Veranstaltungsreihe "Mut-Mach-Frauen"
Mit neuer Energie nach Hause
Im kirchlichen Leben übernehmen Frauen entscheidende Aufgaben – völlig gleichgestellt sind sie allerdings nicht. Eine Veranstaltungsreihe im Dekanat Emsland-Süd rückt Frauenthemen in den Mittelpunkt.

Papst Franziskus hat in seinem nachsynodalen Schreiben die ablehnende Haltung gegenüber der Öffnung von Weiheämtern für Frauen bekräftigt – für viele Gläubige, die auf Reformen hoffen, ein enttäuschendes Statement. Gisela Bolmer, Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Emsland-Süd, muss sich im privaten Umfeld bisweilen sogar dafür rechtfertigen, warum sie überhaupt noch für die Kirche tätig ist. Mehr denn je sei es daher jetzt nötig, ein Zeichen zu setzen, so Bolmer: Damit Frauen den Mut behalten, weiterzumachen und nicht einzuknicken, haben die KEB, das Dekanat Emsland-Süd und die Frauenseelsorge im Bistum zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Mut-Mach-Frauen“ konzipiert.
„Frauenfrage“ mit Musik und Kunst angehen
Den Auftakt der Serie bildete in dieser Woche die Vorführung des Films „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ im Centralkino Lingen. Die weiteren zehn Termine im Zeitraum zwischen Ende April und Anfang November nähern sich der „Frauenfrage“ auf ganz unterschiedliche Weise an – unter anderem durch Lesungen, Vorträge, Musik, Kunst, Gespräche, Begegnungen mit namhaften Persönlichkeiten und einem Tagesausflug. Ebenso verschieden wie die Formate kommen auch die inhaltlichen Schwerpunkte daher, die vom Glauben im Alltag über Fragen von Politik und Ökumene bis hin zum Einsatz gegen häusliche Gewalt reichen. Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion am 5. November im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen, an der neben Bischof Franz-Josef Bode vor allem engagierte Frauen teilnehmen, unter anderem Andrea Voß-Frick von der Bewegung „Maria 2.0“ aus Münster.
Ausdrücklich sind alle Interessierten – sowohl Frauen als auch Männer – zum Besuch der Veranstaltungen eingeladen. Bewusst haben die Initiatoren auch nicht nur kirchliche Kooperationspartner und Veranstaltungsorte ausgewählt, um das Leben der Frauen komplett abzubilden. Zwar werden ernste Themen angesprochen, aber nicht deren Schwere soll im Fokus stehen: Vielmehr soll erreicht werden, dass die Besucherinnen und Besucher mit neuer Energie nach Hause gehen.
Dekanatsreferent Holger Berentzen erklärt: „Wir können nicht alles verändern und haben wenig Einfluss auf Dinge, die woanders entschieden werden. Aber wir möchten zeigen, dass Frauen ebenso wie Männer stark sind, und wollen deshalb zu ,Mut-Aufbrüchen‘ anregen“. Man dürfe dabei nicht nur auf „Höchstforderungen“ wie das Priesteramt für Frauen blicken, sondern auch auf viele kleine Schritte, die bereits erreicht worden seien – etwa, dass Frauen längst Leitungspositionen im Bistum Osnabrück übernehmen können. Die Idee zu der Reihe sei ihm bei der Beschäftigung mit Madeleine Delbrêl gekommen, der ebenfalls eine der Veranstaltungen gewidmet ist.
Innerhalb des Systems etwas verändern
Für Lydia Egelkamp, Frauenseelsorgerin im Bistum, kommt es darauf an, Kräfte und Themen zu bündeln und eine Vernetzung zu schaffen. Durch die „Mut-Mach-Frauen“-Serie sollen Menschen mobilisiert werden, die liberaler denken, aber nicht der Kirche den Rücken zukehren möchten, sich darin beheimatet fühlen und innerhalb dieses Systems etwas verändern möchten. Auch sie unterstreicht, dass Frauenfragen nicht nur die höchste Ebene betreffen, sondern auch etwa bei Arbeit und Ehrenamt in der Gemeinde eine Rolle spielen: „Sichtbarkeit und Gehörtwerden fangen im Kleinen an.“ Gisela Bolmer betont in Momenten der Rechtfertigung stets die Frage „Was ist Kirche auch?“ – und nennt verschiedene Punkte wie Kindertagesstätten, Verbände, Zeltlager und kirchliche Dienste: „Diesen Blick dürfen wir nicht verlieren.“
Sebastian Hamel
Termine
28. April, 19 Uhr, Kunsthalle Lingen: „Du + Ich = Wir?“ – Wir Frauen im Emsland. Vorstellung des Buchs von Elisabeth Tondera und Ursula Feldmann, welches Geschichten von Frauen aus aller Welt erzählt, die im Emsland eine Heimat gefunden haben.
24. Mai, 8.30 bis 19.30 Uhr: Jüdisches Leben in Hameln. Ein Tagesausflug mit Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg. Anmeldung bis 1. Mai 2020.
17. Juni, 18.30 bis 21.30 Uhr, Haus St. Agnes, Kloster Thuine: Geistlich leben im Alltag. Heute lernen von Madeleine Delbrêl. Ein Abend mit Referentin Dr. Annette Schleinzer. Anmeldung bis 10. Juni 2020.
25. Juni, 9.30 bis 11.45 Uhr, Gasthof Klaas-Schaper, Lingen: „Auferstehung – Mitten im Leben“. Frauenfrühstück und Vortrag mit Margot Käßmann. Anmeldung bis 18. Juni 2020.
11. September, 19.30 Uhr, Theaterfoyer An der Wilhelmshöhe, Lingen: „Mehr Stolz, ihr Frauen“. Femmage an Hedwig Dohm zwischen szenischer Lesung und Kabarett. Anmeldung bis 1. September 2020.
17. September, 12.30 bis 13.30 Uhr, Café am Markt, Lingen: Mittagspause „gewürzt“ mit Zuversicht. Lesung mit Elisabeth Lis im Rahmen der „Frauen-Predigt-Woche“. Anmeldung bis 16. September 2020.
25. September, 19.30 Uhr, Professorenhaus, Lingen: Stückwerk. Eine Konzertlesung mit Hanna Buiting. Die Autorin liest ihre Geschichten und Gedichte mit musikalischer Umrahmung. Anmeldung bis 18. September 2020.
26. September, 10 bis 17 Uhr, Alte Backstube, Lingen: Stückwerk. Eine spirituelle Schreibwerkstatt mit Hanna Buiting zum Thema Mut-Mach-Frauen. Anmeldung bis 18. September 2020.
8. Oktober, 19 Uhr, Professorenhaus, Lingen: Wenn Lebenspläne zerbrechen. Frauen sagen Ja zum Leben ohne häusliche Gewalt. Erfahrungsbericht, Podiumsgespräch und Ausstellung.
5. November, 18 bis 21 Uhr, Ludwig-Windthorst-Haus, Lingen: „Keine Kirche ohne Frauen – Schritte auf dem Synodalen Weg“. Podiumsdiskussion, unter anderem mit Bischof Bode. Anmeldung erbeten.
Information und Anmeldung zu allen Veranstaltungen bei Ute Remling-Lachnit, Telefon: 05 91/6 10 21 38; E-Mail: u.remling-lachnit@bistum-os.de