"Berührt. Bestärkt. Behütet."
Wie geht Segnen? Ein Workshop in Lingen
Foto: imago/epd
Segen tut gut – in jeder Lebenslage, jedem Menschen. Unser Foto zeigt einen Segnungsgottesdienst für alle liebenden Paare vor dem Kölner Dom.
Worum geht es am 7. November im LWH?
Den „Fachtag“ bezeichnen wir im Vorbereitungsteam als „Praxistag“, weil es uns darum geht, praxisnah zum Thema Segen zu arbeiten. Konkret wird es darum gehen, Vorstellungen davon zu entwickeln, welche Formen von Segen es für Menschen an unterschiedlichen Lebenswendepunkten geben kann. Unser Team besteht dabei aus Inga Schmitt, Inge Zumsande, Alexander Rolfes, Farina Dierker und mir.
Wer kann bei dem Workshop mitmachen?
Der Tag richtet sich an ehren- und hauptamtlich tätige Personen. Herzlich eingeladen sind auch evangelische Personen.
Referat Glaubenskommunikation des Bistums Osnabrück.
Wie genau läuft der Tag in Lingen ab?
An dem Tag wird es eine Keynote, einen Eröffnungsvortrag, von Theresa Niebler vom Bistum Essen und einen weiteren kurzen Impulsvortrag von Laura Schimmelpfennig vom lutherischen Kirchenkreis Osnabrück zum Thema Segen geben. Außerdem wird es in zwei Durchgängen verschiedenste Workshops zu unterschiedlichen Segens-Momenten und Lebenswendepunkten geben. Die Workshops bieten Raum für kreative Entwicklung von Formaten und Erfahrungsweitergabe.
Es gibt zehn Workshops an dem Tag. Warum braucht es denn so viele verschiedene Formen des Segens?
Menschen sind unterschiedlich – genauso wie ihre Lebensumstände; für die eine ist ein gemeinsames Fest mit Freund*innen das, was ihr guttut. Für den anderen ist es ein persönlicher, privater und intimer Moment in einem geschützten Rahmen. Eine Person möchte ihren Schulabschluss bewusst begehen, während eine andere einen Segen für den Studienabbruch sucht.
Zudem sind Menschen in ihrer Spiritualität sehr unterschiedlich; wo einigen ein Rosenkranz Sicherheit gibt, weckt er bei anderen Unbehagen. Und wo einige Popkultur in ihr Ritual integrieren möchten, fühlen sich andere wieder mit „klassischen Kirchenliedern“ wohl. Das sind nun nur ein paar Beispiele, die nicht einmal ansatzweise die Individualität von Menschen, ihren Geschichten und Lebensumständen widerspiegeln, aber die vielleicht einen Einblick in die Komplexität geben können.
Ein Segen besteht nicht nur aus Worten. Welche Rolle spielen dabei Gesten, Symbole oder neue Elemente?
Gesten und Symbole helfen bei der Deutung der Worte, die wir hören oder selbst sprechen. Sie können atmosphärisch Gefühle von Geborgenheit, von Sicherheit, von Gemeinschaft mit anderen, von Hoffnung und von Freude verstärken oder gar erzeugen. Ich frage mich dabei, ob es überhaupt gänzlich neue Elemente gibt – oder ob in der Regel Elemente aus einem anderen Kontext genommen und dort mit einer neuen Deutung gefüllt werden?
Gibt es auch Spielraum für ganz andere Rituale?
Es gibt einen sehr großen Spielraum! Stellen Sie sich einen Werkzeugkoffer vor, in dem es unterschiedliche Werkzeuge gibt, die manchmal auch gemeinsam oder nacheinander benutzt werden. So ist es auch mit rituellen Elementen: Wir haben viele Werkzeuge (Symbole), die in unterschiedlicher Reihenfolge und Kombination genutzt werden können – und je nach Situation, je nach Problem, je nach Aufgabe ausgewählt werden.
Grundsätzlich tut es oft gut, eine gewisse Vorhersehbarkeit in den Symboliken und Abläufen erkennen zu können. Manchmal ist es aber auch das Überraschende, das den Schlüssel zur Deutung einer Situation bietet.
Muss ein Segen immer groß und feierlich inszeniert werden oder geht das nicht auch mal im Kleinen?
Ein Segensritual kann auch ganz klein sein: ein kurzer Spruch, eine Umarmung, eine bewusste Zuwendung. Ein Beispiel für ein eher kleineres Ritual – neben den „ganz Großen“, den Sakramenten – ist zum Beispiel der „Segen to go“, zu dem es auch einen Workshop von Annegret Krampe gibt, Gemeindereferentin im Bistum Osnabrück.
Wie könnte denn ein Segen oder Ritual aussehen, den ich für mich selbst oder ganz im Stillen gestalte?
Ich kann ein Ritual ganz alleine für mich machen, indem ich eine Kerze anzünde, einen Zettel zerreiße oder verbrenne …
Einen Segen kann ich mir hingegen nicht ganz so leicht selbst zusprechen, aber auch das geht natürlich. Ich kann mich zum Beispiel vor den Spiegel stellen und mit Affirmationen (Selbstbekräftigung) arbeiten, also: mir etwas Gutes zusprechen und mir dabei bewusst machen, dass ich im Glauben und der Welt getragen bin durch Gott. Anstatt laut zu sprechen, kann ich auch eine Karte mit einem Segens- oder Affirmationsspruch ansehen. Wichtig ist, dass es in einer bewussten, raumgebenden, achtsamen Haltung geschieht – und ich eine Verbindung zu Gott ziehe, wenn ich das möchte.
Warum sind Segensrituale Ihrer Meinung nach gerade in der heutigen Zeit wieder so wichtig geworden?
Ich glaube, Segensrituale sind immer wichtig (gewesen). Die Herausforderungen sind mittlerweile jedoch, dass Lebenswege und -umstände zunehmend individuell sind. Individualität ist per se nichts Schlechtes, im Gegenteil; sie öffnet sogar Räume und Möglichkeiten. Dennoch führt es dazu, dass viele als „klassisch“ oder „traditionell“ wahrgenommene Rituale vermehrt als unpassend empfunden und abgelehnt werden.
Das Erlebnis, getragen zu sein und Stabilität zu spüren, ist und bleibt ein menschliches Bedürfnis, auf das ein Segen – mit oder ohne Ritual – antworten kann. Das wiederum unterstützt Menschen bei der Bewältigung von Übergängen und der Unsicherheit einer Veränderung. Außerdem können Rituale gemeinschaftsstiftend wirken, wenn sie mit universellen, für eine Gruppe von Menschen verständlichen Symbolen arbeiten.
Der Fachtag findet am 7. November von 9 bis 16.30 Uhr im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus statt. Es geht in zehn Workshops um die Frage, wie Segensrituale heute so gestaltet werden können, dass sie im christlichen Glauben verwurzelt und zugleich kreativ, verständlich und lebensnah sind: zum Beispiel für Kinder, Jugendliche, Sterbende, Liebende, im Scheitern oder einfach als "Segen to go".
Es entstehen keine Teilnahmekosten, Anmeldungen bis 2. Oktober online unter eveeno: https://eveeno.com/300637155