Umgestaltung der Friedhofskapelle in Wallenhorst
Urnenbestattung im neuen Kolumbarium
Auf dem Friedhof in Wallenhorst entsteht in der alten Friedhofskapelle ein Kolumbarium. Entworfen wurde es von Architekt Ulrich Recker. Er hat sich eingehend mit den Gegebenheiten vor Ort befasst.

„Das ist Alpha.“ Architekt Recker steht an der alten Friedhofskapelle und zeigt in Richtung der alten Alexanderkirche. Recker meint keineswegs architektonische Details der alten Alexanderkirche. „Ich beziehe mich auf den Glockenklang, der von dort zu hören ist“, sagt er. Diesen hat der Architekt mit geschwungenen Aluminiumrohren über dem Urnengarten versinnbildlicht. Oder, wie er es ausdrückt, „den Klang aufgefangen“.
Das Omega ist dabei der Friedhof in Wallenhorst. Wo natürlich nicht Schluss ist, wie Recker erklärt. „Für die irdische Existenz schon, nicht aber aus Sicht von Christen. Es geht in eine andere Phase.“
Der Architekt hat für die Wallenhorster Kirchengemeinde ein Kolumbariumsensemble entwickelt mit einer Urnengruft, einem sogenannten Urnenkranz und einen Urnengarten. Der Urnenkranz ist im Eingangsbereich der alten Friedhofskapelle zu finden. Neben den Urnenfächern gibt es einige Abstellmöglichkeiten für Blumensträuße. „Wir möchten Blumenschmuck und Kerzen nicht vor den Urnenfächern haben“, erklärt Helmut Möller vom Bauausschuss der Kirchengemeinde.
Die Urnenfächer sind hier in Beton eingelassen, den man pastellblau streichen ließ. Die Farbe hat Recker auch für den Hintergrund der aufgearbeiteten Pietá verwenden lassen. Das gesamte Ensemble hat 350 Doppelfächer und 230 Einzelfächer, insgesamt also Platz für 930 Urnen. Kostenpunkt: 850 000 Euro.
Nach 20 Jahren läuft die Ruhefrist eines Urnengrabs ab
Wie in anderen Kolumbarien auch, sind die Urnen nicht zu sehen. Bewusst habe man das gemacht, um eine Gleichheit zu gewährleisten, sagt Helmut Möller. Daher sind alle Glasscheiben mit einer Schicht feinem Sand und kleinen Steinchen versehen. „Dieses Material ist in seiner groben Form als Wegdecke auch auf dem Friedhof zu finden“, sagt Recker. Vor alle Fächer sind mit Sicherheitsschrauben Fenster gesetzt.

Im Raum mit dem Urnenkranz befindet sich außerderm eine Stele für Asche. Wenn nach 20 Jahren die Ruhefrist eines Urnengrabs abläuft, wird die Asche aus der Urne in die Stele geschüttet. Die Stele steht so, dass sie am Morgen und am Abend von dem gebündelten Licht aus der Deckenöffnung und zwei Dachfenstern beleuchtet wird.
Die Urnengruft soll erfahrbar machen, was der Name schon sagt: Enge. Dennoch bietet der Raum genug Platz für Sitzgelegenheiten zum Verweilen. Die Bänke dafür stammen aus der neuen Alexanderkirche.
Am Urnengarten will Architekt Ulrich Recker mit der Bepflanzung die Osnabrücker Hügellandschaft abbilden. „Für mich ist diese Landschaft ja ein Teil der Christianisierung des Nordens.“ Als Pflanzen wählte er Ilex und blühende Kletterpflanzen wie Blauregen und Waldreben. Wellenförmig gepflanzt, sollen sie an die Hügellandschaft erinnern.
Das Wallenhorster Kolumbarium folge einem Trend, sagt Pfarrer Dietmar Schöneich. Die Menschen suchten nach Alternativen, weil sie die Sorge haben, dass niemand ihr Grab pflege, wenn die Angehörigen nicht mehr vor Ort sind. „Für mich ist eine gute Gestaltung von Bestattung ein Ausdruck unseres Glaubens, nämlich: das wir an die Auferstehung glauben“, sagt Pfarrer Schöneich.
Stefan Buchholz
Das Kolumbarium wird am Samstag, 27. April, um 15.30 Uhr eingeweiht.