Pilgern auf dem Jakobsweg

Mit Maske, Muschel und Selbsttest

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Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela pilgern – für viele Menschen ist das ein großer Traum. Weil es während der Lockdowns in der Corona-Pandemie nicht möglich war, rechnen Experten nun mit einem großen Andrang. Worauf sollten Anfänger und Erfahrene achten?


Pilgern auf dem Jakobsweg mit der Pilgermuschel. Seit Corona gibt es aber einiges zu beachten. Foto: istockphoto/Andres Victorero

Wer schon auf dem Jakobsweg in Spanien unterwegs war, kennt das: In vielen Pilgerherbergen sind die Schlafsäle eng und stickig und in Gemeinschaftsräumen zum Kochen und Essen kann man sich nicht gut aus dem Weg gehen. Ist es Pilgerinnen und Pilgern zu empfehlen, sich in diesem Jahr auf den Weg zu machen, obwohl die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist? Welche grundlegenden Dinge gehören zu einer Pilgertourausrüstung dazu? Und worauf sollten Anfänger und Erfahrene gleichermaßen achten? Antworten auf diese Fragen hat Klaus Herbers, Präsident der deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft.


Masken und Selbsttests
Insgesamt sei der Weg wieder stärker in Betrieb, so Herbers. Er geht zudem davon aus, dass es ab Mai wieder eng in den Herbergen werden könnte. Denn jetzt könnten sich die Pilger auf den Weg machen, die ihre Reise bereits seit zwei Jahren aufschieben. Masken gehören dabei in jedes Gepäck. Denn wie in Deutschland setzen Betriebe oder Einrichtungen wie Herbergen ihr Hausrecht  durch, was unabhängig von den geltenden rechtlichen Bestimmungen in den Provinzen Spaniens möglich ist. Die Gastronomie in den Städten verlange aber so gut wie keine Mund-Nase-Bedeckung mehr, beobachtet Klaus Herbers. „Wer sich und andere schützen möchte, für den ist es natürlich nicht verkehrt, auch Selbsttests zu den Masken einzupacken“, sagt der Experte.


Pilgern durch zwei Länder
Die bekannteste Variante des Jakobswegs, der Camino Francés, führt durch zwei Länder: Frankreich und Spanien. Es ist notwendig, sich auf die aktuelle Rechtslage in beiden Ländern vorzubereiten. Für das Zielland Spanien gilt, dass eine Einreise mit gültigem EU-Impfzertifikat, ärztlich diagnostiziertem negativen PCR-Testergebnis oder einem negativen Schnelltest von einer Teststation erlaubt ist. Der Schnelltest darf nicht älter als 24 Stunden sein und muss EU-zertifiziert sein. 

Wer als vollständig geimpft gelten möchte, muss in der Regel auch eine dritte, sogenannte Booster-Impfung hinter sich haben. Wer die Einreiseregeln für Spanien beachtet, liegt grundsätzlich auch in Frankreich richtig. Es sei möglich, dass die Polizei stichprobenartige Kontrollen bei den Pilgern durchführt, die die Staatsgrenzen zu Fuß passieren, sagt Herbers. Test- oder Impfnachweise sollten daher immer griffbereit sein.

Welche Zertifikate in Spanien für gültig befunden werden, lässt sich auf einer Internetseite der spanischen Regierung nachlesen. Dort gibt es eine Handy-App zum Herunterladen sowie weitere Hinweise zur Corona-Lage in Spanien auf Deutsch. Die Informationen werden fortlaufend aktualisiert, die Verlinkungen sind im „Zur-Sache“-Kasten zu finden.


Pilgerwege
Der Jakobsweg kann verschiedene Routen meinen, so gibt es beispielsweise auch einen Weg, der von Portugal Richtung Norden nach Santiago de Compostela führt. Ein anderer, der sogenannte Camino primitivo, führt innerhalb Spaniens durch raues Gelände und über hohe Berge, er gilt als die anspruchsvollste Pilgerstrecke. Der bekannte Camino Francés startet in der französischen Stadt St.-Jean-Pied-de-Port nahe der Grenze zu Spanien. Er ist etwa 800 Kilometer lang und führt über die Pyrenäen durch die Mitte Spaniens. Zahlreiche Klöster finden sich am Wegesrand. Die Kathedrale von Burgos oder die kleine Kirche Santa María de Eunate in Navarra, seien es wert, dort Rast zu machen und inne-
zuhalten, sagt Herbers. 

Wer die Zeit mitbringt, kann schon in Deutschland auf dem Jakobsweg pilgern. Die „Via Baltica“ ist die historische Route für Pilger aus Skandinavien und dem Baltikum, sie führt von Rostock über Hamburg und Bremen bis nach Osnabrück. Der westfälische Jakobsweg beginnt zum Beispiel am Dom St. Peter in Osnabrück, man wandert bis Köln. Manche fahren dann mit dem Zug (Thalys) weiter nach Paris und von dort nach St.-Jean-Pied-de-Port, andere pilgern von Köln bis Trier und dann durchs Elsass und weiter zu Fuß durch Frankreich. Die Wege sind unterschiedlich frequentiert und bergen verschiedene Herausforderungen.


