Katholische und evangelische Kirche laden nach dem Einkauf zu Eis und Gespräch ein

Ein Hoffnungseis, das nach Erdbeere schmeckt

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Ein Eiswagen steht auf einem Parkplatz, Menschen stehen drum herum in der Sonne
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Foto: Thomas Osterfeld

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„In der Waffel oder im Becher?“ ist die Frage der Stunde auf diesem Supermarkt Parkplatz in Osnabrück-Voxtrup.

Nach dem Einkauf ein kostenloses Eis genießen, sich unterhalten und einen kurzen Moment im Alltag innehalten. Das ist die Idee hinter einer ökumenischen Eiswagen-Aktion in Osnabrück.

„Ihr müsst jetzt unbedingt ein Eis abgreifen. Kirche gibt einen aus“, sagt Ralf Postberg. Vor einem Supermarkt in Osnabrück-Voxtrup spricht der Ehrenamtliche Einkäufer am Ausgang an und versucht, sie zu einem Eiswagen am Rand des Parkplatzes zu lotsen. Auch eine freundlich lächelnde Pastorin wartet um die Ecke. Sie, Inga Göbert, lädt mit ihrem katholischen Kollegen an diesem heißen Sommertag zu einem „Hoffnungseis“ ein.

Zwei Menschen im Eiswagen geben ein Eis raus
Dirtje Leopold und Burkard Lenze stellen das Eis her – in der hauseigenen Eisküche. Foto: Thomas Osterfeld.

Sieben Eissorten werden angeboten. Als Beilage gibt es weder Sahne oder Streusel, sondern ein Impulskärtchen mit Frage und Bibelzitat. Ein paar Schritte weiter steht Gemeindereferent Stefan Schulte unter dem Sonnenschirm und steht für Gespräche bereit. Häufig bleiben die oberflächlich – wie beim Thema Wetter –, doch es kommt auch zu inhaltlich tieferen Glaubensgesprächen, erzählt er. Für ihn ist das Wichtigste der Eisaktion etwas anderes: „Ich finde es klasse, wenn die Leute nach Hause gehen und sagen: ‚Weißt du was, die Kirche hat uns ein Eis ausgegeben und wollte nichts von uns.‘“ Weder möchte er missionieren noch zum Gottesdienstbesuch auffordern, sondern einfach bereitstehen und ein offenes Ohr anbieten. 

Hergestellt wird das Eis von Dirtje Leopold und Burkard Lenze – in der hauseigenen Eisküche in Wallenhorst. Die beiden nebenberuflichen Eismacher legen viel Wert auf hochwertige Zutaten, frische Früchte, und eine Zubereitung ohne Geschmacksverstärker. Wenn Burkard Lenze nicht hinter dem Tresen steht, arbeitet er im Vertrieb: „Da hat mich noch keiner angestrahlt, beim Eis passiert das sofort.“

Ein Mann mit einem Eis im Gespräch mit einer Frau
Gemeindereferent Stefan Schulte im Gespräch. Foto: Thomas Osterfeld.

„Die Aktion ist Imagepflege – und das funktioniert auch“, sagt Gemeindereferent Stefan Schulte. Laut ihm nehmen viele die Kirche so wahr, dass sie eher die Hand auf- und den Kollektenkorb hinhalte, anstatt einzuladen und Eis zu verschenken. Manchmal muss er sich sogar erklären, dass das Eis wirklich kostenfrei ist und es keinen Haken gibt. Gemeinsam mit Pastorin Inga Göbert hat er die Aktion ins Leben gerufen, die in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindet. Ganz neu ist die Idee jedoch nicht. Erstmals organisierte das Erzbistum Berlin einen „paradEIS-Truck“, bei dem auch der Erzbischof hinter der Eistheke stand. „Stefan und ich fanden das total nett und unkompliziert und wollten auch so etwas machen“, sagt Pastorin Inga Göbert. „Wie schmeckt heute meine Hoffnung? Ist die fruchtig-erdbeerig oder eher schokoladig-zuckrig?“, erläutert Inga Göbert die Überlegungen hinter den Impulsen.

Eine Frau steht mit einer Impulskarte
Pastorin Inga Göbert lädt vor dem Supermarkt zum Eis ein. Foto: Thomas Osterfeld.

Doch sie findet, dass der Eisstand nicht der Ort für tiefe seelsorgliche Gespräche ist, sondern dafür, dass man kurz anknüpft, sich einen guten Tag wünscht und mit einem Lächeln auseinandergeht – das Lächeln als Segen für den Tag. „Und der ist diesmal in Eis verpackt und nicht im Talar“, sagt Pastorin Göbert. Und das kommt an: Passantin Annegret Bünte wurde vom Erdbeereis überzeugt. Wieso? „Erdbeereis hat für mich immer etwas mit Positivität, Frische, Freundlichkeit und Zugewandtheit zu tun“, sagt sie. Auch die kühle Erfrischung und das nette Gespräch währenddessen freuen sie: „Es ist einfach ein schöner Moment.“

Anton Kensbock