Was uns diese Woche bewegt

Heute hier, morgen dort

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Portrait von Anton Kensbock mit Untertitel: Was uns diese Woche bewegt

Finden Sie, dass ein Jahr eine lange Zeit ist? Es kommt sicherlich darauf an. Im Blick nach vorn, wenn ich an all die Momente denke, die noch vor mir liegen, wirkt ein Jahr lang. Wenn ich zurückblicke, schrumpft es zusammen. Aus einem ganzen Kalenderjahr werden ein paar Erinnerungen.

Vor einem Jahr war für mich als Volontär in der Bistumsredaktion des Kirchenboten alles neu: die Menschen, die Räume, die Aufgaben. Es war ein neuer Alltag, in den ich erst hineinfinden musste. Allmählich wurde das Aufregende vertraut, das Ungewöhnliche alltäglich.

In den vergangenen Tagen musste ich oft an einen Song aus meiner Kindheit denken, vielleicht sogar den ersten, den ich jemals gehört habe: „The Circle Game“ von Joni Mitchell. Darin heißt es: „We're captive on the carousel of time“. Wir sitzen im Karussell der Zeit – wir können nicht zurückkehren, sondern nur zurückblicken und weiterfahren.

In diesem Jahr habe ich das Bistum kennengelernt, viele Texte geschrieben, Fotos geschossen und Instagram-Beiträge gestaltet. Doch wenn ich zurückblicke, denke ich hauptsächlich an die Menschen, die mir ihre Geschichten anvertraut haben. Eine alleinerziehende Mutter, deren Alltag alles andere als leicht ist, einen jungen Mann mit Autismus, der sich ehrenamtlich engagiert – oder eine Landwirtin, die genau weiß, was sie will. Sie haben mir erlaubt, ein Stück ihrer Welt kennenzulernen. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich dankbar. Diese Gespräche haben nicht nur meine Texte besser gemacht, sondern auch meinen Blick auf die Welt erweitert.

Ab heute sitze ich in der Zentralredaktion der Verlagsgruppe Bistumspresse. Im selben Medienhaus, in einem anderen Flur. Mein Blick wird dann über das Bistum hinausgehen, die Themen werden überregionaler. Die Konfrontation mit dem Unbekannten macht mich neugierig, aber auch nervös. Vieles wird neu sein – bis es irgendwann vertraut wird. Und eines Tages werde ich zurückblicken und feststellen, dass auch dieser neue Abschnitt viel schneller vergangen ist, als ich dachte.

Anton Kensbock