Der Natur auf der Spur (4)

Moor erleben und erhalten

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Moorlandschaft
Nachweis

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Moorlandschaften wirken auf viele Menschen faszinierend. Foto: imago images

Die Diepholzer Moorniederung ist ein wertvolles Naturschutzgebiet und Rastplatz der Kraniche. Darüber informiert das Zentrum „Moorwelten“ in Wagenfeld-Ströhen – und erklärt auch, warum wiedervernässte Moore dem Klimaschutz dienen. Teil 4 der Sommerserie.

Mal so richtig rummatschen – wo kann man das heutzutage noch, wenn ein Ausflug auf dem Programm steht? Nun, im Neustädter Moor im Kreis Diepholz ist das auf dem neuen Erlebnispfad „Moorpadd“ in Wagenfeld-Ströhen möglich. Doch zunächst gibt es beim Besuch im Klimagarten des Ausstellungsgebäudes „Moorwelten“ schon einen Vorgeschmack: Hier macht ein Barfußpfad die Besucherinnen und Besucher mit verschiedenen Materialien vertraut, Wolle, Kiefernzapfen oder Heu, und man kommt mit allerlei Zeug an den Fußsohlen heraus, darunter auch moorigen Boden. Außerdem gibt es eine Station, an der man Torf mit Händen fühlen kann. Der ist dann überraschend trocken und gar nicht so morastig wie das Zeug, durch das man laufen soll.

Der Barfußpfad im Klimagarten am Ausstellungsgebäude wird ergänzt durch einen Erlebnispfad, der etwas weiter entfernt mitten in der Natur angelegt wurde. An einer Station auf diesem neuen „Moorpadd“ dürfen Mutige dann bis zum Hals im Moormatsch eintauchen. Wer sich traut, kann tief ins Becken gehen – schön festhalten – und ein Moorbad nehmen.

Das Moorbecken verdeutlicht, wie sich nasses Moor anfühlt. Der trockene, warme Torf, den man im Klimagarten in die Hand nehmen kann, ist das Produkt eines trockengelegten Moores: Jahrzehntelang wurde der Torf gestochen und an der Sonne getrocknet, bis man ihn zum Heizen verwenden konnte. So haben die Menschen in den Moorgebieten Norddeutschlands hart gearbeitet, um das Moor trockenzulegen, damit sie den Boden bewirtschaften können. Welche Geräte verwendet wurden und wie die riesigen Stiefel aussahen, die bei der Arbeit getragen wurden, ist im Gebäude der „Moorwelten“ zu sehen.

Wer sich traut, kann ein Moorbad nehmen

Gleichzeitig schlägt die Ausstellung einen Bogen zum Thema Wiedervernässung und Klimaschutz. Denn Moore sind CO2-Speicher, sie binden mehr Kohlendioxid als Wald auf einer vergleichbaren Fläche. Sobald Hochmoore aber trockengelegt werden, entweicht das CO2. Deshalb fordern Klimaschützer den Erhalt der letzten Moore und eine Wiedervernässung bereits kultivierter Moorflächen.

Doch das ist nicht so einfach, aus den ursprünglichen Moorgebieten mit Torfmoosen und Sonnentau sind mittlerweile Heidelandschaften geworden, in denen Wollgras und Heide dominieren, manchmal auch schon junge Birken.

zwei Kraniche
Kraniche rasten im Herbst vor ihrem Weiterflug in den Süden in der Diepholzer Moorniederung. Foto: imago images

Wissenschaftler versuchen Antworten auf die Frage zu finden, wie sich diese Flächen wiedervernässen lassen, so dass der Ursprungszustand wieder hergestellt wird, einige experimentieren mit der Ansiedlung von Bulttorfmoosen. Sie versuchen herauszufinden, wie diese Pflanze eingebracht werden kann, damit sie sich wieder ohne Zutun des Menschen vermehrt und nicht von der übrigen Vegetation unterdrückt wird.

Auch das Europäische Fachzentrum Moor und Klima Wagenfeld nimmt an Experimenten teil. Das jüngste Projekt mit dem Titel OptiMoor wurde von Anna Bartel geleitet, die mittlerweile beim Landkreis Diepholz in der Naturschutzbehörde arbeitet. Wie Bartel erklärt, wurden bei dem Projekt OptiMoor auf Versuchsflächen im Hankhauser Moor im Ammerland untersucht, wie sich das Moor an landwirtschaftlich vorgenutzten Standorten am besten renaturieren lässt.

Auf den Versuchsflächen wurde die Grasnarbe entfernt, damit sich moortypische Pflanzen wieder ansiedeln können. Dabei wurden die Areale unterschiedlich behandelt und verglichen: Wie stark sollte der Oberbodenabtrag sein? Muss man hochmoortypische Vegetation von außen einbringen? Welchen Effekt hat der Grad der Wiedervernässung auf die Treibhausemissionen? „Es ist der erste Freilandversuch seiner Art gewesen“, sagt Bartel. Die Versuche wurden von der Universität Rostock begleitet, die Ergebnisse wurden dem Bundesamt für Naturschutz zur Verfügung gestellt.

Im Ausstellungsgebäude wird der Lebensraum Diepholzer Moorniederung auch durch ausgestopfte Vögel dargestellt, denn Birkhuhn und Kraniche gehören dazu. Die Kraniche rasten bei ihrem Frühjahrszug in Richtung Brutgebiete. Im Herbst sind sie im Oktober und November zu sehen, wenn sie vor ihrem Weiterflug in den Süden Rast machen. Dann bietet der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Diepholzer Moorniederung Beobachtungstouren an.

 

Wo kann man Moor erleben?

Emsland Moormuseum, Geestmoor 6, Geeste/Groß Hesepe: In der großen Ausstellungshalle steht der weltweit größte Dampfkipppflug, mit dem das Moor abgetorft wurde; Bauernhof (Archehof), Café und die Gelegenheit, mit der Feldbahn rauszufahren. Öffnungszeiten vom 1. März bis 31. Oktober: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, Café von 12 bis 17 Uhr.  

Im Stadtteil Osterholz der Stadt Osterholz-Scharmbeck, Bördestraße 42, verdeutlicht eine Ausstellung im Heimatmuseum das schwere Leben der Torfbauern. Von den Malern der Künstlergruppe Worpswede wurde es allerdings romantisch verklärt. Zur Anlage gehören auch ein Vogelmuseum, das Torfkahnmuseum und ein Mitmachmuseum. Geöffnet: dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr. 

Andrea Kolhoff