Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye
Mit Gott im Ring zur Goldmedaille
Foto: imago/Xinhua
Mit ihrem Gold-Stoß in Paris wurde Yemisi Ogunleyeberühmt. Sie sagt: Stark macht sie ihr Glaube an Gott.
Yemisi Ogunleye hat einen neuen Nachnamen. Mabry heißt sie nach der Hochzeit mit einem Amerikaner. „Mein Mann hat so viel für mich aufgegeben, er wohnt jetzt sogar in Deutschland, da war für mich klar, dass ich auch ein kleines Opfer bringe“, sagt die Sportlerin. „So ist eine Ehe: ein Geben und Nehmen.“
Das, was im Interview nur als nette Einstiegsfrage gedacht war, zeigt viel über Mabry: Sie macht kein Aufhebens um ihre Person, ihren Erfolg, ihren Namen. „Gott schaut nicht auf Leistung“, sagt sie. „Er liebt mich so, wie ich bin.“ Diese Botschaft, sagt sie, habe sie besonders in ihrer Kindheit und Jugend gebraucht. Als dunkelhäutiges Mädchen hatte sie es in der Schule nicht leicht, sie hat Mobbing erlebt. Nur im Sport war sie immer spitze. Bis sie im Alter von 14, 15 Jahren eine schwere Knieverletzung hatte. „Da habe ich mich gefragt: Wer bin ich ohne Sport?“, erinnert sie sich.
Aufgefangen wurde sie in ihrer freikirchlichen Gemeinde. „Ich bin dort schon immer mit meiner Mutter hingegangen“, sagt sie. „Aber jetzt war es auf einmal anders.“ Eine Jugendgruppenleiterin lud sie ein, im Chor mitzusingen. „Ich weiß noch, wie ich mit meinem frischoperierten Knie dort stand und mir auf einmal das Herz aufging.“
Mit Psalmen in den Tag
Für Mabry sind solche Erlebnisse kein Zufall. „Ich lebe mit Gott“, sagt sie. „Ich weiß ihn immer an meiner Seite.“ Deshalb war es für sie nichts Außergewöhnliches, dass sie vor ihrem letzten Stoß bei Olympia gebetet hat. Und dass sie in der Pressekonferenz von Gott und ihrem Glauben gesprochen und ein Gospellied angestimmt hat. „Das habe ich mir nicht vorher überlegt“, sagt sie. „Das ist, wie ich bin: Glaube, Musik und Sport.“
Für Presse und Öffentlichkeit war es das nicht. „Ich habe mir überhaupt nicht vorgestellt, welche Auswirkungen das hatte, wie viral das ging“, sagt die Kugelstoßerin. „Über den Glauben zu sprechen, ist für mich ganz normal.“ Dass Gott und Glaube durch sie Aufmerksamkeit bekommen haben, ist ihr aber ganz recht. „Ich möchte die Leute, besonders junge Leute, schon ermutigen und ihnen sagen: ‚Probier doch mal zu beten, Gott dein Herz zu öffnen. Mir hat das geholfen, dir hilft es vielleicht auch. Gib dem Glauben eine Chance!‘“
Über den Glauben zu sprechen, ist für mich ganz normal.
Im Sommer stehen für Mabry zwei wichtige Wettkämpfe an: die Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten Ende Juli in Wattenscheid und die Europameisterschaften im August in Birmingham. Für die Vorbereitung ist sie viel unterwegs, quer durch Europa. Das habe auch Nachteile, sagt sie: „Gefühlt waren alle Wettkämpfe der letzten Zeit auf einem Sonntag. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in meiner Gemeinde im Gottesdienst war, und das fehlt mir total!“
Ihrer Verbindung zu Gott tut das aber keinen Abbruch. „Wenn ich morgens aufstehe, danke ich als Erstes, dass ich gesund bin, dass mein Körper das alles mitmacht“, sagt sie. „Gerade hatte ich eine Mandelentzündung und konnte kaum schlucken – jetzt danke ich noch mehr als sonst, dass ich wieder essen und schmecken kann.“ Oft sucht sie einen Bibelvers, den sie mit in den Tag nimmt und immer wieder meditiert, bedenkt, betet. Gerade ist es Psalm 55,23: Wirf deine Sorge auf den Herrn, er wird dich erhalten! „Wir Leistungssportler machen uns ständig Sorgen“, sagt sie. „Um den Körper, den nächsten Wettkampf, um die Reaktionen, wenn es mal schlecht läuft.“ Gerade dann, sagt Yemisi Mabry, sei sie wirklich dankbar für ihren Glauben. „Dieses Vertrauen in Gott, zu wissen, dass er mich liebt, ob mit oder ohne Medaille, trägt mich und hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“
Zur Sache
37 Grad: Das Gold ihres Lebens. Am Dienstag, 28. Juli, um 22.15 Uhr im ZDF (30 Min.)