Urlauberseelsorge

Der Glaube reist mit

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Andacht am Strand. Dazu wird regelmäßig im Rahmen der Urlauberseelsorge an der Nordsee eingeladen.
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Martina Albert

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Andacht am Strand. Dazu wird regelmäßig im Rahmen der Urlauberseelsorge an der Nordsee eingeladen.

Wenn Reinhild Heygasch in den Urlaub fährt, reist ihr Glaube mit. „Der Glaube ist überall Heimat für mich“, sagt sie. Deswegen schätzt sie das Angebot der katholischen Urlauberseelsorge in Cuxhaven. Die Strandkorbandacht gehört für sie zum Urlaub dazu.

Donnerstag, vormittags. Eine kleine Runde hat sich sich am Grünstrand der Grimmershörnbucht in Cuxhaven um den knallroten Kirchenstrandkorb auf Klappstühlen versammelt. Zeit für die wöchentliche Strandkorbandacht – eins der Angebote, das die ehrenamtliche Urlauberseelsorgerin Annemarie Höchtl jedes Jahr in der Sommersaison anbietet. „Für viele ist es ganz wichtig, auch im Urlaub einen spirituellen Anlaufpunkt zu haben“, sagt die 77-Jährige, die bis zum Ruhestand als Gemeindereferentin gearbeitet hat. Letztes Jahr habe sie etwa eine Frau den ganzen Tag begleitet, deren Mann einen Schlaganfall hatte und die nicht wusste, wie sie damit umgehen soll. Die Gespräche taten der Frau gut. Die Seelsorge ist Annemarie Höchtl eine Herzensangelegenheit. 

Ausgangspunkt für alle Aktivitäten der Urlauberseelsorge ist die Kirche am Meer, die Herz-Jesu-Kirche, die nur wenige Meter hinter dem Deich der Grimmershörnbucht liegt und damit die nördlichste Kirche des Bistums Hildesheim ist. Höchtl ist mit der Kirche aufgewachsen, wurde in ihr getauft und gefirmt und heiratete auch in ihr. Sie hat sich dann auch vor Jahren, als einmal die Schließung im Raum stand, zusammen mit anderen stark gemacht für den Erhalt der Kirche am Meer. „Am Ende gelang es, die Rolle, die die Kirche für Touristen hat, deutlich zu machen und den Erhalt zu sichern.“ Erst gerade wurde die Kirche renoviert, täglich ist sie von 9 bis mindestens 18 Uhr geöffnet, im Sommer manchmal bis 22 Uhr. 

Annemarie Höchtl wohnt ganz in der Nähe und findet es wichtig, dass die Kirche zugänglich ist. Viele Touristen würden sie als erste Anlaufstelle nutzen, sich noch vor Bezug der Unterkunft für die gute Reise bedanken und dann den Urlaub beginnen. Ein Gästebuch am Eingang zeigt das. Die Einträge emthalten persönliche Bitten und Gebete, aber auch viele Danksagungen von Touristen. 

Kirche als wichtige Anlaufstelle für viele Touristen

Vor kurzem feierte die Kirche 120. Geburtstag. Wegen der guten Akustik und dem beharrlichen Einsatz von Annemarie Höchtl als Urlauberseelsorgerin finden mittlerweile 20 Konzerte im Jahr in der Kirche statt. Ebenfalls zum Programm der Urlauberseelsorge gehört die „Zeit zum Zuhören“, eine musikalische Vesper mit anschließendem Gottesdienst (jeden Freitag um 18 Uhr). Auch diese Veranstaltungen sind oft gut besucht. 

Zu den Strandkorbandachten kommen meist 15 bis 20 Personen, es waren aber auch schonmal 30, sagt Annemarie Höchtl. Auch an diesem Morgen ist es eine nette Runde, die sich zusammengefunden hat. Damit das ganze etwas persönlicher wird, gibt es eine Vorstellungsrunde. Die meisten sind Urlauber, einige Stammgäste, wie ein älterer Herr aus der Diözese Trier, der schon mit seinen Kindern in Cuxhaven Urlaub machte und zuletzt mit seiner Lebensgefährtin kam. Weil sie vor zweieinhalb Jahren starb, kommt er allein, die Strandkorbandachten sind weiter fester Programmpunkt und Anker in seiner Zeit. 

"Die Gemeinschaft trägt und stärkt mich, sie macht den Tag hell"

Auch Brigitte aus dem Oberbergischen Kreis ist immer wieder in Cuxhaven. „Eine Woche bin ich hier. Heute ist Strandkorbandacht, morgen Zeit zum Zuhören und am Sonntag geht es wieder nach Hause“, sagt die betagte Dame. Für sie gehört es wie auch für Reinhild Heygasch dazu, im Urlaub auch den Glauben zu leben. Reinhild Heygasch, die mittlerweile auch schon mehr als 30-mal hier war, beschreibt es so: „Die Gemeinschaft trägt und stärkt mich, sie macht den Tag hell.“ 

Hell bleibt es allerdings bei der Strandkorbandacht an diesem Morgen nicht. Schon kurz nach Beginn der Andacht verdunkelt sich der Himmel und schweres Donnergrollen kündigt ein Gewitter an, das kurz danach mit Starkregen niedergeht. „So ist das hier an der Küste“, sagt Annemarie Höchtl und lacht. Die kleine Runde lässt sich nicht beirren, sondern packt kurzerhand Liederbücher und Andachtszettel ein und wandert einige Meter weiter unter einen Pavillon. 

Die Andacht geht weiter, einige Neugierige, die ebenfalls Zuflucht vor dem Unwetter gesucht haben, hören zu, eine Familie hält im Schutz des Pavillons ein Picknick ab. Der Andacht tut das keinen Abbruch. Die Teilnehmer kommen über einen Bibeltext ins Gespräch, es geht um Leid und Leben und darum, wie der Glaube den Menschen wieder aufrichten kann. Ebenso schnell, wie das Gewitter gekommen ist, ist das Unwetter noch vor Ende der Andacht vorbei. 

Einige der Teilnehmer nehmen sich noch Zeit für einen gemeinsamen Cappuccino in der benachbarten Gastronomie. „Hier können wir auch noch einmal ins Gespräch kommen“, lädt Annemarie Höchtl ein. Die 77-Jährige liebt ihr Ehrenamt als Urlaubsseelsorgerin, ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. Nur einen Teil hat sie aus Altersgründen aufgegeben: das Pilgern im Watt. Viele Jahre bot sie jeden Dienstag eine Wanderung durchs Watt zur Insel Neuwerk an, verbunden mit Bibelimpulsen. Doch an Land will sie noch viele Jahre für die Urlauber da sein.

Martina Albert