Was uns diese Woche bewegt
Einer mit Vorsicht
Die Deutsche Bischofskonferenz hat einen neuen Vorsitzenden: Heiner Wilmer, der Bischof von Hildesheim und gebürtige Emsländer, steht in den nächsten sechs Jahren als Nachfolger von Georg Bätzing an der Spitze der Konferenz. Wilmers Weg führte ihn aus Schapen über Freiburg, Toronto, New York und Rom schließlich nach Hildesheim. Er spricht mehrere Sprachen, kennt die römischen Gepflogenheiten. Er kennt Dorf und Metropole, katholische Volkskirche und Diaspora. Er ist intellektuell und abwägend, offen und nachdenklich, freundlich und zuvorkommend in der persönlichen Begegnung. Wohl deshalb haben ihn die Bischöfe gewählt.
Wilmer gehörte zum Favoritenkreis. So wie andere. Daher war die Wahl bis zum Schluss spannend. Erst, als er am Dienstag um kurz nach halb zwölf Uhr in Würzburg den Saal der Pressekonferenz betrat, war klar, wen die Bischöfe gewählt hatten. In seinem ersten Auftritt zeigte Wilmer, dass er sein Amt anders angehen will als seine Vorgänger. Kein politisches Statement, sondern ein Zitat aus der biblischen Weihnachtsgeschichte stellte er an den Anfang: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.“ Gott Raum geben, gemeinsam am Frieden bauen. Das sei sein Kompass. Und: Als Pilger mit dem Evangelium in der Hand und dem Blick auf die Menschen sei er unterwegs.
Wilmer tritt an, um nach Jahren des kirchenpolitischen Streits wieder Ruhe zu bringen. Die Kirche soll weniger durch Strukturdebatten, sondern mit der frohen Botschaft wahrgenommen werden, damit „diese Welt gerechter und schöner wird für alle“, wie er abends im „heute journal“ sagte. Und Wilmer hat Recht: Dieser Glaube gibt Orientierung und Hilfe in unseren krisenhaften Zeiten. Es ist ihm zu wünschen, dass er mit dieser Botschaft durchdringt.
Allerdings: Auf konkrete Fragen angesprochen, hielt er sich bei seinen ersten Auftritten noch zurück, blieb vage und vermied klare Positionen. Nicht, weil er das nicht kann, sondern weil er vorsichtig ist. Für den Anfang ist das kein Problem. Um langfristig wahrgenommen zu werden, wird er Position beziehen müssen.