Papst Leo und seine Lungenkrebs-Operation

„Der ideale Patient“

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Papst Leo und sein Arzt, Stefano Margaritora
Nachweis

Foto: kna/Vatican Media/Romano Siciliani

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Gut versorgt: Papst Leo und sein behandelnder Arzt, Stefano Margaritora, am Tag der Entlassung aus der Gemelli-Klinik.

Einen ganz anderen Umgang mit seiner Gesundheit legt Papst Leo XIV. an den Tag: Anders als seine Vorgänger setzt er auf große Offenheit und vermeidet Geheimniskrämerei. Besonders beeindruckend ist, wie schnell er sich von seiner Lungenoperation erholt hat.

Selbst die Gemelli-Klinik war von den Nachrichten aus dem Vatikan überrumpelt: Der Papst-Trakt im zehnten Stock des Krankenhauses im Nordwesten Roms wird gerade renoviert. Offenbar hatte niemand damit gerechnet, dass der sportlich-agile Leo XIV. hier so schnell ein Zimmer brauchen würde.

Die Ankündigung des Papstes beim Mittagsgebet am 11. Oktober traf – bis auf wenige Eingeweihte im Vatikan – fast alle wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der gebürtige Chicagoer musste als junger Missionar in Peru einmal wegen Typhus ins Krankenhaus, ansonsten gilt er als Ausbund an Vitalität und wirkt für einen über 70-Jährigen ungewöhnlich gut in Form.

Schon zwei Tage später wurde der Papst operiert. Die Diagnose „bösartiges Adenokarzinom im rechten Lungenflügel“ wurde noch am Abend des 13. Oktober vom Vatikan veröffentlicht. Die anschließende Klinikphase ging fast in Windeseile zu Ende: Nach der Entfernung des rechten unteren Lungenlappens, wo der Tumor saß, wurde Leo XIV. bereits vier Tage später entlassen. Blutwerte, Herzfunktion, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und klinischer Gesamtzustand – alles bestens, so seine Mediziner.

Sein Umgang mit dieser Ausnahmesituation offenbart einiges über Robert Francis Prevost. Nicht nur, dass er seine Operation vor Tausenden beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz ankündigte, ist ein Novum in der Krankengeschichte der Päpste. Darin spiegelt sich die gelassene Rationalität des studierten Mathematikers, gepaart mit dem Gottvertrauen des Priesters, der seit fast 50 Jahren Augustinermönch ist.

Lächelnd und winkend durch den Haupteingang

Auch seine Einlieferung ins Krankenhaus gestaltete er mit maximaler Transparenz: Nicht etwa versteckt über die Tiefgarage, sondern vor den Augen Hunderter Menschen schritt er lächelnd und winkend über den Haupteingang in die Klinik. Und genauso hielt er es bei seiner Entlassung. Viele Patienten im Rollstuhl oder mit Infusionsständern warteten im Vorraum; er nahm sich Zeit, mit einigen zu sprechen und Hände zu schütteln. Unter ihren aufmunternden Rufen trat der Papst beschwingten Schrittes aus der Klinik, wo ihn eine Welle der Zuneigung empfing.

Das, was über ihn aus dem streng bewachten Klinikbereich nach außen drang, rundet das Bild ab. Anders als Leos Vorgänger Franziskus sei der gebürtige Chicagoer ein folgsamer Patient, so sein Freund, der Augustiner Alejandro Moral Anton. „Da er sehr methodisch vorgeht, tut er genau das, was die Ärzte ihm raten.“ 

Von seinen Ärzten war zu hören, der Papst lasse sich Diagnosen und Therapien detailliert und ohne Tabus erklären, bringe Interesse und eine gewisse Sachkenntnis mit. Geradezu ins Schwärmen über den päpstlichen Patienten geriet sein Thorax-Chirurg Stefano Margaritora. Ihm kam es zu, zum ersten Mal einem Papst einen bösartigen Tumor zu entfernen. „Der Papst hat sich im Rahmen seiner postoperativen Genesung mit Leib und Seele eingesetzt, wie es die motiviertesten Menschen nach solchen Operationen tun“, sagte er Vatikanmedien. „Sein Wille, sich sehr schnell zu erholen, ist in jeder Hinsicht sehr wirkungsvoll: Das war wirklich lobenswert.“

Einen Papst zu operieren, sei für ihn „ein tiefes Erlebnis, das ich gar nicht in Worte fassen kann“, so der Spezialist. Leo habe ein enormes Charisma, sei ein sehr bescheidener und fröhlicher Mensch, „immer gelassen, immer lächelnd, kaum Klagen angesichts von Schmerzen, die ein Mensch trotz aller Maßnahmen sicherlich empfindet“. Sein Fazit: „Papst Leo war ein idealer Patient. Er ist wieder auf die Beine gekommen und hat immer sogar ein bisschen mehr getan, als von ihm verlangt wurde.“

Schneller Arbeitsbeginn nach der Operation

Genau das erweckte bei manchen jedoch eine gewisse Skepsis. Schon ab dem Tag nach seiner OP begann Leo wieder zu arbeiten, stand am Altar, traf Personalentscheidungen und forderte in einem persönlichen Telefonat mit Putin einen Waffenstillstand für die Ukraine. Handelt es sich hier um Aktionismus? Vielleicht will Leo XIV. damit auch andere ermutigen: Man kann krank sein, muss aber nicht unter der Krankheit zusammenbrechen.

Wie auch immer es nun weitergeht mit dem Kirchenoberhaupt, die neue Situation verändert vieles. „Ich glaube, dass die Krebserkrankung des Papstes dazu beiträgt, dass der Papst stärker als Mensch denn als Institution wahrgenommen wird“, sagte der Religionspsychologe Lars Allolio-Näcke. Diese Entwicklung habe schon Benedikt XVI. angestoßen, als er vorzeitig vom Amt zurücktrat. „Das ermöglicht auch nicht-konfessionellen Menschen, an der Krankheit des Papstes teilzuhaben und Anteil zu nehmen.“ Dafür sprechen Genesungswünsche aus aller Welt; selbst von US-Präsident Donald Trump, der erklärtermaßen kein Fan seines Landsmanns Leo ist.

Wie beliebt der Papst ohnehin schon ist, zeigte sich nicht nur bei seinem ersten Mittagsgebet am Tag nach seiner Entlassung auf dem Petersplatz, wo er regelrecht gefeiert wurde. Der Mann, dem insbesondere bei seinen Auslandsreisen in den Libanon und vier Länder Afrikas, in Monaco, San Marino, Spanien und zuletzt Frankreich regelrecht die Herzen zuflogen, wirkt zugewandt, menschlich und nahbar. Das könnte sich nun auch bald in Südamerika zeigen.

Sabine Kleyboldt

Zur Sache

Papst Leo XIV. kann trotz seiner jüngsten Krebs-Operation wohl wie geplant nach Südamerika reisen. Es gebe „keine medizinischen Gründe“, warum er die lange Flugreise nicht antreten sollte, sagte der behandelnde Chirurg Stefano Margaritora. Zwischen dem 6. und 16. November besucht Papst Leo Uruguay, Argentinien und Peru, wo er als Missionar und Bischof wirkte. Der Papst wird die jeweiligen Staatsoberhäupter ebenso treffen wie die Mitglieder der katholischen Kirche.

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