Kunstaktion mit Schulen in Lingen und Osnabrück

Neues Leben für totes Holz

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Kunstaktion in Schule
Nachweis

Foto: Elisabeth Tondera

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Im Unterricht gestalten Schülerinnen und Schüler des Franziskusgymnasiums in Lingen die Hölzer für die Kunstaktion.

Ein Stück Holz, tot und unscheinbar, liegt am Wegesrand. Für die meisten ist es nur Abfall – doch für Volker-Johannes Trieb, Kunst- und Friedensaktivist aus Osnabrück, war es der Anstoß zu einer besonderen Idee. Zum 800. Todestag des Franz von Assisi initiierte er mit der Schulstiftung im Bistum Osnabrück das Projekt „Ein Stück Holz“. Mit dabei: das Franziskusgymnasium Lingen.

„Als Gymnasium, das in der Tradition des Franz von Assisi steht, fühlen wir uns besonders berufen, dieses Projekt zu unterstützen“, sagt Religionslehrerin und Vertreterin der Schulpastoral Tanja Bethke. Sie hat das Vorhaben gemeinsam mit ihren Kolleginnen Dorothe Albrecht (Fachgruppenleitung Kunst) und Mechthild Leifker (Fachgruppenleitung Religion) koordiniert. Im Kern geht es darum, Totholz durch kreative Gestaltung und gezielte Platzierung sichtbar zu machen und damit die Botschaft von Franziskus zu vermitteln: Achtsamkeit gegenüber der Schöpfung, Wertschätzung des Kleinen und Unscheinbaren sowie Frieden und Bescheidenheit.

Kunstaktion
 Dorothe Albrecht (l.) und Tanja Bethke überreichen je ein Stück Holz an Schüler. Fotos: Franziskusgymnasium Lingen 

Wo die Natur fehlt

Die Schülerinnen und Schüler setzen die Idee auf vielfältige Weise um. Ob an Betonflächen, in Industrieparks oder in Schottergärten – die Holzstücke werden dort platziert, wo die Natur fehlt oder der Konsum überhandnimmt – aber auch an Orten, die für einen respektvollen Umgang mit Mensch und Umwelt stehen. „Die Schüler wissen genau, worum es geht“, betont Mechthild Leifker. Eine sechste Klasse legte ihr Holz neben ein parkendes Auto, um auf die Umweltbelastung durch Verkehr aufmerksam zu machen. Ein Foto ist vor einem Bekleidungsgeschäft entstanden – es macht auf den Überfluss aufmerksam, der im Kontrast zur Botschaft von Franziskus steht. Dass ein scheinbar totes Stück Holz durch seine Platzierung neues Leben erhält, zeigt sich bereits auf dem Schulgelände. Einige der gestalteten Hölzer zieren den Schuleingang oder die Uhr auf dem Schulhof, und es kommen laufend neue hinzu. 

Schüler sammelten dafür Holz im Wald

schulklasse
Hausmeister Jürgen Krone unterstützt die Schüler bei der Gestaltung der Hölzer.

Bereits vor den Ferien sammelten die Kunstklassen der Jahrgänge 6 und 9 im Wald geeignete Holzstücke, die sie zu Beginn des neuen Schuljahres im Kunstunterricht gestalteten. Zehn Lehrkräfte nahmen im Schulgottesdienst zum Ende des letzten Schuljahres ein Stück Holz mit in den Urlaub. Sie brachten es an besonderen Orten an, fotografierten die Installation und präsentierten die Ergebnisse im Gottesdienst zu Beginn des neuen Schuljahres. In diesem Rahmen erhielten alle Klassen und die Religionskurse der Jahrgänge 12 und 13 jeweils ein Holzstück. Bis zum Schulfest am 11. September sind die Schülerinnen und Schüler aufgerufen, ihre gestalteten Hölzer in der Umgebung zu platzieren. Begleitet wird dies von einem Arbeitsauftrag: Jede Installation soll fotografiert und mit einer kurzen Reflexion versehen werden. „Es geht um die Gedankenwelt der Schüler“, erklärt Tanja Bethke. „Worauf möchten sie aufmerksam machen?“

Eine Aktion, die viele Menschen einbindet

Einige Beispiele zeigen, wie vielschichtig die Auseinandersetzung mit dem Projekt ist:

Die Klasse 9d brachte ihr Holzstück vor dem Bonifatius-Hospital an und schrieb dazu: „Damit wollen wir zeigen, dass wir dankbar sind, immer Hilfe zu bekommen.“ Die Klasse 9b platzierte ihr Holz auf dem Schulgelände an einer betonierten Stelle mit dem Hinweis: „Wir sollen darauf achten, dass die Natur nicht unbedacht und uneingeschränkt unseren Bedürfnissen weichen muss.“

Holz vor einem Auspuff
Dieses Holz weist auf Luftverschmutzung hin. 

Damit die Aktion doch noch über die Schule hinausgeht, wird es auf dem Schulfest eine Mitmachaktion für alle Besucher geben. Ein Grundkurs des 13. Jahrgangs unter der Leitung des emsländischen Künstlers Ansgar Silies arbeitet zudem an einer Kunstinstallation, die das Projektthema aufgreift – rechtzeitig zum Franziskustag am 4. Oktober, dem Todestag des Schulpatrons.

An diesem Tag wird zusätzlich ein Baum auf dem Schulgelände gepflanzt, und das gesammelte Totholz aus dem Projekt wird geschreddert und als Dünger verwendet. Ein symbolischer Kreislauf schließt sich: von Tod zu neuem Leben. „Wir wollen das Projekt im Sinne des Künstlers, aber auch im Sinne unserer Schule herüberbringen“, betont Dorothe Albrecht. „Es ist eine Aktion, die viele Menschen einbindet – von den Schülerinnen und Schülern über die Lehrkräfte bis hin zum Hausmeister Jürgen Krone, dem wir besonders danken.“

 

Elisabeth Tondera

Am 4. September beginnt um 11 Uhr auf dem Rathausplatz in Osnabrück eine Eröffnungsveranstaltung zu der Aktion "Ein Stück Holz": mit Hans-Gert Pöttering (früherer Abgeordneter des Europäischen Parlamentes) und Oberbürgermeisterin Katharina Pötter sowie Schülerinnen/Schülern von Osnabrücker Schulen.

Das Franziskusgymnasium Lingen, das in diesem Jahr 80 Jahre alt wird, feiert sein Schulfest am 11. September von 17 bis 21.30 Uhr. Das erlaubt allen Interessierten, die Ergebnisse des Projekts kennenzulernen und selbst Teil der Bewegung zu werden. 

Auch weitere Einrichtungen und Schulen aus dem Bistum Osnabrück unterstützen das Projekt. Infos dazu auf der Homepage des Künstlers https://xn--ein-stck-holz-1ob.de/#PROJEKT

Wer mehr über das Projekt „Ein Stück Holz“ in Lingen erfahren möchte, findet Details unter https://franziskusgymnasium.de/kunstaktion-ein-stueck-holz-startet-zu-schuljahresbeginn/