Prämonstratenser in Magdeburg

Lang ersehnte Normalität

Prämonstratenser Magdeburg

Foto: Prämonstratenser Magdeburg 

Altfried Kutsch, Clemens Doelken, Oliver Potschien und Andreas Struck (von links) vor dem Klosterneubau

In ihrem Magdeburger Klosterneubau sind die Prämonstratenser-Chorherren jetzt zu viert. Pater Oliver Potschien, der bisher im Kloster Duisburg-Hamborn gelebt hat, ist zur Verstärkung nach Magdeburg gekommen. Jetzt kann das Klosterleben Fahrt aufnehmen.

Auch wenn noch nicht jedes Bild seinen endgültigen Platz an der Wand gefunden hat, die eine oder andere Kiste unausgepackt in der Ecke steht und man baulich an einigen Ecken noch auf Unfertiges stößt – bei den Prämonstratensern in Magdeburg ist Erleichterung spürbar: „Endlich ist normales Klosterleben möglich. Wir können im neuen Kloster gemeinsam wohnen, beten und arbeiten und haben auch noch Platz für Gäste, die eine Zeitlang mitleben möchten“, sagt Pater Clemens Dölken, Prior der Magdeburger Gemeinschaft.

Darauf hatte die Gemeinschaft 23 Jahre lang gewartet. Immer wieder hatten sich die Planungen und der Bau verzögert, zuletzt durch archäologische Ausgrabungen und Anforderungen der Denkmalpflege. Vor wenigen Tagen haben sie ihr bisheriges Domizil in der Büchnerstraße im Stadtteil Cracau ausgeräumt und können sich damit in der Nähe der St. Petri-Kirche nun ganz und gar auf das Neue konzentrieren.

„Stiften Sie ein Stift!“

Platz bietet das helle, lichtdurchflutete Kloster mit Elbblick nun für sechs Prämonstratenser. Clemens Dölken wäre zufrieden, wenn sich zu dem aktuellen Quartett irgendwann ein fünfter dazugesellen würde – und hält diese Hoffnung für durchaus realistisch. „Magdeburg hat bei den Prämonstratensern international einen besonderen Klang“, erläutert er, „schließlich war es die Bischofsstadt des heiligen Norbert, unseres Gründers.“

Ein Risiko ist und bleibt ein Klosterbau trotzdem, dessen sind sich die Chorherren bewusst. Eine große Zahl von Spendern und Unterstützern stimmt sie aber zuversichtlich. „Deutschlandweit teilen viele Menschen unser Anliegen, hier einen Ort der Begegnung mit Gott und den Menschen zu bauen“, sagt Pater Dölken. In Magdeburg habe die Gemeinschaft Vertrauen gewonnen, nicht zuletzt durch ihre jahrzehntelange Arbeit in der Pfarrei- und Studentenseelsorge. Dank vieler Spenden seien inzwischen „nur noch“ Rechnungen in Höhe von 148 000 Euro offen. Zur Klostereröffnung im Oktober hätten noch rund 250 000 Euro gefehlt.

Um das Kloster langfristig finanziell abzusichern, haben die Patres vor kurzem die Aktion „Stiften Sie ein Stift!“ ins Leben gerufen. Mit „Bausteinen“ ab fünf Euro können sich Förderwillige an einem Aufbaufonds in Höhe von 250 000 Euro beteiligen, aus deren regelmäßigen Erträgen der dauerhafte Erhalt des Klosters und der Ausbau von Arbeitsräumen im benachbarten alten Gemeindehaus bezahlt werden könnte. Darüber hinaus werben die Prämonstratenser für den Beitritt in ihren bestehenden Förderverein. „Wir hoffen auch auf Spendenaufrufe für das Kloster zu Geburtstagen, Trauungen und Beerdigungen und auf Vermächtnisse“, schreiben die Patres auf der kürzlich eigens für den Klosterneubau eingerichteten Internetseite www.klosterneubau.de.

Von allen Seiten zugänglich

Mit staatlichen Fördermitteln werde derzeit an der Zugangsstraße zum Kloster weitergebaut, heißt es dort weiter. Geplant sei, dass das Kloster und die benachbarten evangelisch-lutherischen, reformierten und katholischen Gemeinden, die in den „Ökumenischen Höfen“ mit ihm verbunden sind, in Zukunft von allen Seiten zugänglich sein werden.

Von der Elbe her soll einmal ein Treppenaufgang ins Kloster führen. Von hier aus sollen auch die öffentlichen Bereiche der Romanischen Stube und dem so genannten Lutherturm der historischen Stadtmauer – unter anderem für Stadtführungen – einen Zugang bekommen.

Zur Sache
Nach 350 Jahren sind die Prämonstratenser in den 1990er Jahren von der Abtei Duisburg-Hamborn aus nach Magdeburg zurückgekehrt, wo ihr Ordensgründer Norbert von Xanten im zwölften Jahrhundert acht Jahre lang Erzbischof war. Der Klosterneubau entsteht in der Altstadt am westlichen Ufer der Elbe

 

Dorothee Wanzek