Martin Marahrens wird neuer Weihbischof in Hildesheim

Ich habe„Ja“ gesagt

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Die Hildesheimer Bischöfe
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Foto: Edmund Deppe

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Der „Neue“ im Kreis der bischöflichen Mitbrüder: (v.l.) Weihbischof em. Nikolaus Schwerdtfeger, Bischof Heiner Wilmer, Martin Marahrens und Weihbischof em. Heinz-Günter Bongartz.

Am 28. Februar wird Domkapitular Martin Marahrens im Hildesheimer Mariendom zum Bischof geweiht. Papst Leo XIV. hatte ihn am 28. November letzten Jahres zum Weihbischof für das Bistum Hildesheim ernannt.

„Zunächst war es eine unscheinbare E-Mail unter vielen anderen, die ich bekommen habe. In der stand, dass mich der Nuntius zu sprechen wünsche und ich zur Vereinbarung eines Termins zurückrufen solle. So bin ich kurzfristig Mitte November nach Berlin gefahren und der Nuntius hat mich darüber unterrichtet, dass der Papst mich zum Weihbischof in Hildesheim ernannt hat. Der Nuntius hat mich gefragt, ob ich das Amt annehme“, erzählt Martin Marahrens in seiner ruhigen Art und Weise. Und: Er konnte es sich vorstellen. „Ich habe ‚Ja’ gesagt und der Nuntius hat direkt zum Telefon gegriffen und Bischof Heiner informiert“, so der designierte Weihbischof.

Mit einer solchen Karriere in der Kirche hatte Martin Marahrens nie gerechnet. „Es ist halt so gekommen“. Allerdings den Wunsch Priester zu werden hat der gebürtige Gehrdener schon seit frühen Kindertagen. „Es war tatsächlich ein Kindheitstraum, Priester zu werden. Im Nachhinein ist mir aufgegangen, dass es mit der Altarweihe in der Klosterkirche in Lamspringe zu tun hat. Da hat meine Oma gewohnt. Ich bin da viel in den Ferien gewesen und wir sind als Familie am Wochenende oft dort hingefahren.“ Von der Altarweihe nach einer umfassenden Renovierung der Kirche ist ein Bild bei ihm hängengeblieben. „Wie die fünf Flammen auf dem Altar brennen.“ Das war 1982. „Ich glaube, dass es tatsächlich damit zusammenhängt, dass ich damals den Wunsch geäußert habe, Priester zu werden und das war so eine Idee, die mich dann immer begleitet hat.“

Marahrens wurde nach der Erstkommunion Messdiener wie sein älterer Bruder, ging „oft und gern“ in den Gottesdienst. „Irgendwann hat mich mein damaliger Heimatpfarrer Norbert Wels gefragt, ob ich bei Exerzitien im Alltag mitmachen möchte. Das war, glaube ich, ein sehr entscheidender Schritt, weil das nochmal so einen ganz anderen persönlichen Zugang zum Glauben und zum Gebet geöffnet hat“, findet er rückblickend. „Ich habe damals erkannt, es geht um eine persönliche Beziehung mit Gott.“

Eine Person hat Martin Marahrens besonders im Glauben geprägt. „Das ist meine Oma gewesen, die hat oft in einer Weise von ihrem Glauben gesprochen, den ich als Kind sehr spannend und interessant fand. Sie hat immer viel von ihrem Leben erzählt, dies mit ihrem Glauben verwoben und von ihrem Herrgott gesprochen, von dem sie sich auch in schwierigen Situationen gut begleitet wusste. Sie hat viel gebetet gerade auch nachts. Das habe ich als Enkel immer dunkel mitbekommen.  Ansonsten würde ich sagen, waren wir keine besonders religiöse Familie, sondern Kirche war einfach selbstverständlich und gehörte dazu.“

Nach dem Abitur machte Marahrens zunächst Zivildienst bei der Blinden- und Taubblinden-Seelsorge im Bistum Hildesheim. „Das war ein sehr prägendes Jahr, weil ich einfach gemerkt habe, ein Dienst für andere kann auch etwas zutiefst Beglückendes haben.“ Dann folgte das Studium der Theologie an der Philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main und am Germanikum in Rom. „Unser damaliger Hildesheimer Regens Walter Kalesse, selbst Germaniker, meinte, ich sei da ganz gut aufgehoben.“

Mit dem Baccalaureat in der Tasche kam Martin Marahrens zwischenzeitlich wieder ins Bistum und absolvierte sein Pastoraljahr in St. Oliver in Laatzen. „Das war eine tolle Erfahrung, einmal richtig in der Praxis zu arbeiten und mit der Realität konfrontiert zu werden. Aber ich hatte dort auch zwei super Lehrer. Ich habe im Seelsorgeteam beim damaligen Pfarrer Heinz-Günter Bongartz gearbeitet und bei Weihbischof Nikolaus Schwertfeger gewohnt. Von beiden habe ich unwahrscheinlich viel gelernt und bin sehr dankbar für diese im guten Sinn herausfordernde Zeit“, sagt Marahrens. „Durch solche lebendigen Vorbilder lernt man mehr als in jedem Pastoralkurs.“

