Kirche und Gesellschaft

Mittendrin statt nur dabei

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Zwei Herren unterhalten sich freundlich.
Nachweis

Foto: Marco Heinen

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Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher im Gespräch mit dem Erzbischof im Garten des Generalvikariats.

Wie politisch muss Kirche sein? Wie konkret darf sie sich zur Tagespolitik äußern? Darum drehte sich eine Debatte im Frühjahr. Wie eng die katholische Kirche mit Politik und Gesellschaft verwoben ist, zeigte sich bei den Sommerempfängen des Erzbischofs in Hamburg, Schwerin und Lübeck.

Markus Engelmann (li.), Geschäftsführer des SkF-Kiel, und Generalvikar Pater Sascha-Philipp Geißler in Lübeck. Foto: Marco Heinen

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner rief Widerspruch hervor, als sie im April kritisierte, die Kirchen würden sich zu sehr zu tagespolitischen Themen positionieren. „Klar kann sich Kirche auch zu Tempo 130 äußern, aber dafür zahle ich nicht unbedingt Kirchensteuer“, hatte sie gesagt. Die CDU-Politikerin, die ihrer Kritik später eine andere Tonlage gab, hatte damit eine Debatte angestoßen. Unbestritten ist, dass die katholische Kirche auch im Norden ein relevanter gesellschaftlicher Akteur ist, der durch Kirchengemeinden, Pflegeheime, Krankenhäuser, Beratungs- und Sozialstationen, durch Kitas und Schulen wesentlich zum Gemeinwesen beiträgt. Es sind Orte, wo die Tagespolitik oft unmittelbar Auswirkungen auf die Arbeit der Einrichtungen hat.

(v.li.): Der evangelische Bischof von MV, Tilman Jeremias, Erzbischof Heße, Birgit Stollhoff, Leiterin des Katholischen Büros Schwerin. Foto: Martin Innemann

Beim Sommerempfang des Erzbischofs im Garten des Generalvikariats in Hamburg sagte der Erste Bürgermeister der Stadt, Peter Tschentscher (SPD), zwar gebe es im Norden nicht so viele Katholiken wie in Köln, „aber ich würde mal sagen, die sind doppelt so aktiv, mindestens.“ Und: „Vielen Dank für ihre Arbeit und das gute ökumenische und interreligiöse Miteinander.“

Stefan Heße und Matthias Crone, Vorsitzender des Dreikönigsvereins Neubrandenburg, in Schwerin. Foto: Martin Innemann

Sommerempfänge sind nicht dafür da, tief in Diskussionen einzusteigen, Schlagzeilen zu produzieren. Sie bieten Raum, um Menschen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Religion miteinander ins Gespräch zu bringen – bei  Essen, Getränken und Musik. Der Sommerempfang in Hamburg, zu dem etwa 180 Gäste kamen, ist meist besser besucht als die Feiern in Schwerin, Lübeck oder Kiel. Die Stadt an der Förde ist meist der Austragungsort für Schleswig-Holstein.

Rudko Kawczynski, Vorsitzender der Rom und Cinti Union e.V., und Argentiniens Generalkonsulin Maite Fernandez Garcia in Hamburg. Foto: Marco Heinen

Erzbischof Stefan Heße wählte unterschiedliche Schwerpunkte in seinen Ansprachen. Künstliche Intelligenz und das Ansgarjahr spielten überall eine Rolle. In Schwerin ging es auch um Rechtsextremismus: „Die Menschenwürde und der Zusammenhalt der Gemeinschaft sind nach unserer Ansicht auch bedroht durch rechtsextremistische Parteien. Deswegen positionieren wir uns als Kirchen im aktuellen Wahlkampf sehr eindeutig", sagte er. Klarer und politischer geht es kaum.

Kritisch sah ein verdientes Gemeindemitglied in Lübeck den roten Teppich, der für die Gäste ausgerollt wird: „Völlig aus der Zeit gefallen“, meinte er. Wer auf Augenhöhe agiert, braucht vielleicht tatsächlich keine solchen royalen Ehrbekundungen.

(v.li.) Innenstaatssekretär Frederik Hogrefe, Stefan Heße, Schwedens Botschafterin Veronika Wand-Danielsson, Stadtpräsident Henning Schumann in Lübeck. Foto: Marco Heinen
Landesrabbinerin Alina Treiger, Shinsuke Toda, Doyen des Konsularischen Korps, Polizeipräsident Falk Schnabel in Hamburg. Foto: Marco Heinen
Sr. Maria Magdalena Jardin und die CDU-Landtagsabgeordnete Anette Röttger in Lübeck. Foto: Marco Heinen
Marco Heinen