Was uns diese Woche bewegt

Unterwegs mit Hoffnungsträgern

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Die Theologische Studientagung des Ansgar-Werkes möchte ich nicht verpassen. Ich richte sogar meinen Urlaub darauf aus. Aus journalistischer Sicht bieten die Katholiken aus den nordischen Ländern eine wahre Fundgrube an Geschichten. Aber es gibt noch einen anderen Grund, mich auf die Woche zu freuen: Freunde wiederzusehen. 

Einmal im Jahr treffen sich Priester, Ordensleute und aktive Laien aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island in Haus Ohrbeck bei Osnabrück. Sie feiern Gottesdienst, hören theologische Vorträge, tauschen sich aus, genießen die Gemeinschaft. Das klingt banal, ist aber für Katholiken, die oft sehr vereinzelt leben, eine Kraftquelle. Man könnte auch sagen: Sie tanken für den Alltag in der Diaspora auf. Der religiöse „Treibstoff“ muss dann wieder für eine Weile reichen. 

Diesmal hieß das Tagungsmotto „Pilger der Hoffnung“. Passend zum Heiligen Jahr. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erzählten, wer oder was ihnen Hoffnung gibt: Heilige wie Birgitta von Schweden und Mutter Teresa, ein ignatianisch geprägtes Kloster in Oslo, das eigene Zuhause mit Enkelkindern, die ehrenamtlichen Katecheten in der Gemeinde, Kirchengebäude überall in der Welt, ein Meeresstrand, eine schöne Aussicht, große Pilgerorte wie Rom und Jerusalem. 

Ich bin der Meinung: Auch die Gruppe selbst ist ein Hoffnungsträger: Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten und einer Glaubensfreude, die ansteckt. Zum Beispiel Daniela, eine Deutsche, die vor vielen Jahren nach Island ausgewandert ist und dort eine Familie gegründet hat. Nach mehreren Monaten Klosteraufenthalt im norwegischen Tautra spürt sie nun eine Berufung für das Ordensleben. 

Ulrika aus Schweden, eine Theologin, reist durch das ganze Land, um ehrenamtliche Katecheten auszubilden. In ihrer Freizeit bereitet sie Kinder und Jugendliche auf die Sakramente vor. 

Marko aus Finnland hat – inspiriert durch die Studientagung – Theologie im Fernkurs studiert. Vor einiger Zeit wurde der Kirchenmusiker und Domorganist zum Diakon geweiht. 

Magnus aus Norwegen, 24 Jahre alt, ist erst vor wenigen Jahren konvertiert – man spürt die Ernsthaftigkeit, mit der er dazulernen möchte. 

Diakon Kaare aus Dänemark stellt sich mit einer Mobilkirche, einem Anhänger auf zwei Rädern, in die Kopenhagener Fußgängerzone. Er lädt Passanten zu Kaffee und Kuchen ein, ob religiös oder nicht. Damit trifft er einen Nerv, gerade bei Menschen, die sonst nie mit Kirche in Berührung kommen. 

Die Kirche im hohen Norden ist eine Migrantenkirche – und ein gutes Beispiel dafür, wie Katholiken wirken können, wo sie in einer Minderheit sind: offen für jeden, voraussetzungslos, nah am Menschen. Manchmal ist es ihnen wichtiger, den Glauben zu verkünden, statt die Kirche zu erneuern; vielen kommt es mehr auf liturgische Traditionen und kirchliche Dogmen an. Quasi als Identitätsmarker. Aber das respektiere ich. Schließlich habe auch ich (ostdeutsche) Diaspora-Erfahrungen. Trotz aller Unterschiede verstehen wir uns gut. Ganz klar: Im nächsten Jahr bin ich wieder mit dabei.
 

Anja Sabel

Wer sich für Geschichten aus der nordischen Diaspora interessiert, wird in der Ansgar-Info fündig, ein Heft, das zweimal jährlich vom Ansgar-Werk der Bistümer Osnabrück und Hamburg herausgegeben wird.