Bischofskonferenz tagt in Wiesbaden

Versammlung vor dem Großereignis

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Blick von hinten auf Bischöfe, die in eine Kirche einziehen
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Foto: kna/Harald Oppitz

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Die deutschen Bischöfe treffen sich zu ihrer Vollversammlung in Wiesbaden.

Schon die zeitliche Nähe birgt Spannung: Die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Wiesbaden tagt kurz vor der Weltsynode in Rom. Deren Chancen werden ausgelotet. Und: Missbrauch ist erneut Thema.

Wenn die deutschen katholischen Bischöfe sich ab Montag zu ihrer Vollversammlung in Wiesbaden treffen, tagen sie unmittelbar vor einem Großereignis der katholischen Kirche: der am 4. Oktober in Rom beginnenden Weltsynode. Auch das Thema Missbrauch in seinen verschiedensten Formen wird die Bischöfe erneut beschäftigen.

Zunächst in Gestalt des Missbrauchsverdachts gegen den 1991 verstorbenen Kardinal Franz Hengsbach, dem sexuelle Übergriffe in den 1950er und 1960er Jahren vorgeworfen werden. Die am vergangenen Dienstag veröffentlichten Anschuldigungen haben weithin Erschütterung hervorgerufen. Die Bischöfe dürften überlegen, wie sie sich zu Verfehlungen prominenter Vorgänger stellen.

Zudem geht es abermals um die Frage der angemessenen Entschädigung von Missbrauchsbetroffenen. Vor drei Jahren hatten sich die Bischöfe zwar auf ein einheitliches Verfahren zu "Leistungen in Anerkennung des Leids" geeinigt. Betroffenenvertreter kritisierten die Zahlungen aber als häufig zu niedrig.

Vor einer Woche forderte der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz die Bischöfe auf, das Entschädigungssystem bei der Herbstvollversammlung zu reformieren. Sie müssten Rahmenbedingungen schaffen, die Zivilklagen von Betroffenen unnötig machten. In einem inzwischen rechtskräftigen Urteil hatte das Kölner Landgericht einem missbrauchten früheren Messdiener die bislang höchste derartige Schmerzensgeldsumme von 300.000 Euro zugesprochen. Doch ist es fraglich, ob die Bischöfe in den vier Sitzungstagen eine Verfahrensänderung, die einem Systemwechsel gleichkommen könnte, in Angriff nehmen.

Geistlicher Missbrauch ist ein Thema des Treffens

Sicher ist hingegen, dass am Dienstag eine Arbeitshilfe zum Umgang mit geistlichem Missbrauch veröffentlicht werden soll. Es ist die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem bisher vernachlässigten Thema. Darunter versteht man die Manipulation, Ausnutzung oder Bevormundung von Menschen im Namen Gottes - etwa in der Seelsorge, bei der Beichte oder geistlichen Begleitung, aber auch in geistlichen Gemeinschaften. Ziel der Studie der Universität Münster war es, Faktoren zu ermitteln, die einen Missbrauch geistlicher Autorität durch "Seelenführer" begünstigen, und Möglichkeiten zur Vorbeugung zu entwickeln.

Mehrere bei der Weltsynode vertretenen deutschen Bischöfe wollen am Mittwoch bei einem live gestreamten Pressegespräch einen "Überblick zu den Erwartungen und Chancen der Synode" geben. Zu ihnen gehört der Limburger Bischof Georg Bätzing, der seit März 2020 den Vorsitz der Bischofskonferenz innehat. Er hofft auf Fortschritte bei Reformthemen wie Frauenweihe und Sexualmoral.

Der maßgeblich für die Vorbereitung und Durchführung der Weltsynode mitverantwortliche Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich warnte allerdings vor zu hohen Erwartungen an die erste Sitzungsperiode in Rom. Hollerich bezog sich vor allem auf ein mögliches Weiheamt für Frauen und die Seelsorge für Homosexuelle. Diese Themen seien zwar zentral beim Reformprozess Synodaler Weg der Kirche in Deutschland; in anderen Ländern würden sie aber weniger gewünscht, so der Kardinal in der neuen Ausgabe des Podcasts "Himmelklar".

Anfang Oktober startet die Weltsynode

Vom 4. bis 29. Oktober findet im Vatikan das erste von zwei zentralen Treffen der Weltsynode statt. Die rund 450 Synodenteilnehmenden beraten über eine Art neue Verfassung für die Kirche mit mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten. Zum ersten Mal dürfen auch Frauen mit abstimmen. Bei Journalisten herrscht Unmut, weil der Vatikan offenbar die Kommunikation von Teilnehmern der Weltsynode in die Öffentlichkeit stark einschränken will.

Auch wenn dies kein offizielles Thema der Vollversammlung in Wiesbaden ist: Ernüchterung besteht darüber, dass drei Bischofsstühle in Deutschland immer noch vakant sind, teilweise seit fast einem Jahr: in Paderborn, Bamberg und Osnabrück. Die Neubesetzung dürfte auch eine kirchenpolitische Richtungsentscheidung seitens des Vatikans werden.

Eine Personalie dürfte bei der Versammlung allerdings geklärt werden: der Stellvertreter des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Diese Funktion hatte bis zu seinem Rücktritt Ende März 2023 der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode inne. Seine sechsjährige Amtszeit als Stellvertreter wäre nun ohnehin ausgelaufen. Daher muss die Vollversammlung einen neuen Stellvertreter Bätzings wählen.

65 Diözesan- und Weihbischöfe treffen sich im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod. Sie befassen sich angesichts von Kriegen und Konflikten auch mit der Lage in der Ukraine, in Berg-Karabach, Nicaragua und in Niger. Und sie dürften sich Gedanken machen, was man den im Inland um sich greifenden extremistischen Positionen, die dem christlichen Menschenbild widersprechen, entgegensetzen kann.

kna