Platt inne Kärke: Teil 2 über einen Notfriedhof nahe Twist
Midden in däi Felder un Wisken
Foto: Gerrit de Jonge
Gedenken: Diese Skulptur steht noch auf dem Notfriedhof in Nieuw Schoonebeek, nahe dem emsländischen Twist.
Äin Notkerkhoff of Hülpkerkhoff licht an dän Europawech. Düsse Wech verbint däi dütsche Gemäinde Twist (Dütschland, Emsland) mit dat Dorp Nieuw Schoonebeek (Nederland, Provincie Drenthe). Dräi Kilometer licht säi utäinanner.
DFäi ersten 30 Familien (1814/1815), däi an dän Südrand van dat Bourtanger Moor siedelten, kömen ut dat Emsland, ut Groß Hesepe. Touerst wohnden säi in äin Veestall, äine Boo, äine besünnere Veehütte ut düsse Gegend. Doarüm kräich däi Siedlung touerst dän Naam „Booendorp“. Later bauden däi Siedler Burnhüser un dat Dörp hätte dan „Nieuw Schoonebeek“.
Sönndags vör däi Misse noa Twist
Däi Siedler ut dat Emsland wassen katholschk. Säi mössen Sönndags noa Twist vör däi Misse. 1819 was op dän Twister-Bült äine Kärke baut worn, St. Georg. Ock däi Doden ut Nieuw Schoonebeek mössen doar up dän Kerkhoff begraben wärn. Grenzen gaff dat binoah nich. Dan veränderde sück dat. Vanaff 1824 gaff däi Gouverneur van däi Provinz Drenthe an, dat man kiene Doden mähr noa Twist brängen dösde. So wörde äin „Noodbegraafplaats“ (NL) brukt. 1825 gaff Jan Berend Borg äin Privatgrundstück doarvör här. Dat was Land van däi Erben van däi Schoonebeeker Burnfamilie Wenny, äine ehemoalige Boo. So kömp däi Notkerkhoff tou sien Naam „Wenny Boo“. 1866 krägen däi Dochter Borg und ähr Mann Schwieters dän Platz, doarnoa däi Söhn. Dann traude siene Witwe in´n Mai 1908 Georg Büter ut Lindloh. So hett däi Kerkhoff ook „Noodbegraafplaats Büter“ (Wenny Boo). 30 Joar lang brukte man däi Kerkhoff, bis in 1855 äine Kerke un äin Kerkhoff in Nieuw Schoonebeek baut wörden.
Emsländischke Kerkengeschichte in däi Niederlande
Däi Kerkhoff was mit däi Tiet stark verkoamen. 1978 wörde häi rümt und äin Holttuun erüm tou sett. Däi „Historische Vereinigung Nei-Schoonebeek“ kümmerde sück doarüm. Vandage lich däi historische Kerkhoff midden in däi Felder un Wisken, rundüm stoaht grote Eikenböhme. Vull is nich mähr öwerbläben: Äin paar Holtkrüße, äin Monument van Süster Bernadette un äin Gedenkstäin bünt siet 2022 weer doar. Däi Stäin was bie dän Schwiegersöhn van Büter, Ben Heijnen, wärfunnen woarn.
Äin twäide Gedenkstäin steiht tegenöwer däi Stroate, touerst ut Holt. Hier höllt däi Trauergemeinde even an: Säi beden „5 Vater unser“ und „5 Gegrüßet sei `s du Maria“. Dan göng dat wieder noa dän Kerkhoff. Düt schöll dat äinzige Wegekrüß wän – in däi wiede Ümgebung.
In August 2022 is däi Notkerkhoff als äin Gedenkort inrichtet woarn. Informtionstafeln vertellt däi Historie van dän Kerkhoff. Vandage is düsse Stäe äin Däil besünnere, naturnoahe, emsländischke Kerkengeschichte in däi Niederlande.
