„Eine gute und passende Lösung“

Theaterproben in der Herz-Jesu-Kirche: Das sagen Gemeindemitglieder

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Herz Jesu Kirche
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Foto: Bistum Osnabrück

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In der profanierten Herz-Jesu-Kirche in der Osnabrücker Innenstadt plant das Theater eine Probebühne.

Die Osnabrücker Kirche Herz Jesu, die nicht mehr kirchlich genutzt wird, soll vom Bistum an die Stadt Osnabrück übertragen werden. In der Kirche ist eine Probebühne für das Theater geplant. Weil Platz für einen Anbau und für die Kostümwerkstatt benötigt wird, wird die Domgemeinde zwei angrenzende Grundstücke an die Stadt verkaufen. Die Kita Herz Jesu soll in einen Neubau umziehen.

„Ich finde, das ist eine gute und passende Lösung“, sagt Matthias Kamphues aus der Domgemeinde zur geplanten Übergabe der Herz Jesu Kirche an die Stadt Osnabrück. Dass in der Kirche am Herrenteichswall eine Probebühne für das Theater entstehen soll, sei eine sinnvolle Nachnutzung für die große Kirche mit ihrer guten Akustik. Der außerdem vorgesehene Verkauf des Grundstücks am Erich-Maria-Remarque Ring sei ebenfalls sinnvoll. In dem dortigen Gebäude befinden sich Räume der Kindertagesstätte Herz Jesu und der Gemeindesaal. 

Kamphues
Matthias Kamphues

Die Herz-Jesu-Kita kennt Kamphues noch aus seiner eigenen Kindergartenzeit bei Schwester Albani. Da diese Kita grundlegend saniert werden müsste, biete sich jetzt die Chance, dass im Zuge des Verkaufs ein schöner Neubau für die Kita entstehen kann. Den Neubau würde die Stadt errichten und auch für eine Übergangslösung sorgen, bis er fertig ist. Ebenfalls an die Stadt verkauft wird das Grundstück direkt neben der Kirche, wo früher das Pfarrhaus von Herz Jesu war und der Konvent der Herz Jesu Brüder untergebracht war. Das Haus wird heute von der katholischen Jugendhilfe Don Bosco genutzt.

Die von 1899 bis 1902 erbaute Herz Jesu Kirche mit ihren 400 Plätzen war nach einem Asbestfund 1989 geschlossen, saniert und umgebaut worden. Sie wurde für Gemeindegottesdienste und für Schulgottesdienste der Domschule genutzt, einmal im Monat wurde freitags die Herz-Jesu-Messe gefeiert. Zuletzt waren zur Vorabendmesse am Samstag aber nur noch etwa 50 bis 70 Besucher gekommen, wie Matthias Kamphues sagt. So wurde die Kirche als einer der Kirchstandorte der Domgemeinde aufgegeben. „Heiligabend 2022 haben wir da den letzten Gottesdienst gefeiert“, sagt Kamphues.

Ich verliere meine Kirche, das tut einfach weh.

Angela Rolfes
Angela Rolfes

Die Kirche wurde von der Gemeinde an das Bistum übergeben. Doch die Pläne, dort die Diözesanbücherei unterzubringen, außerdem Räume für die Katholische Hochschulgemeinde zu schaffen sowie den Altarraum als Gebetsraum zu erhalten, wurden nicht umgesetzt. Die Kirche stand lange leer und wurde am 1. Februar 2025 offiziell profaniert. So entwickelten sich Befürchtungen, die Kirche könne an einen neuen Besitzer gehen, der dort eine Kletterhalle einrichtet, Wohnungen einbaut oder ein Restaurant betreibt.

Dass dies nicht so kommen wird, sondern mit dem Theater ein seriöser Betreiber gefunden wurde, stimmt Angela Rolfes froh. Die 72-jährige ist schon lange in Herz Jesu ehrenamtlich aktiv. Sie organisiert das Frühstück für die Senioren, die einmal im Monat zur Herz-Jesu-Messe zusammenkommen, derzeit im Gemeindehaus. Eine Probebühne oder kleine Spielstätte in der Kirche könne sie sich gut vorstellen, sagt Rolfes, zumal die Akustik dort gut sei. „Wir hatten viele klassische Konzerte oder Gospelkonzerte dort.“ Die Übergabe an die Stadt beziehungsweise ans Theater sei „keine schlechte Lösung“. Allerdings sei es auch nicht das, was ursprünglich versprochen wurde, denn sie habe auf einen Andachtsraum im Altarraum gehofft, wo der Seniorenkreis die Messe feiern könnte. Nun werde es keinen Gebetsraum in Herz Jesu mehr geben. „Ich verliere meine Kirche“, sagt Angela Rolfes, diese sei ein Stück Heimat gewesen. Dass sie profaniert wurde, „tut einfach weh.“

Calmer
Marion Calmer

Mit der Herz Jesu Kirche sehr verbunden fühlt sich auch Marion Calmer. Sie wurde in Herz Jesu getauft, kam dort zur Erstkommunion und Firmung, feierte in der Kirche die Goldene Hochzeit ihrer Eltern. Die Entscheidung, Herz Jesu dem Bistum zu übergeben, sei nicht ganz einfach gewesen, „aber wir hatten damals noch die Zusage, dass wir einen Andachtsraum einrichten und weiterhin als Gemeinde nutzen könnten“, sagt sie. Leider sei dann vieles dazwischengekommen. Ab dem Zeitpunkt, als sie erfuhr, dass die Kirche profaniert wurde, sei sie vor allem enttäuscht gewesen. Nun sei es ein Fortschritt, dass die Kirche nicht als „Lost Place“ enden werde, sondern wieder genutzt werden soll. Die Einrichtung einer Probebühne sei eine interessante Idee, „denn ein Kirchenraum, der verfällt, nützt niemanden mehr“, sagt sie. Sie freue sich darauf, die Kirche wieder zu betreten und etwas Neues vorzufinden.

Da die Kirche unter Denkmalschutz steht, darf sie äußerlich nicht verändert werden. Dass es grundsätzlich möglich ist, dort eine Probebühne entstehen zu lassen, hat die Stadt in einer Machbarkeitsstudie prüfen lassen; es soll einen vierstöckigen Anbau an die Kirche geben und auch Platz für die Kostümwerkstätten entstehen. Wie Dompfarrer Thilo Wilhelm sagt, wird der Baubeginn frühestens Ende 2028 sein. 
 

Andrea Kolhoff