Wissen weitergeben

Ehrenamtliche führen durch Kirchen im Emsland

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Ehrenamtliche in einer Kirche
Nachweis

Foto: Elisabeth Tondera

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Gisela Bolmer (rechts) und Holger Berentzen (3. von rechts) erklären die St. Bonifatiuskirche in Lingen.

Die Katholische Erwachsenenbildung bildet ehrenamtliche Kirchenführer aus. Über Geschichte, Liturgie, Architektur und Symbolik bis hin zur Ökumene erfahren die Teilnehmer viel Wissen, das sie weitergeben möchten.

Die Kirchen in der Region kennenlernen, sie für sich und andere zu entdecken und lebendig werden lassen – das ist das Ziel der Ausbildung zu ehrenamtlichen Kirchenführerinnen und -führern, die zurzeit in Lingen stattfindet. Es ist ein Angebot der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) und dem Dekanat Emsland-Süd.

An einem Samstag im Mai betreten die Teilnehmenden die evangelisch-lutherische Kreuzkirche in Lingen. Für viele von ihnen ein ungewohnter Ort. Kein Weihwasserbecken am Eingang, kein Tabernakel, kein ewiges Licht – all das fehlt, was sie aus ihren katholischen Kirchenräumen kennen. Doch genau darin liegt der Reiz: Unterschiede wahrnehmen, verstehen, einordnen.

Mit kleinen farbigen Kärtchen, die an markanten Stellen im Kirchenraum verteilt werden, bringen sie ihre Eindrücke zum Ausdruck. Fragezeichen stehen für Neugier, Ausrufezeichen für persönliche Bedeutung, Striche für Unverständnis. Pastor Reinhard Molitor sammelt die Karten ein – und mit ihnen die Fragen, Eindrücke und Unsicherheiten. Er erklärt die Hintergründe und lädt zum Weiterdenken ein.

Die trockene Theorie allein reicht nicht

Diese Einheit gehört zum vierten von insgesamt sechs Seminartagen – 60 Stunden intensiver Auseinandersetzung mit Kirchenräumen, ihrer Geschichte, Liturgie, Architektur und Symbolik. Für Helga Hensel aus Groß Hesepe ein echter Gewinn – sie bietet geführte Fahrradtouren durch ihre Gemeinde an und möchte ihren Gästen auch etwas über die Kirchen erzählen können – nicht nur über die Bauweise, sondern auch über das, was sie geistlich bedeuten. Auch andere Teilnehmende haben ganz persönliche Motive. Eine Frau aus Haselünne ist fasziniert von der Liturgie als Ausdruck gelebten Glaubens, Alwin Hackmann aus Messingen möchte die Geschichte seiner Heimatkirche St. Antonius tiefer verstehen – und weitergeben.

Kirchenführung
Mit Pastor Reinhard Molitor (4.v.r.) in der Lingener Kreuzkirche. Foto: Elisabeth Tondera

„Es ist bereits der dritte Kurs dieser Art“, berichtet Gisela Bolmer, Geschäftsführerin der KEB Emsland-Süd. Zehn bis zwölf engagierte Menschen sind jedes Mal dabei – Gemeindemitglieder, Vereinsaktive, Heimatkundler. Menschen, die ihre Kirche nicht nur lieben, sondern auch anderen näherbringen wollen. „Wir vermitteln ihnen dazu das nötige Fachwissen – von Kirchen- und Kunstgeschichte über christliche Architektur bis hin zur Ökumene im Kirchenbau.“

Doch trockene Theorie allein reicht nicht. Deshalb geht es im Seminar auch um methodische und kommunikative Fähigkeiten. „Wie spreche ich eine Gruppe an? Wie bereite ich eine Führung vor? Wie gestalte ich sie so, dass sie berührt und im Gedächtnis bleibt?“, erklärt Bolmer. Es gehe darum, den Kirchenraum „lebendig werden zu lassen“. Daher trägt der Kurs auch den passenden Namen: „Lebendige Steine“.

„Fakten und Zahlen sind wichtig – aber oft schnell vergessen“, ergänzt Holger Berentzen, der das Seminar mitverantwortet. „Was wirklich bleibt, sind Geschichten, Erlebnisse, persönliche Eindrücke. Genau das möchten wir den Teilnehmenden mit auf den Weg geben.“

Elisabeth Tondera

Wer Interesse an einer zukünftigen Teilnahme hat oder mehr erfahren möchte, erhält weitere Informationen unter Telefon 05 91/6 10 22 02 oder auf der Internetseite der KEB