Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Küsterjob mit Meerblick

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Nikolauskirche auf Baltrum
Nachweis

Foto: Astrid Fleute

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In der kleinen reetgedeckten St.-Nikolaus-Kirche auf Baltrum können Interessierte als Gastküster während der der Saison arbeiten - und das Inselflair genießen. 

Auf den Nordseeinseln Baltrum und Spiekeroog kümmern sich während der Saison neben Gastpriestern auch Gastküster um die kleinen Inselkirchen. Für die Zeit ihres Aufenthaltes halten sie das Gemeindeleben am Laufen und sind zuständig für viele Aufgaben rund um das Gebäude und die Gottesdienste. Ob Familien oder Einzelpersonen – die Gastküster erzählen von besonders wertvollen Erfahrungen an der Küste.

Es sind besondere Urlaubstage, die Frank Herrmann mit seiner Familie auf der ostfriesischen Nordseeinsel Baltrum verlebt. Wenn die fünf zu Pfingsten Richtung Küste starten, stehen für die Südbadener nicht nur Sonne, Sand und Meer auf dem Programm, sondern vor allem Kirche, Glaube und Gottesdienst. 

Familie Herrmann
Familie Herrmann ist mit Gastpriester Hermann Lutterbach (li.) auf Baltrum eingespieltes Team.

Die Familie hat bereits mehrmals während der Pfingstferien die Küsterdienste in der katholischen Kirche auf der Insel übernommen. Da es hier kein festes Hauptamtlichenteam vor Ort gibt, leben Seelsorge und Gemeindeleben von Gastpriestern und Gastküstern, die auf der Insel mit anpacken. Ein Aushang an der Kirche hatte die Familie neugierig gemacht. Frank Herrmann erzählt: „Während eines Urlaubs haben wir gelesen, dass Gastküster für die Urlaubszeit gesucht werden. Da haben wir uns spontan als Familie beworben – und wurden genommen.“

Ein paar Jahre und vier Küsterdienste später ist die Begeisterung für diese besondere Aufgabe am Meer bei Familie Herrmann nicht abgeebbt. Im Gegenteil. Seit sechs Jahren bringen sich Frank und Christiane Herrmann und ihre drei Kinder vielfältig für die Kirche auf Baltrum ein. Als Gastküster wohnen sie im Pfarrhaus direkt neben der kleinen reetgedeckten Inselkirche. Dort übernehmen sie sämtliche Küstertätigkeiten rund um die Gottesdienste, schließen die Kirche morgens auf und abends zu, säubern sie, helfen bei Veranstaltungen, sind Ansprechpartner und Hausmeister, Messdiener und Organist, Lektoren und Kommunionhelfer. Wo andere Urlaub machen, arbeiten sie. Und sind begeistert: „Das ist nicht nur ein Dienst, das ist eine unglaubliche Bereicherung – für uns alle“, erzählt Herrmann. Auch seine zehn- und sechsjährigen Kinder helfen fleißig, Kerzenvorräte aufzufüllen, im Gottesdienst zu ministrieren und vorzulesen, aber auch zu saugen oder zu putzen. Mutter Christiane Herrmann sorgt derweil für den Blumenschmuck in der kleinen Inselkirche, die während der Pfingsttage oft gut gefüllt ist. Auch wenn die Tage getaktet sind – es bleibt noch genügend Zeit für Erholung, gemeinsame Strandbesuche und Inselerkundungen.

Spiekeroog Kirche
Auch auf Spiekeroog helfen Gastküster in der Kirche aus, da dort wie auf Baltrum kein festes Hauptamtlichen-Team vor Ort ist. 

Seit vielen Jahren bietet die Urlauberseelsorge Menschen die Möglichkeit, sich als Gastküster auf den Nordseeinseln Spiekeroog und Baltrum einzubringen. Das Interesse ist groß. Eine voll eingerichtete Wohnung wird gestellt, großartige Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, erklärt Julia Kampsen, Urlauberseelsorgerin an der ostfriesischen Nordseeküste. Sie koordiniert die Dienste und betont: Viel wichtiger seien Offenheit, Zuverlässigkeit und ein Interesse, mit Urlaubsgästen ins Gespräch zu kommen. „Die Gastküster sind für die Zeit ihres Aufenthaltes das Gesicht der Kirche auf der Insel“, betont sie. Auch eigene Angebote und kreative Ideen dürften Gastküster gerne einbringen. Die Saison geht von Palmsonntag bis Allerheiligen, viele Gastküster kommen aufgrund der guten Erfahrungen mehrfach wieder. 
 

Jutta Schratz
Jutta Schratz aus Belm machen die Arbeit auf der Insel und der Kontakt mit den Urlaubern viel Freude.

Eine von ihnen ist Jutta Schratz aus Belm. Siebenmal hat sie bereits den Küsterdienst auf Baltrum für zehn Tage übernommen. Die aktive 73-Jährige ist auch in ihrer Heimatgemeinde als Küsterin aktiv, ebenso ist sie Wortgottesdienstleiterin, Kommunionhelferin, Lektorin und Blumenfee. All diese Tätigkeiten könne sie wunderbar auf der Insel einbringen, sagt sie. Häufig in der Nebensaison ist die Rentnerin dort. Ist kein Gastpriester da, gestaltet sie auch eigenständig Wortgottesdienste – nur Not auch für nur einen Gast, wenn sich nicht mehr Menschen in der kleinen Kirche einfinden. Begeistert erzählt sie: „Das ist hier sehr familiär und macht unheimlich viel Spaß“. Auf der Insel sei man als Gastküsterin ein bekanntes Gesicht: „Man wird angesprochen, ob am Strand oder in der Kirche. Die Leute erzählen einem viel, bedanken sich.“ Über Ostern habe sie zum Beispiel auch schon einmal Palmstockbasteln oder das Gestalten von Osterkerzen angeboten, ebenso sind Kirchenführungen regelmäßig ein Programmpunkt ihrer Dienstwoche. 
Auch Frank Herrmann freut sich über die Freiheiten, die er auf der Insel hat. Gerne gestaltet er die Gottesdienste musikalisch mit der Gitarre oder an der Orgel. Die Lieder sucht er gemeinsam mit seinen Kindern aus, die auf diese Art Kirche viel intensiver erleben als zuhause, wie der Familienvater erzählt. 

Tolle Einblicke: Gastpriester Hubertus Lutterbach zeigt den Kindern von Familie Herrmann die Sakristei.

Mit Urlauberseelsorger Hubertus Lutterbach bildet die Familie seit Jahren ein gutes eingespieltes Team. Dass die Chemie zwischen Küstern und Seelsorgern stimme, sei für die Zufriedenheit aller sehr wichtig, erklärt Herrmann: „Es ist unkompliziert mit uns und Pfarrer Lutterbach versteht es, die Kinder mit einzubeziehen.“ Auch in den Gottesdiensten gehe der Geistliche sehr auf die Kinder ein. Davon profitieren nicht nur sie: „Es sind wirklich viele Familien mit Kindern in den Gottesdiensten. Das spricht sich auf der Insel herum“, freut sich Frank Hermann, der mit seiner Familie über Pfingsten mit sieben Gottesdienste in zehn Tagen immerhin ein intensives Programm auf der Insel absolviert. Er betont: „Das hier ist ein Job, kein Urlaub – aber dennoch sehr wertvoll und sehr besonders.“
 

Astrid Fleute

Infos zum Einsatz der Gastküster erteilt Pastoralreferentin Julia Kampsen von der Tourismuspastoral "Seelsorge am Meer". E-Mail: j.kampsen@bistum-os.de, Tel. 04931/932 9439.