Ökumene
Einblick in die "Bonnus-Bibel"
In Quakenbrück steht das einzig erhaltene Geburtshaus eines Reformators – das von Hermann Bonnus. In den vergangenen Jahren hat sich ein Verein gebildet, der das Gebäude aus den Jahren 1499/1500 erhalten hat und es neu nutzt.

Entstanden ist ein klassischer musealer Bereich mit interaktiven und spielerischen Elementen, der die Museumsaufgaben wie Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln beinhaltet. Die Bildungs- und Vermittlungsarbeit soll in enger Verzahnung mit dem ebenfalls im Haus integrierten Lernort erfolgen.
Dabei fungiert die Person des Hermann Bonnus als Namens- und Ideengeber. Rund um das Leben und das Werk dieser bedeutenden Persönlichkeit bilden einzelne Themenbereiche eine vielfältige Plattform der Auseinandersetzung.
Ein zentrales Objekt ist dabei das Handexemplar einer Lübecker Bibel von Hermann Bonnus. Diese in Niederdeutsch gehaltene Fassung ist mit dessen handschriftlichen Ergänzungen und Anmerkungen versehen und wird im örtlichen Sprachgebrauch volkstümlich als „Bonnus-Bibel“ bezeichnet.
Spülkastenzüge zeigen Geschichte
Diese Bibel war das Ziel von Domkapitular Reinhard Molitor aus Osnabrück, dem Ökumenebeauftragten des Bistums. So hatte er die Gelegenheit, einen Blick in die digitalisierte Bibel zu werfen. Der Raum mit verschiedenen Glaubensbüchern der Weltreligionen weckte ebenfalls sein Interesse. Amüsiert, aber auch nachdenklich machte ihn die Entdeckung zweier Exponate in Form von Spülkastenzügen. Die Objekte symbolisieren die Schultoiletten in der Quakenbrücker Grundschule im Ortsteil Hengelage. Es gab dort noch lange Zeit nach Konfessionen getrennte Toiletten, und so ist der Untertitel zum Exponat „Evangelisch oder katholisch aufs Klo – worin besteht der Unterschied?“ wahrheitsgetreu gewählt.
Besichtigung bis Ende Oktober
Im ersten Obergeschoss wartete dann eine Überraschung. Jürgen Werner, Kirchenvorsteher ev.-luth. Kirchengemeinde St. Sylvester, hatte das Original der „Bonnus-Bibel“ mitgebracht. Dieses wertvolle Stück, das eigentlich nur zum Trinitatissonntag im November aus dem Safe geholt und der Öffentlichkeit präsentiert wird, war bereits einmal in der katholischen St.-Marien-Kirche zu sehen, als St. Sylvester renoviert wurde. Diese Tatsache bedeutet für Reinhard Molitor, ebenso wie sein Besuch im Hermann-Bonnus-Geburtshaus, „gelebte und sichtbare Ökumene“, wie er sagte.
Das Hermann-Bonnus-Geburtshaus kann alleine oder auch mit religions- und museumspädagogischen Gruppen besucht werden. Noch bis Ende Oktober besteht sonntags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr die Möglichkeit der Besichtigung, bevor der Trägerverein bis Februar in den „Winterschlaf“ geht.
Peter Hohnhorst