Ferienfreizeit im Haus Maria Frieden in Rulle

Auszeit, Austausch und neue Freunde

Eine Weltkarte mit Stecknadeln, die mit Fäden verbunden sind

Fotos: Jasmin Lobert

Bei der Vorstellungsrunde erzählen die Jugendlichen, woher sie kommen und markieren es auf der Weltkarte. Fotos: Jasmin Lobert

Jungen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund eine schöne Ferienfreizeit ermöglichen – das ist das Ziel der „Kleinen Freizeit“ der Jugendbildungsstätte Haus Maria Frieden in Rulle. Dabei lernen sich die Teilnehmer untereinander spielerisch kennen, tauschen sich über ihre Kulturen aus und erkunden Freizeitangebote der Gegend.

Zu Beginn der einwöchigen Ferienfreizeit reisen die Teilnehmer gedanklich von Europa über Asien bis nach Afrika, erzählt Verena Kaumkötter, Bildungsreferentin in der Jugendbildungsstätte Haus Maria Frieden (HMF) in Rulle im Landkreis Osnabrück. Denn das Besondere an der „Kleinen Freizeit“, die vom HMF und der Kolpingjugend organisiert wird, ist, dass Jugendliche aller Nationalitäten bis zu einem Alter von 27 Jahren teilnehmen dürfen. Allein die Frage nach dem Lieblingsessen löst so viel Interesse aus, dass die Jugendlichen ihre Handys zücken, Bilder raussuchen und durch die Reihen geben, sagt Sina Wulftage, Betreuerin von der Kolpingjugend. Am Essen wird deutlich, dass die Teilnehmer aus ganz verschiedenen Ecken der Welt stammen.  Darunter: Syrien, Kamerun, Sudan, Eritrea, Aserbaidschan, Ukraine, Italien und Deutschland. 

Porträt von einer jugen Frau mit braunen Haaren
Verena Kaumkötter ist Bildungsreferentin im HMF. 

So kommt es ganz von allein zu einem interkulturellen Austausch. Ein netter Nebeneffekt. Denn in erster Linie möchte das Betreuungsteam den Jugendlichen eine schöne Zeit bereiten. Kaumkötter spricht wie selbstverständlich von dem „Freizeitfeeling“. Und führt aus: „Die Jugendlichen sollen spüren: Ich kann hier sein, wie ich bin und das machen, worauf ich Lust habe.“ Sie gehen bowlen oder klettern, spielen Fußball oder Billard, bemalen Jutebeutel oder basteln Armbänder. 

Wulftage ist schon zum dritten Mal bei dieser Freizeit als Betreuerin mit dabei. Sie freut sich jedes Jahr auf die gemeinsamen Aktionen. Denn einige der Jugendlichen waren noch nie zuvor im Kletterwald oder sind Kanu gefahren, sagt sie. „Für viele sind solche Dinge keine Selbstverständlichkeit.“ Umso größer ist die Freude bei allen Beteiligten. 

Orlando Adam Hamad ist in diesem Jahr auch wieder bei der Kleinen Freizeit dabei. So wie die letzten fünf Mal auch. Von dem Freizeit-Angebot hat er zum ersten Mal im offenen Jugendtreff des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gehört, der seit fünf Jahren wöchentlich im Marcell-Callo-Haus in Osnabrück stattfindet. Der gebürtige Sudanese erzählt mit einem breiten Lächeln im Gesicht, dass er bei der Freizeit immer gerne dabei ist, weil es großen Spaß macht und er viel erlebt. In diesem Jahr ist die Gruppe beispielsweise bowlen und bouldern gegangen. Außerdem lernt Adam Hamad bei der Freizeit immer neue Leute kennen, von denen manche auch zu Freunden werden. 

Nahaufnahme von mehreren Jugendlichen, die Jutebeutel bemalen
Orlando Adam Hamad malt einen Fußball auf seinen Jutebeutel.

Aber es wird noch besser, denn die nächste Freizeit lässt nicht lange auf sich warten. Nach einer Woche Pause geht es für Adam Hamad in die Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth. Dort findet die Freizeit „Join Us“ – das emsländische Pendant zur Kleinen Freizeit in Rulle – statt. Die Freizeit im Emsland wird von der Jugendbildungsstätte, dem Jugendkloster Ahmsen, der Christlichen Arbeiterjugend und dem BDKJ organisiert. 

Weil beide Veranstaltungen kurz nach einander stattfinden und es einige Jugendliche gibt, die an beiden Fahrten teilnehmen, sprechen sich die Organisationsteams der Bildungshäuser vorher ab, um Doppellungen zu vermeiden. 2016 hat es die ersten beiden Freizeiten in dieser Form gegeben. Und seitdem sind sie nicht mehr wegzudenken.

Das zeigt sich auch bei der Abschlussrunde der diesjährigen Freizeit in Rulle. Alle Teilnehmer haben gesagt, dass sie beim nächsten Mal gerne wiederkommen möchten, sagt Kaumkötter. Auch sie ist zufrieden: „Die Stimmung in der Gruppe war super, wir haben uns trotz mancher Sprachbarrieren gut verstanden und eine tolle Zeit gehabt.“ Jetzt heißt es, reflektieren und auf die Freizeit im nächsten Jahr hinfiebern – oder für die Join Us packen. 

Jasmin Lobert