Der Domschatz in Osnabrück
Gold, das Geschichten erzählt
Foto: Angela von Brill
Im Diözesanmuseum gibt es viele Goldschätze zu bestaunen.
Die Osnabrücker und Osnabrückerinnen vor ungefähr 1000 Jahren haben sicher staunend am Straßenrand gestanden und der Prozession von Geistlichen zugeschaut. Langsam zogen die Männer durch die Stadt. Manche der Priester trugen kostbare Reliquien, einer davon etwas ganz Besonderes: das Kapitelkreuz – ein Kreuz aus vergoldetem Kupferblech, besetzt mit 150 Perlen und Edelsteinen in vielen verschiedenen Farben. Man sah vielleicht schon von Weitem, wie das Gold in der Sonne glänzte. „Das muss für die Menschen, die ja nicht von so vielen Bildern und Farben umgeben waren wie wir heute, ein ganz besonderer Eindruck gewesen sein“, meint Jessica Löscher.
Als Museumspädagogin bringt sie Besucherinnen und Besuchern im Diözesanmuseum die Kirchengeschichte Osnabrücks nahe und weiß viel über die Ausstellungsstücke. Das Kapitelkreuz gehört dazu. Es wird – anders als der Großteil des Domschatzes – nur noch selten für Gottesdienste aus der Glasvitrine geholt. Es ist zu kostbar – und zu zerbrechlich: Bei einem Sturz vor ungefähr 500 Jahren brach der linke Arm des Kreuzes ab. Das Kreuz wurde repariert, doch seitdem muss es besonders vorsichtig gehandhabt werden.
Das Kostbarste versteckt sich im Inneren
Trotz Gold, Edelsteinen und Perlen auf der Außenseite: Der Wert des Objekts hängt nur teilweise an seinem Material. „Viel wichtiger ist seine Bedeutung für die Menschen damals und heute“, erklärt Jessica Löscher. „Zum Beispiel, wenn der Gegenstand Reliquien enthält. Dann hatten – und haben – die Menschen die Möglichkeit, den Heiligen nahezukommen. Das Objekt ist die kostbare Hülle dafür.“ Auch im Falle des Kapitelkreuzes befindet sich das Kostbarste im Inneren: Im kleinen Kruzifix ganz oben am Kapitelkreuz wird eine Reliquie des Kreuzes aufbewahrt, an dem Jesus gekreuzigt wurde.
Das Kapitelkreuz sieht durch das viele Gold heute noch sehr wertvoll aus, wenn man es durch die Glasscheibe im Diözesanmuseum betrachtet. Der Buchkasten, der auch ausgestellt wird, ist dagegen viel schlichter. Dabei hat auch er in der Vergangenheit golden geglänzt. Sein Rand war mit Gold verkleidet, bis die Stadt im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Söldnern belagert wurde. Die Söldner verlangten sehr viel Geld, um die Belagerung aufzugeben – und die Osnabrücker mussten in ihrer Not erfinderisch werden. Sie nahmen das Gold vom Rand des Buchkastens ab und schmolzen es ein, um daraus Münzen zu machen.
So sei es einigen Stücken aus dem Domschatz ergangen, berichtet Jessica Löscher. Der Buchkasten ist also heute vergleichsweise unauffällig, erinnert uns aber daran, in welcher Notsituation Osnabrück einmal war. So erzählen Gold und fehlendes Gold im Domschatz Geschichten aus und über Osnabrück.
Wer noch mehr der „goldigen" Geschichten erfahren möchte, kann kostenlos das Diözesanmuseum mit dem Domschatz besuchen. Geöffnet ist es Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Das Museum bietet auch Führungen an. Mehr Infos finden Sie hier.