Was uns diese Woche bewegt
Mein Blick auf den Karneval
Es gibt Menschen, die fiebern diesem Wochenende entgegen. Endlich mal auf die Pauke hauen, um nicht zu sagen „die Sau rauslassen“. Es ist Karneval, Fasching oder Fastnacht, wie auch immer das genannt wird. „Da sind wir dabei, das ist prima …“ singt man in Köln. Jedes Jahr von Neuem merke ich: Da bin ich nicht dabei, für mich ist da nichts prima. Allzu oft habe ich miterlebt, dass das wilde Treiben für andere eher ein Anlass war, viel zu viel Alkohol zu trinken. Oder platte Witze zu reißen. Da bin ich raus, auch wenn ich bestimmt keine Spaßbremse bin. Aber ich habe etwas gegen verordnete Fröhlichkeit, die sich auf Kommando einzustellen hat.
Natürlich weiß ich, dass es gut sein kann, mithilfe einer Verkleidung mal in eine andere Rolle zu schlüpfen und der Obrigkeit die Meinung zu sagen. Aber wenn ich glaube, dass im Büro etwas schiefläuft, kann ich das dem Chef auch sagen, ohne eine Pappnase aufzusetzen. Bisher wurde ich nicht in der Luft zerrissen.
Im neuen Kirchenboten habe ich aber etwas gelesen, was mich beeindruckt hat. Meine Kollegin Anja Sabel stellt Hans Ulrich Schmiegelt vor, der eine für mich völlig neue Sicht auf den Karneval vermittelt. Und der tatsächlich rät, die Sache ernst zu nehmen. Darüber denke ich gerade nach. Was könnte er meinen?
Schmiegelt lädt ein zum Karnevalsgottesdienst in seiner Gemeinde. Er erzählt, dass die in Reimform vorgetragene Predigt gut vorbereitet sein muss. Kein billiger Klamauk, sondern harte Arbeit, um Sinnlichkeit und Freude zu vermitteln. „Narrenfreiheit ist ein wertvolles Gut“, sagt er. Deshalb steht bei ihm der Humor über allen Dingen, genauso wie bei einer gesunden Religiosität, die nicht in die Enge führe, sondern in die Weite.
Lieber Herr Schmiegelt: Ob die neue Erkenntnis für mich reicht, in diesem Jahr einen Karnevalsgottesdienst mitzufeiern, weiß ich noch nicht. Sicher ist aber, dass Sie mir einen Blick auf den Karneval eröffnet haben, den ich bislang nicht hatte. Die Sache ernst nehmen – das klingt gut. Vielleicht wird es für mich ja doch noch prima.