Jugendarbeit
Festival ohne Starallüren
Foto: KJM/Agnes Saul
Im vergangenen Jahr traten „Spielplatz Prinz Leopold“ beim Festival auf.
Beim ersten Telefonat mit Agnes Saul sind Paddelgeräusche zu hören. Die Referentin für missionarische Kinder- und Jugendpastoral bei der Katholischen Jugend Mecklenburg (KJM) ist da gerade unterwegs auf der Warnow, rudert vom Naturdorf Eickhof über Bützow nach Schwaan und weiter Richtung Meer. Zwölf junge Leute sind bei der fünftägigen Kanutour der KJM dabei.
„Am Donnerstag laufen wir dann in Rostock ein“, erzählt die 34-Jährige tags drauf bei einer Paddelpause. Zeit zum Verschnaufen hat sie nach der Kanutour nicht, denn es soll gleich weitergehen ins KJM-Feriencamp nach Salem. Ferienzeiten gehören zu Agnes Sauls Kernarbeitszeiten.
Der Höhepunkt in ihrem persönlichen und im KJM-Jahreskalender ist das Teterock-Festival, das von Freitag, 29. August bis Sonntag, 31. August stattfindet. Allerdings nicht, wie noch bis vor wenigen Jahren, auf dem Gelände des Bischof-Theissing-Hauses (BTH) in Teterow, sondern auf dem Campingplatz Quaduxenbarg (Krötenhügel) in Rüggow, östlich von Wismar. Früher war dort eine Funkaufklärungszentrale der Nationalen Volksarmee. In den hergerichteten Gebäuden können heutzutage Ferienwohnungen gemietet werden und auf dem Gelände stehen Wohnwagen und Campingmobile. Festivalbesucher, die ein Zelt mitbringen, können also problemlos übernachten.
Neun Bands hoffen auf Publikum
Weit ab vom Schuss kann auf dem Quaduxenbarg wie früher am BTH bis tief in die Nacht Musik gemacht und gefeiert werden. Doch der neue Standort bedeutet auch, dass der Weg für Jugendliche beschwerlicher geworden ist. Kamen früher 400 bis 500 junge Leute zum Festival, wären Agnes Saul und das 25-köpfige ehrenamtliche Team schon froh, wenn es diesmal 250 würden.
Dabei hat „Teterock – das Festival für mehr Vielfalt und Toleranz im Herzen Mecklenburgs“ – alles für eine große Sause zu bieten: Vier Newcomer-Bands aus der Region spielen am Freitagabend und noch einmal fünf am Samstagabend bis in den Morgen. Rock, Punk und Pop stehen auf dem Programm. Die Formation JAM (Julian, Adrian und Meret) etwa spielt Coversongs und Selbstkomponiertes und ist in Mecklenburg inzwischen ziemlich bekannt.
Hinzu kommt ein Rahmenprogramm. So gibt ein Graffiti-Künstler einen Workshop und die Kunst der Henna-Körperbemalung wird gezeigt. Für Jüngere ist Kinderschminken geplant, außerdem zeigt der Circus Fantasia aus Rostock Kunststücke und lädt zum Mitmachen ein. Und das ist nur eine Auswahl. Ordentlich zum Futtern gibt es selbstverständlich auch. Und das Ganze für 5 beziehungsweise 8 Euro.
Das Besondere am Teterock-Festival ist, dass sich Eltern keine großen Sorgen machen müssen. „Das, was es wirklich ausmacht, ist dieser respektvolle Umgang miteinander. Jeder darf so kommen, wie er oder sie möchte. Es ist wirklich jeder herzlich willkommen“, sagt Agnes Saul. Und sie muss es wissen, schließlich war sie selbst als Jugendliche regelmäßig dabei. Schon als Zwölfjährige war Saul in der KJM und dann 2006, als Fünfzehnjährige beim allerersten Teterock-Festival. Als begeisterte Klavierspielerin war sie sofort Feuer und Flamme, als die Idee aufkam.
Party in positivem Umfeld
„Ich erinnere mich vor allem an ein Festival in geschütztem Rahmen, wo Jugendliche einfach Spaß haben konnten.“ Und das hat sich nicht geändert. Geschützt meint übrigens nicht nur das fast familiäre Umfeld, sondern ist durchaus ganz praktisch zu verstehen: Eine Security sichert das Gelände ab, damit keine „Partycrasher“ Ärger machen können. Das Schlimmste, was mal passiert sei, war, dass ein Bierwagen auf den Sportplatz getragen wurde – was Konsequenzen für die Beteiligten hatte, erzählt die KJM-Referentin.
Bei den ersten fünf Teterocks war sie dabei, dann zog sie nach Hamburg für ihre Ausbildung zur Krankenschwester und um eine Familie zu gründen. Inzwischen hat Agnes Saul Kinder im Alter von drei, sieben, neun und elf Jahren, von denen die drei älteren auch schon bei der KJM sind – und sie selbst hat vor einem Jahr die KJM und Teterock für sich zum Beruf gemacht. Es ist in diesem Jahr die 19. Auflage. 19 Jahre, das ist kein schlechtes Alter für ein Jugendfestival. Infos: www.teterock.de