Von den jungen Menschen lernen

Als Diakon ging Marahrens wieder nach Rom zum Promotionsstudium. Hier empfing er auch die Priesterweihe. 2008 kehrte er dann endgültig zurück.Nach einer Vertretungszeit in Burgdorf folgten sechs Jahre als Jugendseelsorger im Eichsfeld und Leiter des Jugendpastoralen Zentrums Emmaus in Duderstadt. Und seit 2001 engagierte sich der junge Theologe im von Bischof Josef Homeyer begründeten Friedensgrund, einer Begegnung zwischen jungen Menschen aus West- und Osteuropa. „Eigentlich war ich immer der Auffassung, Jugendseelsorge ist nichts für mich. Aber dann bin ich mittendrin gelandet – und es hat mir viel Freude und Spaß gemacht, junge Menschen zu begleiten, mit ihnen unterwegs zu sein und von ihnen zu lernen.“

Marahrens wurde Regens, Verantwortlicher für die Priesterausbildung, und Schulseelsorger schwerpunktmäßig am Bischöflichen Gymnasium Josephinum bzw. nach der Schulfusion am Mariano-Josephinum. Aus der Arbeit mit den jungen Menschen bringt er eine mutmachende Erkenntnis mit: „Dass religiöse Fragestellungen für junge Menschen wieder interessanter geworden sind. Und als Regens habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich wieder mehr junge Männer für den Priesterberuf interessieren. Das ist kein Hype, das wäre übertrieben, aber es ist trotzdem spürbar, dass das Interesse eher wächst, als kleiner wird.“

Jetzt ist er Domkapitular und Personalverantwortlicher für die Priester im Bistum. Er versucht Lücken zu stopfen, wenn Priester kurzfristig ausfallen, klärt, ob freiwerdende Stellen noch einmal nachbesetzt werden können, und macht sich zusammen mit anderen Gedanken darüber, wie im Rahmen der kirchenrechtlichen Möglichkeiten alternative Leitungsmodelle aussehen können, wenn kein Leitender Pfarrer mehr zur Verfügung steht. Er führt viele Gespräche, hört sich die Sorgen aber auch die positiven Erfahrungen der Priester an, zieht daraus Rückschlüsse für die Personalplanung. „Ich erlebe viele Priester, die sehr zufrieden und gleichzeitig aber dort, wo sie Leitungsverantwortung haben, oft auch hoch belastet sind. Mit den neuen Leitungsmodellen haben wir eine Situation geschaffen, in der wir nochmal stärker von den Charismen aus schauen können, was für den einzelnen gut passt, sodass er möglichst froh und gesund seinen Dienst leisten kann.“

Von sich selbst sagt Marahrens: „Der spontan charismatische Auftritt, wo man erstmal ein Feuerwerk verschießt, das ist nicht so meins. Ich bin eher der Langstreckenläufer, ich mag es lieber ruhig angehen und bleibe dann lange dabei.“

In ein gutes Team eingebunden

Nun freut er sich auf seine neue Aufgabe, hat vor dem Amt aber noch etwas Respekt. „Doch ich habe ja ein bisschen Zeit, in die Aufgabe hineinzuwachsen und ich bin in ein gutes Team eingebunden, das mich unterstützt.

Zur Bischofsweihe gehört auch ein Wahlspruch, der unter dem Bischofswappen abgebildet ist. „Ich habe meinen Primizspruch von der Priesterweihe gewählt. In der Woche, bevor ich zum Weihbischof ernannt wurde, habe ich meine Patentante beerdigt und meine Cousine gab mir aus der Brieftasche meiner Patentante mein Primizbildchen, das ganz zerknickt und zerzaust war. Sie hat es wohl immer dabeigehabt, bis zuletzt. Das hat mich berührt und ich dachte, wenn so unmittelbar jetzt vor dieser Ernennung zum Weihbischof noch einmal so eine Erinnerung an den Primizspruch kommt, hat das vielleicht was zu sagen.“ In der damaligen Übersetzung hieß der Vers „Du bist der Messias,“ (Mk 8,29), in der Fassung der neuen Einheitsübersetzung steht „Du bist der Christus“. „Ich finde, dieser Spruch passt in diese Zeit. Es schärft den kritischen Blick gegenüber allen, die sich selbst in den Mittelpunkt stellen, ob in der Kirche oder darüber hinaus. Nur Christus ist für mich als Heilsbringer wirklich glaubwürdig. Das scheint mir hochaktuell“, sagt Martin Marahrens.

Edmund Deppe