Impuls zurt Sonntagslesung am 5. Juli 2025
„Kommt alle her zu mir“
Foto: istockphoto/Leedsichthys
Wasser schenkt Erfrischung und Erholung. Der Glaube manchmal auch.
Spaß gehört auf jeden Fall dazu
Erquickend finde ich Glauben immer dann, wenn er über das hinausgeht, was scheinbar schon immer so war und was wir schon immer so gemacht haben.
Dieses Gefühl hatte ich zum ersten Mal vor über zwei Jahrzehnten auf einer Jugendwallfahrt. Wir feierten Gottesdienst auf der Wiese hinter dem Dom. Jemand forderte uns auf, uns an der Schulter von jemandem anderen festzuhalten und uns auf einem Bein stehend – ich glaube – die Schuhe auszuziehen. Passend zum Wallfahrtsmotto „Halt mich!“ Es war eine von vielen lustigen und schönen Aktionen. Sie machte einen Unterschied zu meiner Gemeinde, in der es so gut wie keine Jugendarbeit gab. Später habe ich bei Katholikentagen Ähnliches erlebt – Tanz, Konzerte und gut gelaunte Menschen. Seitdem finde ich erquickenden Glauben dort, wo auch Spaß dabei ist.
// Barbara Dreiling
Eine Predigt, die nachhallt
Wenn ich an ein erquickendes Glaubenserlebnis in den vergangenen Monaten denke, fällt mir die Feier der Osternacht in meiner Gemeinde ein. Seit drei Jahren feiern die beiden ehemals eigenständigen Kirchengemeinden in meinem Heimatort gemeinsam diese Messe – und das ist ein Gewinn! Statt einer halbvollen Kirche waren die Bänke nun gefüllt mit jenen Leuten, denen diese besondere Liturgie wichtig ist. Sie kannten die Lieder, die Texte, die Gebete – und ich fühlte mich getragen von dem kräftigen Gesang, den Gebeten und der Gemeinschaft.
Besonders war in diesem Jahr die Predigt unseres Pfarrers: Er hatte nur wenige Tage zuvor seinen eigenen Vater beerdigt und sprach nun von Hoffnung, von seinem Glauben an die Auferstehung und dem Willen, nicht beim Tod stehenzubleiben. Ein starkes Glaubenszeugnis, das viele in der Kirche berührte – und in mir lange nachhallte.
// Kerstin Ostendorf
Eine starke Gemeinschaft
Es war ein historisches Ereignis – ein Frühling für die Christen Europas so kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs: Im Mai 1989 reisten rund 20 000 Jugendliche zum ersten Ost-West-Treffen der Taizé-Bewegung in die südungarische Stadt Pécs. Ich, damals knapp 19, war dabei, und ich weiß noch, dass ich in meiner Ausbildungsstelle eine Notlüge brauchte, um ein paar freie Tage zu bekommen.
Als junge Katholikin in der ostdeutschen Diaspora wegen meines Glaubens oft belächelt, war dieses Treffen für mich überwältigend. In der starken Gemeinschaft fühlte ich mich bestätigt: Ich bin richtig, ich muss mich nicht verändern oder anpassen.
Später bin ich mehrmals direkt nach Taizé gefahren. An diesem Ort, geprägt von Ökumene, einer besonderen Spiritualität und einer großen Freiheit, ist mein Glaube gewachsen, sind (Brief-)Freundschaften entstanden. Eine Freundin ist mir erhalten geblieben: Gerlinde aus Salzburg, heute Theologin und Religionslehrerin.
// Anja Sabel
In der Ruhe liegt Erquickung
Wenn ich an meine jüngeren Glaubenserfahrungen denke, spricht mich eher die Verheißung an, Ruhe zu finden für die Seele. Erquickend sind für mich etwa Gottesdienste bei Pilgerreisen, die ich begleiten darf. Wenn wir mit kleinen Gruppen an wunderbaren Orten gemeinsam unseren Glauben feiern. Erquickend ist für mich das Halleluja in der Osternacht.
Doch wichtiger noch sind für mich die Momente, in denen ich Ruhe finde für meine Seele. In einem persönlichen Streit half mir, mich immer wieder an das Wort Jesu über die Vergebung zu erinnern: „Bis zu siebzigmal siebenmal“ sollen wir unserem Nächsten vergeben. Dieses Wort gab mir Kraft und Orientierung. Ebenso wie es mir hilft, in schwierigen Situationen vor dem Kreuz zu knien und meine Schwierigkeiten dem hinzuhalten, der die tiefsten menschlichen Täler durchschreiten musste. Dann weiß ich: Ich bin nicht allein. Ist das erquickend? Ich weiß es nicht. Aber so finde ich Ruhe und Frieden.
// Ulrich Waschki
Es wird vielleicht mal wieder Zeit
Wenn ich an erquickende Glaubenserfahrungen denke, fallen mir einige ein – aber alle liegen weit zurück. Die Nachtwallfahrt im Zeltlager in Frankreich etwa, als wir unter dem Sternenhimmel lagen und in die Dunkelheit hineinsangen. Oder die Karwoche bei Ordensfrauen, als wir in der kleinen Kapelle auf Gebetshöckerchen saßen. Oder die Tage bei Benediktinern; sie hatten mir einen klugen Pater an die Seite gestellt, und die Mischung aus Gespräch, Gebet und Bewegung hat mich erfrischt.
Mit den Jahren ist Routine eingekehrt. Auch heute gibt es Gottesdienste, die mich erquicken. Zum Beispiel am Ostermontag, als wir im Familiengottesdienst mit unserem Spontanchor ein „Halleluja“ fetzten und das in die Gemeinde übersprang. Aber etwas wirklich Besonderes?
Vor kurzem bekamen wir eine Postkarte aus Taizé, wo unsere kirchenkritische Tochter manchmal religiös auftankt. Am Ende stand: „Hier gibt es auch einen Erwachsenenbereich – probiert es doch mal aus!“ Vielleicht hat sie recht und es wäre mal wieder Zeit für eine Erfrischung im Glauben.