Neuer Weihbischof

In den Dienst genommen

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Zu sehen sind vier Männer, zwei von ihnen halten ein Buch wie ein Dach über den dritten Mann.
Nachweis

Foto: Ralf Adloff

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Das Symbol des als Dach gehaltenen Evangeliums, bedeute, dass der Bischof unter dem Wort Gottes lebe, sagte der Erzbischof.

Das Erzbistum Hamburg hat mit Johannes Zehe nach einem Jahr der Vakanz einen neuen Weihbischof. Erzbischof Stefan Heße weihte ihn am 10. Oktober im St. Marien-Dom und dankte seinem Vorgänger, dem emeritierten Weihbischof Horst Eberlein.

Es ist immer ein besonderer Moment, wenn sich bei einer Bischofsweihe der neue Würdenträger noch einmal jenen im Familien- und Freundeskreis zuwendet, die ihn auf dem Weg bis zu diesem neuen Amt getragen haben. Wenn deutlich wird, dass Berufung, Glaube und die Bereitschaft, sich in vorderster Reihe in den Dienst Jesu Christi und des Evangeliums zu stellen, nicht in einem luftleeren Raum gedeihen, sondern dass es darüber hinaus Menschen braucht, die einen stärken. So ist es auch bei Johannes Zehe, der am 10. Oktober im voll besetzten St. Marien-Dom von Erzbischof Stefan Heße zum Bischof geweiht wurde. Als er zum Ende des fast zweieinhalbstündigen Gottesdienstes zu seinem Vater in der ersten Reihe tritt, ihm dankt und ihn umarmt, brandet Applaus auf.

Johannes Zehe dankt seinem Vater für die Unterstützung auf seinem Weg als Priester. Foto: Ralf Adloff

Es sind drei Dinge, die Weihbischof Zehe in einer Ansprache zuvor in den Mittelpunkt stellt. Da ist die Überraschung über das Geschenk, von dem er schon bei seiner Ernennung sprach, und das der gebürtige Neustrelitzer, so scheint es, ganz langsam und mit Bedacht auspackt, weil es so groß ist. Wenn als Absender „Gott doch dahinter steckt, der uns führt und leitet“, dann könne er „dieses Geschenk auch bei aller Vorsicht, auch Überraschung und Freude und auch noch nicht wissend, was da alles in der Tiefe drinsteckt, gut annehmen“. Schließlich sei es eben kein Geschenk „zu meiner persönlichen Ehre, sondern ich werde in den Dienst genommen; vielmehr, ich werde mehr in den Dienst genommen“, sagt Zehe. „Der Dienst, der das ganze Leben wehrt, etwas, das mit mir verbunden ist und das ich nicht nur tue, sondern auch lebe. Ein Dienst für die Menschen, für das Reich Gottes. Im Dienste Jesu Christi für die Menschen da zu sein, so wie Christus es gewesen ist.“

Viele Gäste aus Religion und Politik

Ein überraschendes Geschenk, ein Dienst – und Dank: Dank an Gott, Papst Leo XIV., Erzbischof Heße und an die Gläubigen – er habe es immer so gespürt, sagt Zehe, „dass gerade dieses Getragenwerden auch von den Gläubigen etwas ist, was uns Priestern und sicherlich gerade auch noch mehr den Bischöfen hilft, auch in diesem Dienst.“ Und eben Dank an die Familie, vor allem an die verstorbene Mutter und ganz besonders an den Vater.

Zuvor die feierliche Zeremonie, der Gottesdienst, für den das Wort „festlich“ tatsächlich zutrifft und bei dem beim Agnus Dei eine Komposition Zehes zu Gehör gebracht wird. Der Hildesheimer Weihbischof und Diözesanadministrator Martin Marahrens und der Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal, mit denen Zehe jüngst in Rom war, sind dabei. Aber auch die  emeritierten Bischöfe von Dresden und Münster, Heinrich Timmerevers und Felix Genn. Bischöfin Kirsten Fehrs ist da, Pater Athanasius Basta Badres von der koptisch-orthodoxen Kirche als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), aber auch Fatih Yildiz, Vorsitzender des Rats der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg und sein schleswig-holsteinisches Pendant, Fatih Mutlu, die beide für den interreligiösen Dialog stehen. Die Landesregierungen von Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind vertreten, darunter Kulturministerin Dorit Stenke und Landtagsvizepräsident Peter Lehnert aus Kiel, sowie das konsularische Korps in Hamburg mit dem japanischen Generalkonsul Shinsuke Toda. Und natürlich sind Katholiken aus allen Ecken des Bistums angereist – ganz sicher auch aus Neustrelitz. Sogar Bürgermeister Andreas Grund ist da.

Verzagtheit keine kirchliche Grundhaltung

Dank spricht ebenfalls Erzbischof Heße aus, nämlich an den vor einem Jahr aus dem Amt geschiedenen Weihbischof Horst Eberlein, „für deinen treuen und aufopferungsvollen Dienst in unserem Erzbistum“.