 


Klaus Herbers ist Präsident der deutschen
St.-Jakobus-Gesellschaft und emeritierter Professor
für Mittelalterliche Geschichte an der Universität
Erlangen-Nürnberg. Foto: Werner Maleczeck

Ausrüstung
Beim Gepäck rät Herbers zur Devise „möglichst wenig“ – und zwar von allem. Herbers ist den Weg zuletzt mit sechs bis acht Kilogramm Gepäck gegangen. Das empfiehlt er auch anderen und ergänzt: „Ich würde genau das Schuhwerk anziehen, das ich auch beim Wandern in den Alpen tragen würde.“ Wichtig sei, dass die Schuhe bereits eingelaufen und hoch genug seien, also auch den Knöchel am Fuß umschließen und schützen. Außerdem rät der Experte zum Kauf leichter Funktionswäsche. Man sollte nur wenige Wäscheteile mitnehmen. „Es ist besser, getragene Sachen mal mit der Hand auszuwaschen, anstatt viel Kleidung zu schleppen“, sagt Herbers. Funktionswäsche oder Handtücher aus Mikrofaser wiegen nur wenig. Auswaschen könne man seine Kleidung unterwegs auch mit handelsüblichem Shampoo. Ein Sonnenhut, eine Mütze und Sonnencreme seien ebenso wichtig. 

Corona-bedingt empfiehlt das spanische Kulturministerium, eigenes Geschirr und Besteck sowie ein Hygiene-Kit mit Masken und Desinfektionsspray mitzubringen. 


Pilgerausweis
Auch ein Pilgerausweis sollte nicht fehlen. In jeder Herberge auf dem Weg werden die Etappen gestempelt. Wer nachweisen kann, mindestens die letzten 100 Kilometer bis Santiago de Compostela zu Fuß gepilgert zu sein, erhält eine Urkunde, die das Ende der Wallfahrt bescheinigt. Es gibt Pilger, die darauf schwören, eine Jakobsmuschel mitzunehmen und von außen erkennbar an den Rucksack zu hängen. Auf dem Jakobsweg ist die Muschel das universelle Erkennungszeichen, mit dem Pilger und Herbergen auf sich aufmerksam machen.


Unterkünfte
Um die Situation der Unterkünfte in Spanien ist Klaus Herbers besorgt: „Die Zahl der Herbergen ist nicht mehr so groß wie vor der Pandemie. Das Netz ist aufgrund der Nichteinnahmen dünner geworden.“ Trotzdem erwartet Herbers „einen großen Run“ auf die Unterkünfte, die es noch gibt. Bis heute hält sich die neue, corona-bedingte  Praxis, morgens schon für abends oder sogar mit 24 Stunden Vorlaufzeit einen Platz in einer Herberge reservieren zu müssen. Das geht zum Beispiel mit einer Handy-App. Das hat im vergangenen Jahr offenkundig nicht allen Pilgern gefallen, wie in Internetforen nachzulesen war: An einem Tag spontan fünf Kilometer mehr oder weniger zu gehen, kommt nicht infrage, wenn die Herberge im Voraus gebucht werden muss. 

Auf den letzten 100 Kilometern kam es zu Staus, weil die verschiedenen Routen des Jakobswegs nach und nach zusammenlaufen und die Nachfrage nach corona-konformen Schlafplätzen entsprechend stieg. Viele Herbergen stellen nach wie vor nur ihre halbe oder drei viertel ihrer Kapazität zur Verfügung. Dafür finden sich geöffnete Unterkünfte wieder auf der gesamten Strecke. Unklar ist noch, wie viele Küchen in den großen Herbergen wieder in Betrieb sind.


Auf den Körper hören
Unerfahrene Pilger können laut Herbers die leichten Routen des Jakobswegs auch ohne Vorbereitung meistern und sollten sich in jedem Fall für die leichtere Route entscheiden. Die ersten Tagesetappen sollte man aber knapp bemessen und mit einer Strecke von etwa 15 Kilometern beginnen, später könne man sich langsam steigern. Wer bereits einmal zehn Kilometer gewandert sei, habe mehr Sensibilität für die eigene Belastungsfähigkeit entwickelt. 

In Internetforen warnen erfahrene Jakobspilger Anfänger davor, die eigene Erschöpfung mit Symptomen einer Viruserkrankung zu verwechseln. Fieber, Halsschmerzen, starke Kopfschmerzen oder ein gestörtes Geschmacks- oder Geruchsempfinden könnten die Anzeichen für eine Corona-Infektion sein und unterscheiden sich von allgemeiner Erschöpfung.

Florens Böwering


Laufend aktualisierte Corona-Informationen und tiefergehende Beschreibungen zu Routen, Unterkünften, der richtigen Ausrüstung sowie medizinische Hinweise, finden Sie unter den folgenden Internet-Adressen:

Corona
Auswärtiges Amt 
Die Situation in Frankreich
Für Reisen nach Spanien

Pilgerwege
www.jakobsweg.de
www.deutsche-jakobswege.de

Ausrüstung
www.jakobsweg.de/packliste

Pilgerausweis
deutsche-jakobus-gesellschaft.de

Unterkünfte finden
per Handy-App (auf Englisch): camino.ninja/app

Medizinische Hinweise
www.caminodesantiago.gal/de/informacion-practica
Notruf: 112 – diese Telefonnummer gilt europaweit