Kräuterstrauß zum Fest Mariä Himmelfahrt

Mit Malve und Mädesüß

Image
20_08_kraeuter.jpg

Einen Kräuterstrauß zum Fest Mariä Himmelfahrt binden – das hat eine lange Tradition. Silke Hirndorf, die im emsländischen Twist einen Bibelgarten hat, erklärt die Hintergründe – und wie man das auch zu Hause machen kann.


Mitten im Grünen sitzt Silke Hirndorf am liebsten. In ihrem Bibelgarten
in Twist findet sie Pflanzen für einen Kräuterstrauß. Foto: Petra Diek-Münchow

„Die können wir doch gut nehmen“, sagt Silke Hirndorf – und pflückt eine Ringelblume, die sich einen Weg durch die Ritzen des Pflasters gesucht hat. Ein paar Schritte weiter schneidet sie an der Terrasse eine Stockrose ab. Geht dann in ihren Bibelgarten neben der lutherischen Nazarethkirche in Twist und findet dort die restlichen Pflanzen für einen Kräuterstrauß zu Mariä Himmelfahrt: ein Stängel von der Malve und Pfefferminze, ein wenig Salbei und Schafgarbe, ein paar Stiele Johanniskraut, Mädesüß und Rainfarn. „Neun Kräuter – das passt“, sagt sie und bindet sie mit einem Faden zusammen. „Die bringe ich meiner Freundin. Sie kann gerade Schutz und einen Glücksbringer gut gebrauchen.“

Auch als lutherische Christin  kennt sich Silke Hirndorf mit dem eher katholischen Brauch, zum Fest Mariä Himmelfahrt Kräutersträuße zu binden und segnen zu lassen, gut aus. Die Biologin mag diese Tradition, weil sie ihrer Ansicht nach viel mit Zuspruch, Zuversicht und Stärkung zu tun hat – als Symbol auch für die Achtung vor der Schöpfung und für die Zuwendung Gottes an die Menschen. Denn viele Kräuter haben eine heilende Wirkung, fast wie eine Apotheke aus der Natur. Johanniskraut und Ringelblume helfen zum Beispiel bei gereizter Haut. Auch die 49-Jährige stellt sich deshalb gern einen „Kräuterbuschen“ zusammen. Ihr Mann Ulrich, lutherischer Pastor im Kirchenkreis Emsland-Bentheim, weiß von Landwirten, die sich ein Sträußchen in den Kuhstall hängen, der dann über‘s Jahr Segen über Haus und Hof bringen soll. 

Silke Hirndorf, die seit vielen Jahren den „Bibelgarten des Nazareners“ in Twist betreibt, kann noch mehr von dieser Tradition erzählen, die in vorchristliche Riten zurückreicht. Sieben Kräuter gehören mindestens in solch einen Strauß – die Zahl steht für die Wochen- und Schöpfungstage. Es dürfen aber auch neun (dreimal drei für die Dreifaltigkeit) oder zwölf für die Zahl der Apostel sein. „Es wird immer die Verbindung zum Göttlichen gesucht“, sagt Silke Hirndorf.

Zwischen Bibel und Botanik

Was Kräuter alles können, weiß die Twisterin aus beruflicher Erfahrung. Aufgewachsen auf einem Bauernhof hat sie sich von Kindesbeinen an für die Natur interessiert. Später studiert sie Biologie, forscht über Heilpflanzen, arbeitet während der Promotionszeit auch in der Medizin. Heute entwirft sie Gedenkstätten, Therapie- und Sinnesgärten oder Begegnungsgärten an Haftanstalten. In ihrem Bibelgarten erzählt Hirndorf Besuchern aller Konfessionen von Pflanzen im Alten und Neuen Testament – die Verbindung von Bibel und Botanik, von Ökumene und Ökologie findet sie einfach spannend. 

Auch von den Kräutern zu Mariä Himmelfahrt berichtet sie dort. Müssen es immer die gleichen sein? Silke Hirndorf schüttelt den Kopf. „Nicht unbedingt. Es geht vor allem um Pflanzen, zu denen ich selbst eine besondere Beziehung habe oder die mir ein Wohlgefühl verschaffen.“ Das kann auch mal die Rose, der Phlox oder der Lavendel aus dem Garten sein. Sie zerreibt eine Blüte mit den Fingern: „Riechen Sie mal. Wunderbar oder?“

Und wenn man kein Beet mit Dutzenden Kräutern zu Hause hat? Kein Problem, sagt Silke Hirndorf und findet, dass es sich keiner zu kompliziert machen sollte. „Fast jeder kann sich einen Strauß selber machen.“ Pfefferminze, Salbei oder Rosmarin stehen mittlerweile in vielen Gärten. Wer einen Spaziergang macht, findet am Straßenrand oder am Flussufer vielleicht auch Schafgarbe, Wegwarte, Rainfarn, Margeriten oder Kamille. „Einfach mal raus in die Natur und genau hingucken. Dann entdeckt man auf jeden Fall etwas.“ 

Petra Diek-Münchow

Im Bibelgarten gibt es auch eine Andacht auf Zetteln zum Mitnehmen. Infos unter www.bibelgarten-twist.de


Zur Sache

Mariä Himmelfahrt am 15. August ist eins der ältesten Marienfeste. Gerade im ländlichen Raum werden dann Kräuter gesammelt und zu Sträußen gebunden, die am Hochfest gesegnet und später zu Hause aufgehängt werden können. Diese Tradition geht vermutlich auf die Überlieferung zurück, dass die Apostel bei der Öffnung des leeren Grabes von Maria dort wohlduftende Rosen und Lilien vorfanden und dass vor dem Grab die Lieblingskräuter der Gottesmutter wuchsen. Welche Kräuter sich eignen und wie ein solcher Strauß gebunden wird - diese Infos gibt's hier