37. Duderstädter Gespräche

Robotik kann keine Nächstenliebe

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MBL a.D. Bernd Westphal war Gast der Duderstädter Gespräche
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Foto: Edmund Deppe

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Bei der abschließenden Podiumsdiskussion forderte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal aus Giesen, dass in den Sozialen Medien nur Klarnamen zugelassen sein dürften. „Denn jeder müsse auch das verantworten, was sie oder er auf diesen Plattformen veröffentliche.“

„Digitalisierung“ war das Thema bei den 37. Duderstädter Gesprächen des Kolpingdiözesanverbandes Hildesheim. Dabei reichte die Bandbreite der Vorträge von Verbraucherschutz, Datenschutz und E-Patientenakte bis hin zu Arbeitsalltag und ethischen Grenzen.

Eine der großen Fragen bei den Duderstädter Gesprächen war die nach der digitalen Sicherheit. Gerade auch in der aktuellen Diskussion um das E-Rezept und besonders die E-Patientenakte. Schließlich gehe es dabei um sehr sensibele Daten. „Wer kann alles auf meine Patientenakte zugreifen?“, „Wem kann ich Leserechte einräumen oder auch für manche Bereiche sperren?“, „Sind die Daten sicher?“. In seinen Ausführungen zeigte Nils Boysen von der AOK-Niedersachsen auf, welche Vorteile die Digitalisierung hier mit sich bringt, aber auch welche Möglichkeiten man selber hat, die Elektronische Patientenakte selbst mitzugestalten.

Arbeitnehmer an der Digitalisierung beteiligen

In einem weiteren Vortrag stand die Digitale Transformation im Mittelpunkt. Stefan Lücking von der Hans-Böckler-Stiftung machte deutlich, dass Digitalisierung in der Arbeitswelt im Sinne der Beschäftigten und nicht zu ihren Lasten gestaltet werden müsse. Und schon heute sind Arbeitnehmer an Digitalisierungsprozessen zu beteiligen. Nur wegzudenken ist die Digitalisierung aus der Arbeitswelt  nicht mehr. Es dürfe dadurch allerdings nicht zu einer absoluten Überwachung und Einengung kommen.

Gast der Duderstädter Gespräche war auch Gudrun Heistermann, Stellvertreterin des Landesbeauftragten für Datenschutz Niedersachsen. Ihr Thema war der sichere Umgang mit persönlichen Daten. Man solle sich gut überlegen, auf welchen Plattformen man seine Daten preisgebe und wem man dadurch einen Zugriff auch auf eigentlich geschütze Daten ermögliche. „Manchmal sind es so einfache Dinge, wie das regelmäßige Ändern von starken Passwörtern , die den unberechtigten Zugriff von Außen zum Beispiel auf E-Mail-Accounts verhindern können.“ Heistermann machte aber auch klar, dass es keinen absoluten Schutz gebe. Immer wieder würde Cyberkriminelle versuchen über Sicherheitslücken, Phishing oder Datenlecks an Identitäts- oder Konto-Daten zu kommen oder Scial-Media-Accounts zu hacken. „In einem solchen Fall erstatten Sie bei allen Gegenmaßnahmen bitte immer auch  Anzeige bei der Polizei“, so die Datenschützerin.

Einen Blick warfen die Duderstädter Gespräche auch über den deutschen Tellerand. So liegt Deutschland bei der Digitalisierung gerade einmal im Mittelfeld. Andere Länder sind deutlich weiter. Aber auch bei uns ist man auf dem Vormarsch. Deutlich wurde dies für den Bereich Schule und Bildung im Vortrag von Steffen Hartmann, Schulleiter des Eichsfeld-Gymnasiums in Duderstadt, oder von Falk-Olaf Hoppe, dem Gemeindebürgermeister von Holle.

Für Anke Pörksen, Digitalisierungsstaatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung, ist Niedersachsen auf einem guten Weg, doch es gebe noch viel zu tun. Auch müsse man schauen, dass nicht mit unterschiedlichen Produkten gearbeitet werde, die untereinander nicht kompatibel seien.

Ethische Gesichtspunkte nicht vernachlässigen

Der Palliativmediziner Professor Winfried Hardinghaus, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes, ging auf den ethischen Aspekt der Digitalisierung im Bereich der Pflege und des Krankenhauses ein. „Digitalisierung kann wohl die Arbeit erleichtern, aber ein Roboter wird nie die Pflegekraft ersetzen können. Robotik kann keine Nächstenliebe“, so Hardinghaus.

Edmund Deppe