Bundespräsident zeichnet Ehrenamtliche aus
Verdienstorden für eine Osnabrückerin
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an die Osnabrückerin Dua Zeitun.
Dua Zeitun, Tochter syrischer Einwanderer, gründete vor zehn Jahren den Verein „Muslimische Jugendcommunity Osnabrücker Land“. Sie wollte einen Raum der Begegnung für muslimische Jugendliche schaffen – unabhängig von einer Zugehörigkeit zu einer Institution oder Gemeinde. Neben Projekten zur gesellschaftlichen Teilhabe gehört die Auseinandersetzung mit Glauben, Gesellschaft und Demokratie zu den Schwerpunkten des Vereins, aber auch das Aufarbeiten von Fluchterfahrungen und der Einsatz gegen Radikalisierung.
„Außerdem trägt Dua Zeitun mit ihrer Arbeit maßgeblich zur vertrauensvollen Verständigung zwischen der Polizei und muslimischen Jugendlichen bei“, sagte Tagesschausprecherin Susanne Daubner in der Laudatio. „Darüber hinaus organisiert sie zum Beispiel Projekte, bei denen sich muslimische und jüdische Jugendliche treffen, um mehr über die religiösen Vorstellungen und verschiedenen Kulturen zu erfahren sowie Vorurteile abzubauen. Im Kontext des Nahost-Konfliktes trat Frau Zeitun als Mittlerin und Aufklärerin auf.“
Die elf Frauen und neun Männer, die mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurden, setzen sich unter anderem für den Zusammenhalt in Europa ein, unterstützen die Menschen in der Ukraine oder helfen Zugewanderten bei der Integration in Deutschland. Sie fördern das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Kulturen, tragen zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte bei oder verbessern die Lebensbedingungen im Globalen Süden. Bundespräsident Steinmeier würdigte in seiner Rede die Geehrten für ihr herausragendes Engagement: „Sie alle sind Menschen, die nicht abwarten, sondern anpacken, die nicht jammern, sondern handeln, die lieber hinsehen als wegsehen.“
Deutschland ist meine Heimat, ich bin deutsche Muslima, das ist meine Identität
Das Dankeswort im Namen aller Geehrten sprach Dua Zeitun. Sie sagte: „Wir alle kommen aus verschiedenen Lebenswelten, mit unterschiedlichen Biografien und Erfahrungen, doch uns verbindet eine gemeinsame Haltung: das tiefe Engagement für unsere Gesellschaft und der Wille, Verantwortung zu übernehmen. Ehrenamt bedeutet, Zeit, Kraft, Herzblut zu investieren, ohne etwas dafür zu erwarten, außer dem Wunsch, Gemeinschaft zu fördern, Brücken zu bauen, Menschen zu unterstützen und vor allem auch unsere Demokratie gemeinsam zu stärken.“
Das Bundesverdienstkreuz sei eine persönliche Auszeichnung und zugleich eine Würdigung all der Menschen und Momente, „die uns geprägt haben“. Ihr Weg als Tochter eines gebürtigen Syrers, in Aachen geboren, sei nicht immer leicht gewesen. Die zweite Generation von Migrantinnen und Migranten habe oft zwischen zwei Kulturen gestanden. Auch sie habe sich damals gefragt: Wer bin ich? Und vor allem: Wo gehöre ich hin? „In diesen Momenten gab es niemanden, der mir Antworten, Orientierung oder Begleitung geben konnte.“ Aber dann habe sie selbst eine Entscheidung getroffen: „Ich bin hier in Deutschland zu Hause, Deutschland ist meine Heimat, ich bin deutsche Muslima, das ist meine Identität. Von diesem Moment an war ich bereit, Verantwortung zu übernehmen für meine Familie, aber auch für unsere Gesellschaft. Ich wollte mich einsetzen für ein sicheres Land, das Vielfalt lebt und stärkt.“
Den Verein „Muslimische Jugendcommunity Osnabrücker Land“ rief Dua Zeitun ins Leben, weil sie Perspektiven für junge Menschen schaffen, ihr Potenzial fördern und ihnen vor allem Mut machen wollte, ihren eigenen Platz in dieser Gesellschaft zu finden. „Denn die Werte, die uns tragen, sind Verantwortung, Vielfalt, Respekt und der Einsatz für unsere Demokratie.“
Ihre Auszeichnung widmet Dua Zeitun auch ihrem verstorbenen Vater, „dessen Vorbild mich bis heute prägt und der für das steht, wofür ich heute geehrt werde“.