Am Vorabend der Weihe wurde eine Vigil im St. Marien-Dom gefeiert. Foto: Matthias Greve

In seiner Predigt zum Johannesevangelium (Joh 20,19-23) betont Heße die besondere inhaltliche Nähe des Textes zum Bischofsamt. Die Angst der Jünger, das Einigeln hinter verschlossenen Türen, das dürfe nicht „die Grundhaltung der Kirche“ sein. Es sei „sozusagen das Antibild für den Bischof“, so Heße. Wo die Verbindung zu Christus zugelassen werde, da entstehe Gemeinschaft, Freude und Zuversicht.

Johannes Zehe werde „nicht irgendwie zum Vorstand eines religiösen Konzerns, sondern als Bischof zum Zeugen der Auferstehung“ geweiht. Und, so Heße, „die große Botschaft heißt Frieden“ ¬– und die sei nötiger denn je. Ungewöhnlich harsch kritisiert er in diesem Zusammenhang – der 10. Oktober ist auch der Welttag gegen die Todesstrafe – „die unsägliche Diskussion“ über die von US-Verteidigungsminister Pete Heg-seth angekündigte – und mittlerweile abgesagte – Live-Übertragung einer Hinrichtung: „Da kann man sich ja nur an den Kopf fassen. Das hat doch mit Frieden, wie die Welt ihn braucht, überhaupt nichts zu tun.“

Verlesen wird im Gottesdienst auch das Ernennungsschreiben des Papstes für Johannes Zehe: „Du bist in Musik und Theologie erfahren und hast dich der Aufgabe gewidmet, den Klerus auszubilden. Ausgezeichnet bist du durch den festen Glauben, geistige Gaben und jene humane Kultur, die unserer Zeit entspricht“, heißt es darin. Zehe ist als Weihbischof zugleich Titularbischof des erloschenen Bistums der antiken Stadt Aquae Sirenses in Algerien.

Marco Heinen

Der Weihbischof und seine Insignien

Das Bischofswappen ist in Silber und Rot gehalten so wie das Wappen des Erzbistums Hamburg. Auch das „Niels-Stensen-Herz“ im Mittelschild findet sich darin, was Johannes Zehe als Weihbischof des Erzbistums ausweist. Während sich die Geige im roten Teil des Schildes leicht als Zeichen seines erlernten Berufs dechiffrieren lässt, stellt die Strelitzie auf weißem Grund eine Besonderheit dar, die sich nicht sogleich erschließt.

Foto: Ralf Adloff

Vor allem für Nicht-Botaniker bedarf es einer Erklärung: Es handelt sich um eine aus dem südlichen Afrika stammende Pflanze aus der Gattung der Strelitzia. Insbesondere die farbenfrohe Strelitzia reginae, die königliche Strelitzie, hat einen engen Bezug zur Residenzstadt Neustrelitz. 1773 gelangte ein Exemplar an die  Königlichen Botanischen Gärten im Londoner Stadtteil Kew. Deren Direktor Joseph Banks benannte die bis dahin in Europa unbekannte Pflanze nach Strelitz, der Heimat der englischen Königin Charlotte, die eine Prinzessin aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz war und als botanisch interessierte und kundige Königin galt. 1818 machte sie ihrer herzoglichen Familie in Mecklenburg-Strelitz eine Strelitzienstaude zum Geschenk. „So blühte erstmals in Deutschland eine Strelitzie 1822 in Neustrelitz in der fürstlichen Orangerie am Schlossgarten“, heißt es auf der Internetseite von Neustrelitz. Der Wahlspruch „Missi estis“ ist eine Abwandlung von Joh 20,21. Übersetzt heißt er: „Ihr seid gesandt.“

Johannes Zehes Bischofsstab und Bischofskreuz gehörten einst Bischof Theodor Hubrich, der 1987 zum Apostolischen Administrator im Bischöflichen Amt Schwerin ernannt wurde und diese Aufgabe bis zu seinem Tod am 27. März 1992 wahrnahm. Der Bischofsring stammt aus dem Nachlass des am 3. Januar 2023 verstorbenen Weihbischofs Norbert Werbs. Er hatte ihn zu seiner Bischofsweihe 1981 erhalten. Es ist ein Konzilsring mit dem Bildnis von Christus mit Petrus und Paulus neben ihm. (hix)

Zur Person

Johannes Zehe wurde am 28. Oktober 1963 in Neustrelitz geboren. Nach der Schule studierte er Musik in Berlin und war drei Jahre als Geigenlehrer tätig. Als Musiker wirkte er von 1988 bis 1991 im Philharmonischen Orchester des Theaters Stralsund mit, bevor er Theologie in Magdeburg, Erfurt und München studierte. Am 15. Mai 1999 wurde er in Hamburg zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Aufgaben im Erzbistum Hamburg, unter anderem als Pfarrer in Neubrandenburg, Pastor in Lübeck und Pfarradministrator in Hamburg-Bergedorf, ist Zehe seit 2023 als Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum Hamburg zuständig. Seine musikalischen Gaben will er auch als Weihbischof verstärkt einbringen.