Die Übersetzung auf Hochdeutsch:
Dieser Notfriedhof oder Hilfsfriedhof liegt am Europaweg. Der Weg verbindet die deutsche Gemeinde Twist (Deutschland, Emsland) mit dem Dorf Nieuw Schoonebeek (Niederland, Provinz Drenthe).
Die ersten 30 Familien (1814/15), die am Südrand des Bourtanger Moores siedelten, kamen aus dem Emsland, aus Groß-Hesepe. Zunächst wohnten sie in einem der vorhandenen Viehställe, einer Boo, einem besonderen Viehstall aus dieser Gegend. Deshalb hieß die Siedlung zunächst „Booendorf“. Später bauten die Siedler Bauernhäuser und der Ort bekam den Namen „Nieuw Schoonebeek“.
Zur Messe am Sonntag nach Twist
Die Siedler aus dem Emsland waren katholisch. Zur Erfüllung ihrer Sonntagspflicht mussten sie nach Twist. 1819 war in Twist auf dem Bült eine Kirche gebaut worden, St. Georg. Auch die Toten aus Nieuw Schoonebeek mussten dort auf dem Friedhof begraben werden. Grenzen bestanden zu der Zeit kaum, doch dann veränderte sich das. Ab 1824 ordnete der Gouverneur von Drenthe an, dass man keine Toten mehr nach Twist schaffen durfte. Deshalb wurde ein „Noodbegraafplaats“ (NL für Notfriedhof) benötigt. 1825 stellte Jan Berend Borg ein Privatgrundstück dafür zur Verfügung. Es war Land von den Erben der Schoonebeeker Bauernfamilie Wenny, eine ehemalige Boo. 1866 bekamen die Tochter Borg und ihr Mann Schwieters den Platz, danach deren Sohn. Seine Witwe heiratete im Mai 1908 Georg Büter aus Lindloh. Darum heißt der Friedhof auch „Noodbegraafplaats Büter“ (Wenny Boo). 30 Jahre lang wurde dieser Friedhof gebraucht, bis 1855 eine Kirche mit einem Friedhof in Nieuw Schoonebeek gebaut wurden.
Friedhof inmitten von Feldern und Wiesen
Der Hilfsfriedhof war im Lauf der Zeit stark verwahrlost. 1978 wurde er geräumt und ein Holzzaun gesetzt. Die „Historische Vereinigung Nei-Schoonebeek“ kümmerte sich um die Erhaltung des Restfriedhofs. Heute liegt dieser historische Friedhof inmitten von Feldern und Wiesen, umgeben von Eichenbäumen. Viel ist nicht geblieben: Einige Holzkreuze, ein Monument von Schwester Bernadette, ein Gedenkstein ist seit 2022 wieder da. Er befand sich beim Schwiegersohn von Büter, Ben Heijnen.
Ein zweiter Gedenkstein steht gegenüber der Straße; zuerst war er aus Holz. Hier hielt früher die Trauergemeinde an: Sie beteten „5 Vater Unser“ und „5 Gegrüßet Sei`s Du Maria“. Dann zogen die Trauergäste zum Friedhof. Es soll das einzige Wegekreuz sein – in weiter Umgebung.
Im August 2022 ist der Notfriedhof als Gedenkstätte anerkannt. Informationstafeln erzählen die Geschichte dieses Friedhofes: Auf Deutsch und Niederländisch. Heute ist dieser Ort ein Stück stimmungsvolle, naturnahe, emsländische Kirchengeschichte in den Niederlanden.
Hildegard Pool
Maria Mönch-Tegeder, Bernd Büter, Hildegard Pool und Renate Fuest bilden mit Til Beckers den Arbeitskreis Platt inne Kärke. Seit vielen Jahren engagiert sich die Gruppe unter dem Dach des Emsländischen Heimatbundes dafür, der plattdeutschen Sprache im Kirchenraum mehr Gewicht zu verleihen. Lange schon schreiben die Mitglieder auch plattdeutsche Beiträge für die Kirchenzeitung. https://www.emslaendischer-heimatbund.de/projekte-und-taetigkeiten.html