Vor den Gremienwahlen im Herbst

Was tun, wenn die Kandidaten fehlen?

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Abgeordnete sitzen an einer langen Tischreihe
Nachweis

Foto: Matthias Petersen

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Katholiken- oder Diözesanräte sind das zentrale Organ der Laienarbeit in den Bistümern. Foto: Matthias Petersen

Am 7. und 8. November 2026 werden in den Bistümern Hildesheim und Osnabrück die Laiengremien gewählt. Die Kandidatensuche wird immer schwieriger. Was bedeutet das für die Stellung der Laien in der katholischen Kirche? Ein Gespräch mit der Vorsitzenden des Osnabrücker Katholikenrats.

Bei den Gremienwahlen 2022 im Bistum Osnabrück konnten mangels ausreichender Kandidatinnen und Kandidaten in ca. 15 Kirchengemeinden keine Pfarrgemeinderäte gebildet werden. Eine Realität, die sich auch bei der anstehenden Gremienwahl im November 2026 (Leitwort „verändert handeln – engagiert bleiben“) vermutlich fortsetzen wird. Bischof Dominicus hat in einem öffentlichen Vortrag im Dezember bereits angedeutet, dass es auch 2026 Gemeinden geben wird, die keinen Pfarrgemeinderat bilden können. Auch Katharina Abeln weiß darum. Die Vorsitzende des Katholikenrats für das Bistum Osnabrück blickt „mit Sorge“ auf die Entwicklung, wie sie sagt. Und urteilt: „15 sind es jetzt, zur nächsten Wahl werden es sicherlich nicht weniger sein.“ Es brauche somit gute und angepasste Formen, um die Gemeindearbeit lebendig und tragfähig zu gestalten. „Die neu entwickelten Orientierungspunkte des Bistums für eine Kirche der Zukunft können ein wertvoller Leitfaden dafür sein“, sagt sie.

In der diözesanen „AG Gremienentwicklung“, die sich nach der letzten Wahl gebildet hat, haben sich Haupt- und Ehrenamtliche zusammengesetzt, um eine alternative Gestaltung der PGR-Arbeit zu beraten. Neben der favorisierten Wahl des Pfarrgemeinderates können Gemeinden, in denen abzusehen ist, dass keine Wahl zustande kommt, einen Antrag auf Entbindung beim Bistum stellen. In diesem Fall muss der Kirchenvorstand, dessen Einrichtung verpflichtend ist, die pastoralen Aufgaben eines Pfarrgemeinderates übernehmen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit der Einrichtung einer Gemeindeversammlung, die in regelmäßigen Abständen einberufen wird und die pastoralen Themen der Gemeinde berät und umsetzt.

„Wir setzen gesellschaftliche, politische und kirchliche Akzente"

Es ist ein Zug der Zeit, dass sich immer weniger Menschen dauerhaft für eine Sache ehrenamtlich engagieren, eine Entwicklung, die natürlich auch in der Kirche Konsequenzen hat. Letztlich auch für den Katholikenrat, das zentrale Laiengremium des Bistums, wie Katharina Abeln betont. Ebenso betont sie die Zielsetzung und die Unabhängigkeit dieses Gremiums. „Wir setzen gesellschaftliche, politische und kirchliche Akzente und sehen uns im Austausch und in beratender Funktion des Bischofs.“

Für den Katholikenrat entsenden Pfarrgemeinderäte Vertretungen in die zehn Dekanatsräte, die wiederum Delegierte für den Katholikenrat wählen und damit das Gremium zur Hälfte bilden. Die zweite Hälfte kommt durch Vertreter der Verbände zusammen. Eine demokratische Struktur, die sich bewährt habe, sagt Abeln, „auf die wir in Zukunft aber sicherlich noch einmal blicken müssen und diese in Teilen anpassen werden“. 

Schätzen Gemeinden ein, dass sie im November keine Wahl durchführen können, müssen sie bis zum 31. März mittels eines begründeten Antrags an die Bistumsverwaltung eine Befreiung für den PGR erwirken – also kein Gremium wählen. Abeln wirbt dafür, möglichst einen Kompromiss zu finden, bevor gar nichts zustande kommt. Die Zahl der Kandidaten könne bis auf fünf reduziert werden. Solches Vorgehen bedeutet aber, dass es lediglich zu einer sogenannten Bestätigungswahl kommt, jede Kandidatin und jeder Kandidat auf dem Wahlzettel schließlich in das Gremium einzieht. Trotzdem: „Die Wahlen zum Pfarrgemeinderat und für den Kirchenvorstand haben für mich einen erheblichen Mehrwert“, sagt Abeln, denn sie förderten die Partizipation von Ehrenamtlichen in der Kirche und letztlich das Demokratieverständnis. „Und auch eine Bestätigungswahl ist eine Wahl, weil sie diejenigen bestätigt, die deutlich gemacht haben: Ich will mich engagieren.“

Abeln sieht die Veränderungen, die zurzeit zu bewältigen sind, sieht aber zugleich einen positiven Schwung, weil Ehrenamtliche zur Beteiligung aufgerufen sind. „Kirche darf und muss neu gedacht werden“, sagt sie. Warum nicht als Mitglied im Pfarrgemeinderat?

Matthias Petersen

Am 7. und 8. November werden sowohl im Bistum Osnabrück als auch im Bistum Hildesheim neue Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände gewählt. In Osnabrück stehen die Wahlen unter dem Leitwort „verändert handeln – engagiert bleiben“, in Hildesheim unter „Ich glaub. Ich wähl.“. 

Bistum Osnabrück: www.gremienwahl-bistum-os.de

Bistum Hildesheim: www.ich-glaub-ich-waehl.de