüren sie, dass die Gemeindemitglieder ihnen auch Vertrauen entgegenbringen. Fischer erzählt, dass sie ihnen zu ihrer Beauftragung Zuckertüten geschenkt haben. „Die Botschaft war: Wir freuen uns, dass ihr das macht und dass unser Gemeindeleben weitergeht. Aber wir wissen auch, dass ihr Anfänger seid.“„Wir freuen uns, dass ihr das macht“